Judo

Auch der Videobeweis ändert nichts

Junior Degen (im blauen Dress) sorgte für so etwas wie ein Aufbruchsignal beim RTV.
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Junior Degen (im blauen Dress) sorgte für so etwas wie ein Aufbruchsignal beim RTV.
  • Andreas Dach
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Das RTV-Judoteam verliert in der Bundesliga knapp mit 6:8 gegen Hannover.

Von Andreas Dach

Er hockte da wie ein Häuflein Elend, war untröstlich. Schulterklopfen? Nette Worte? In den Arm genommen werden? Für nichts war Christos Pintsis empfänglich. Seine dunklen Augen starrten ins Nichts, während er vor sich hin murmelte: „Alle haben es gesehen, es war so eindeutig.“ Er schüttelte den Kopf, sagte dann weiter: „Für die Saison kann das entscheidend gewesen sein.“

Ja, die 6:8-Niederlage des RTV-Judoteams gegen das Judoteam Hannover war ein Dämpfer für den ambitionierten Neu-Bundesligisten. Fast so etwas wie ein Hieb in die Magengrube. Davon muss man sich erst einmal erholen. Auch Pintsis. Er hatte es beim Stand von 5:7 in Händen, Armen, Beinen und Körper gehabt, den Anschluss herzustellen. War sich auch sicher, das geschafft zu haben, als er und sein Gegner sich nach einem Bodenkampf wieder hinstellten. Pintsis ballte die Fäuste, rannte in Richtung seiner Mannschaftskameraden. Aus seiner Sicht hatte er seinen Gegner auf den Rücken befördert.

„Mit vernünftigen Kampfrichtern hätten wir gewonnen!“

Cedric Pick, Manager

Die Kampfrichter sahen das anders, sprachen dem Hannoveraner den Sieg zu. Ein sehr umstrittenes Urteil – und nicht das einzige an diesem Tag. Sogar der Videobeweis am Mattenrand wurde herangezogen. Selbst nach Beendigung des Kampftages versammelten sich dort noch Protagonisten beider Seiten. Alle „mit Puls“. An der Entscheidung der Verantwortlichen hingegen sollte das nichts ändern. Da konnte Manager Cedric Pick („Mit guten Kampfrichtern hätten wir gewonnen“) noch so auf 180 sein und Cheftrainer Peter Degen wutschnaubend sagen: „Unglaublich!“

Letztlich hat sich das RTV-Judoteam alles selbst vermasselt, indem es eine sehr dürftige erste Hälfte hinlegte, nach welcher ein 2:5-Rückstand stand. Der ohne Punktegaranten wie die Frey-Brüder Karl-Richard und Johannes (beide im Trainingslager), Alexander Wieczerzak („Ein Band in der Schulter ist durch“) und Alexander Gabler angetretene Gastgeber punktete bis zur Halbzeit alleine durch Sam van´t Westende (1:1, bis 81 kg) und Jesper Smink (2:5, bis 100 kg). Alle anderen Auseinandersetzungen (David Ickes, Cedric Thyssen, Rodel Arnolds, Sascha Schmitz, Christos Pintsis) gingen verloren.

Damit wurden die Befürchtungen von Peter Degen bestätigt: „Es kann eine enge Kiste werden.“ Genau die wurde es. Das RTV-Judoteam wechselte in der Pause dreimal und war bereit für die Aufholjagd. Für Cedric Pick stand zu dem Zeitpunkt fest: „Es muss schon alles passen, wenn wir noch ein 7:7 schaffen wollen.“ Vor den Augen von Peter Frese – von 2000 bis 2019 Präsident des Deutschen Judo-Bundes – verkürzte David Ickes auf 3:5, ehe Eicke Bodens und Cedric Thyssens Niederlagen die Niedersachsen auf 3:7 davonziehen ließen. Der spektakuläre Sieg von Junior Degen (bis 73 kg) war dann so etwas wie ein Aufbruchsignal. Die rund 200 Zuschauer machten ordentlich Rabatz, wurden von „Einpeitscher“ und Moderator Cedric Pick immer wieder animiert, ihre Klatschpappen zu betätigen. Als Arthur Hass (+100 kg) auf 5:7 verkürzte, schien alles möglich. Der Rest? Siehe vorne! Jesper Sminks abschließender Erfolg war dann nur noch Ergebniskosmetik.

Ach, ja: Die relativ enttäuschende Zuschauerzahl bewertete Geschäftsführer René Endres gelassen: „Lasst uns doch erst einmal in aller Ruhe wachsen!“

Bundesliga Nord, Männer

Remscheider TV - JT Hannover 6:8
UJKC Potsdam - JC 66 Bottrop 8:6

1. Hamburger JT 3 31:11 6

2. SU Witten-Annen 3 26:16 5

3. JC 66 Bottrop 4 27:29 3

4. JT Hannover 2 14:14 2

5. KSC Asahi Spremberg 2 14:14 2

6. UJKC Potsdam 3 19:23 2

7. Remscheider TV 3 16:26 2

8. Hertha Walheim 2  7:21 0

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