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Auch der 90. soll groß gefeiert werden

Rainer Sondern ist ein ganz seltener Gast an der Eschbachtalsperre in Remscheid.
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Rainer Sondern ist ein ganz seltener Gast an der Eschbachtalsperre in Remscheid.
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An der frischen Luft mit Rainer Sondern, dem Boss der Betriebssportler in Remscheid.

Von Peter Kuhlendahl 

Nach einem gut 70-minütigen, gemütlichen Spaziergang um die Eschbachtalsperre legt Rainer Sondern auf der Staumauer ein Geständnis ab: „Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal so lange zu Fuß unterwegs gewesen bin. Aber das war richtig klasse.“ Dabei legt der Vorsitzende der Remscheider Betriebssportler großen Wert auf Bewegung. Jeden zweiten Tag geht es daheim auf einen Hometrainer. Weite Wege sind ansonsten nicht sein Ding, weil ihn die Hüfte manchmal piesackt.

Aber das blendet er aus und sagt: „Ich bin super glücklich, dass es mir gut geht.“ Er könnte auch das Wörtchen „Wieder“ hinterherschieben. Denn im vergangenen Jahr bekam er eine schlimme Diagnose. „Ich hatte Darmkrebs. Das ist aber zum Glück früh genug erkannt worden. Die Sache ist komplett ausgestanden.“ Jetzt peilt er auch weiter sein großes Ziel an: „Ich will 90 Jahre alt werden. Mindestens!“ Apropos Geburtstag: Im November letzten Jahres gab es einen großen „Runden“. Da ist Sondern 70 geworden. „Meinen 50. und meinen 60. habe ich groß in Remscheid gefeiert. Meinen 70. wollte ich in Inzell mit meinen Freunden, die da leben, feiern.“ Aber die Pandemie hat einen großen Strich dadurch gemacht. Das soll jedoch auf alle Fälle nachgeholt werden. In Inzell, Sonderns zweiter Heimat in einem der südlichsten Zipfel Deutschlands, unweit von Salzburg. „Durch meinen Bruder bin ich vor 40 Jahren zum ersten Mal dort gewesen.“ Scheinbar war es Liebe auf den ersten Blick.

Große und weite Reisen sind ansonsten nicht sein Ding. „An die Algarve möchte ich noch einmal. Die Küste dort ist ein Traum“, sagt Sondern, der in diesem Bereich also kaum durch die Corona-Pandemie eingeschränkt wurde.

Aber in manchen andern. Es ist die Geselligkeit, die er liebt. Seit einigen Jahren schaut er in privater Runde Spiele der Fußball-Bundesliga. „Da sind Fans von den unterschiedlichsten Clubs dabei. Das macht immer großen Spaß. Geht derzeit aber auch nicht“, erzählt der Remscheider, der selbst bei der 1. Spvg. Remscheid mit dem Fußball begonnen und später dann für die 2. Mannschaft des VfB Marathon in der Bezirksliga gespielt hat. Sonderns Herz schlägt übrigens für Borussia Dortmund.

Außerdem vermisst er die Sportart, die er vor einiger Zeit in Remscheid etabliert hat: Walking-Fußball. „Der Zulauf von Interessierten ist immer größer geworden. Wir fiebern alle der Zeit entgegen, wann es wieder losgehen kann“, sagt er. Und er vermisst auch die Fußballer von TuRa Süd. Deren 1. Mannschaft und dem Trainer steht er beratend zur Seite.

„Wenn ich mich über etwas ärgere, tue ich das auch kund.“
Rainer Sondern

Ansonsten ist er als Mister Betriebssport in Remscheid bekannt. Er war zunächst lange BKV-Fußballchef. Dann hat er zusätzlich auch vor einigen Jahren das Amt des BKV-Vorsitzenden übernommen. Und wird dies auch – anders als mal geplant – weiter machen. Im März dieses Jahres wollte er bei der Jahreshauptversammlung den Führungsstab weiterreichen. „Die Versammlung kann zum einen aus Pandemiegründen ja nicht stattfinden. Außerdem will ich die Betriebssportler in diesen schwierigen Zeiten nicht alleine stehenlassen“, begründet Sondern seinen Sinneswandel, schiebt aber auch hinterher: „Wenn mich die Mitglieder weiter wollen.“

Der BKV-Vorsitzende Rainer Sondern (l.) war mit RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl an der Eschbachtalsperre unterwegs.

Davon ist auszugehen. Auch weil sie wissen, dass der 70-Jährige sich mit großem Engagement in allen Belangen für sie einsetzen wird. Und dabei auch kein Blatt vor dem Mund nimmt. „In allen Bereichen“, wie er mit einem Lachen anmerkt. Dass er damit auch mal aneckt, nimmt er sehr gelassen hin. „Wenn ich mich über etwas ärgere, tue ich das auch kund“, betont Sondern. Aktuell zum Beispiel beim Thema FC Remscheid und dem Engagement von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz beim Fußball-Landesligisten: „Ich stehe voll und ganz hinter Ralf Hesse vom Handball-Regionalligisten HG Remscheid, der sich darüber verwundert zeigt.“ Und dass der ehemalige FCR-Vorsitzende Lars Althoff die HGR in einem Facebook-Kommentar dafür kritisierte, hat ihn noch mehr gewurmt. „Wenn ich den Oberbürgermeister beim nächsten Mal treffe, spreche ich ihn darauf an.“

Dabei liegt er politisch voll und ganz auf der Wellenlänge des OB. „Ich habe noch nie etwas anderes als die SPD gewählt“, betont Sondern und erzählt, wann seine Sympathie für die Sozialdemokraten geweckt wurde. „Ich habe in den 60er-Jahren Willy Brandt bei einem Wahlkampfauftritt in Remscheid erlebt. Ich war begeistert.“

SPD-Wähler hätte sich Merz als Bundeskanzler gewünscht

Allerdings ist Sondern, was die nächste Bundestagswahl betrifft, auch Realist: „Die SPD hat da überhaupt keine Chance.“ Im gleichen Atemzug wartet er mit einer Überraschung auf: „Ich würde mir Friedrich Merz als Bundeskanzler wünschen. Der würde für frischen Wind sorgen.“ Allerdings musste der sich am Samstag bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden gegen Armin Laschet geschlagen geben.

Einen mächtig dicken Hals hat Sondern zudem auf all die Zeitgenossen, die Corona nicht ernst nehmen oder gar leugnen: „Ich habe den einen oder anderen von meiner Facebook-Freundesliste deshalb gestrichen. Natürlich sind in der Politik in diesem Zusammenhang auch viele Fehler gemacht worden. Dennoch ist die Situation weiter ernst.“

Jeglicher Ärger verfliegt, wenn er mit seinem fast zweijährigen Enkel Milan Joel zusammen ist. „Da wird alles andere zur Nebensache. Das ist herrlich“, schwärmt der Familienmensch, der eine Tochter hat. Svenja und auch seine Ehefrau Monika waren übrigens sehr verwundert, dass er sich mit dem RGA auf den Spazierweg um die Eschbachtalsperre gemacht hat. „Meine Frau ist sehr oft hier“, sagt Sondern, der aber offenlässt, ob er sie bei einem der nächsten Male auch begleiten wird.

Zur Person

Rainer Sondern wurde am 21. November 1950 in Remscheid geboren. Dort lebt er mit seiner Ehefrau. Bis zu seiner Pensionierung hat er viele Jahre bei unterschiedlichen Zeitungen als Mediaberater gearbeitet. Neben seiner BKV-Tätigkeit ist er auch noch Mitglied des Reinshagener TB. Dort hat er vor vielen Jahren auch mal die Fußball-Abteilung geleitet.

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