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Tennisgröße Andrew Lux kennt die Sonne und den Schatten

Einfach ein netter Kerl: Mit gerade mal 43 Jahren hat Andrew Lux schon viel in seinem Leben erlebt. Dabei hat der Tennisspieler aus Wermelskirchen immer die Bodenhaftung bewahrt.
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Einfach ein netter Kerl: Mit gerade mal 43 Jahren hat Andrew Lux schon viel in seinem Leben erlebt. Dabei hat der Tennisspieler aus Wermelskirchen immer die Bodenhaftung bewahrt.
  • Andreas Dach
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An der frischen Luft mit . . . Andrew Lux – Wermelskirchener Tennisspieler freut sich auf das, was da kommt

Remscheid. Viele sehen in ihm den Sonnenschein. Einen Mann, der im Alter von 43 Jahren charmant durch die Weltgeschichte marschiert, Erfolg im Beruf hat und Tennisspiele in Serie gewinnt. Stimmt alles und trifft auf Andrew Lux zu. Erst recht, seitdem er zu Jahresbeginn eine kleine Familie gegründet und geheiratet hat, dazu Papa geworden ist. Doch es gibt bei dem Wermelskirchener auch eine andere Seite. Die mit Schatten, welche sich auf seine empfindsame Seele legen und ihn manchmal verzagen lassen. Zumindest gab es die und haben ihn dazu animiert, Veränderungen in seinem Leben vorzunehmen.

Es ist ein ausgesprochen offenes Gespräch, das wir an der Remscheider Talsperre auf der drei Kilometer langen Runde führen. Von Vertrauen geprägt. Sonst hätte der in Columbus (Ohio) geborene Lux nicht so frei erzählen können. Über die Helligkeit, aber eben auch über die dunkleren Momente, die ihn in der Vergangenheit bewegt haben.

Er führt ein Leben wie aus dem Bilderbuch. Im Alter von gerade mal einem Jahr kommt er mit den Eltern aus den USA nach Remscheid. Dort wächst er auf, macht im Jahr 1997 am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium sein Abitur. Mit der Traumnote von 1,2. „Die Dinge sind mir zugeflogen“, betont er. „Ich bin kein Streber und musste gar nicht viel lernen dafür.“

Zivildienst bei den Johannitern, Bachelor-Studium in den USA mit integriertem Tennis-Stipendium – es geht weiter, immer weiter. Das Marketing liegt ihm. Keinesfalls zufällig wird Adidas auf ihn aufmerksam. Acht Jahre lang ist er für den Sportartikelhersteller tätig, steht ständig unter Strom. Meist in Erlangen, wo er zu der Zeit lebt, zwischendurch in Amsterdam. „Teilweise hatte ich drei Handys gleichzeitig in Betrieb“, sagt er. „Plus Tablet.“

Schirmherren: RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Andrew Lux (v.l.) kamen bei ihrer Runde nicht ohne schützendes Beiwerk aus.

Nächste Station ist Head, ebenfalls ein Sportartikelhersteller. Spezialisiert auf die Rubriken Tennis und Ski. Andrew Lux lebt in der Nähe von Bregenz. Er ist weiter unter Volldampf. Schlaf? Überschätzt! Er genießt es, erfolgreich zu sein. In der Schule ist er das gewesen, nun auch im Beruf. Dabei ignoriert er den größer werdenden Druck. So wirkt es jedenfalls. Dabei hebt der Blondschopf nie ab, kommt trotz des Lebens auf der Überholspur nicht eine Sekunde überheblich daher. Er ist fröhlich und anpackend, aber niemand ahnt, wie es wirklich in ihm aussieht.

Vollgas im Beruf - dann kommt mit 30 der Burnout

Irgendwann kommt der Punkt, an welchem er nicht mehr funktioniert, wie er das nennt. Ein Burnout. Mit knapp 30 Jahren. Lux holt sich medizinische Hilfe, macht eine Therapie, krempelt sein Leben um. Muss das auch. Mittlerweile ist er beratend im Marketing tätig. Hilft Firmen bei Kampagnen und dabei, sich zu positionieren. Lux durchläuft einen Veränderungsprozess. Bezogen auf den Beruf, den er selbstbestimmend ausübt. Und auf sich selbst. Wenn er eine Pause braucht, nimmt er sie sich. Genauer: „Nach einem großen Projekt lege ich immer zwei Monate Pause ein.“

Es nieselt an der Talsperre. Regentropfen perlen an seinen Wangen ab. Lux wirkt mit sich im Reinen. Denkt an das Masterstudium in der Nähe von Paris, bei welchem er mit 80 Studenten aus 49 Ländern zusammengekommen ist und wieder mehr Zeit fürs geliebte Tennisspielen fand. Für seine große Leidenschaft, sein sportliches Elixier. National und international hat Andrew Lux in den letzten Jahren abgeräumt. Es gibt fast keinen Wettbewerb, den er nicht gewonnen hat oder bei dem er zumindest auf dem Treppchen stand.

Andrew Lux: Nächstes Ziel ist die Tennis-Ü40-WM in Kroatien

Nächstes Ziel ist die Ü40-WM im September in Kroatien. Dort wird er als Teamkapitän mit der deutschen Mannschaft an den Start gehen. Dazu im Einzel, im Doppel und im Mixed spielen. Letzteres mit seiner Ehefrau Julia, einer Psychologin. „Wenn ich sie bis dahin überredet habe“, sagt er lächelnd.

Erst einmal begleitet er sie ins spanische Marbella, wo sie an der Padel-WM teilnimmt. Dabei handelt es sich um eine Spielform des Tennis. Auf kleineren Feldern und mit kürzeren Schlägern ohne Bespannung. Während seine Julia spielt, wird sich Andrew Lux um Töchterchen Lia Joy kümmern. Die Kleine ist im März zur Welt gekommen. „Joy heißt übersetzt Freude“, sagt Lux. Die Freude über das private Glück ist unverkennbar.

Familienglück pur: Andrew Lux und Ehefrau Julia mit Töchterchen Lia Joy.

Einen Monat vorher hat er seine Julia in Witten standesamtlich geheiratet. Coronabedingt im kleinsten Kreis, den man sich vorstellen kann. Nur er und seine Liebste. „Es war ein toller Tag“, findet Andrew Lux. „Eine große Feier für Familie und Freunde holen wir im nächsten Jahr nach.“

Auf dem gesamten Weg wirkt der Wermelskirchener sehr reflektiert, sehr klar. Das war – siehe oben – nicht immer so. Dass er da steht, wo er steht, hat auch etwas mit dem ungewöhnlichen Master-Studium zu tun, welches er mutig angegangen war. An der Wirtschaftshochschule INSEAD in Frankreich hat er den Titel des „Executive Masters in Consulting and Coaching for Change“ erlangt. Das hat ihn weiter reifen, noch selbstkritischer werden lassen.

Thema der Masterarbeit: Selbstgespräche von Tennisspielern

Enorm spannend ist das Thema, mit welchem er sich bei seiner Masterarbeit beschäftigt hat: „Selbstgespräche von Tennisspielern.“ Wie oft bekommt man von Außen mit, dass Spieler lautstark mit sich hadern. Das kann bei den größten Turnieren der Welt sein. Wie genauso auch auf den Plätzen in Lennep oder Burscheid. In vielen Fällen finden solche Selbstgespräche auch nur im Kopf statt. In den meisten Fällen nicht wirklich produktiv. Gerade in kritischen Situationen brauchen die Sportler Überzeugung und müssen intuitiv den Ball übers Netz befördern. Ohne zu sehr die Gehirnzellen zu bemühen.

In diesen Beobachtungen werden sich viele wiederfinden. Wie dies auch Lux glaubt, der in seiner täglichen Arbeit immer mehr dem Coaching Platz einräumt. Um anderen zu helfen. Und für sich selbst. „Mir geht es inzwischen viel, viel besser“, sagt er. Der Druck ist nicht mehr (so) groß, er rennt nicht mehr jedem Trend hinterher. Für sich, für seine Familie, für sein Leben.

Im Jahr 2014 ist Andrew Lux erstmals in Uganda gewesen, bringt sich ehrenamtlich bei dem Remscheider Förderverein „Our Children and Our Future“ ein. Längst als 2. Vorsitzender – mit großem Engagement. Es ist ihm ein Bedürfnis, Menschen zu helfen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Dabei machen sie meist gar nicht den Eindruck, unglücklich zu sein. Weil sie nur Einfachheit kennen, nicht durch eine zunehmend digitalisierte Welt den Blick für das Wesentliche verloren haben.

„Ich möchte mit Elberfeld in die Bundesliga!“

Andrew Lux, Tennisgröße

Lux kennt beide Seiten, kann mitreden. Er hat mit den Djokovics und Scharapowas zu tun gehabt, Tennisgrößen dieser Welt aus nächster Nähe erlebt. Wie mit jungen Menschen, denen man in Kinderheimen in Uganda versucht, eine Zukunft zu geben. Ja, wir wiederholen es gerne: Er ist reflektiert, realistisch, klar. Das gilt auch, wenn es um seine sportliche Zukunft geht. „Ich möchte mit Blau-Weiß Elberfeld in die Bundesliga“, sagt er. Auch die Deutsche Meisterschaft Anfang August in Bad Neuenahr hat er auf dem Zettel. Bei den Herren 40 ist er im Doppel Titelverteidiger, im Einzel war er zuletzt Zweiter.

Laufstarker Linkshänder mit gutem Auge und noch besserer Technik: Andrew Lux, hier bei einem Spiel des TC BW Elberfeld.

„Wir sehen uns“, sagt er zum Abschied. „Vielleicht beim Doppelturnier in Pohlhausen im August.“ Ja, dieser Andrew Lux ist geerdet. Und sind da nicht an der Talsperre auch die ersten Sonnenstrahlen nach dem Regen zu sehen?

Serie: An der frischen Luft mit...

Seit November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler, einer Sportlerin oder Funktionären um die Remscheider Talsperre. Bislang dabei: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Bauss, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz, Anne Ueberholz, Henning Weber, Jörg Musset, Lena Henning, Stephanie Probst, Ralf Hesse, Arnd Bader, Caro Reinert, „Howie“ Paasch, André Berger und nun Andrew Lux.

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