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Amboss kämpft gegen die Auflösung

Gegen die Wuppertal Greyhounds wehrte sich der Amboss am Samstag nach Kräften, verlor aber mit 0:37.
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Gegen die Wuppertal Greyhounds wehrte sich der Amboss am Samstag nach Kräften, verlor aber mit 0:37.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Analyse: Der Football-Oberligist muss den Vorstand neu besetzen, aber es fehlen Interessenten.

Sportlich läuft es für den AFC Remscheid Amboss in dieser Saison solide. Trotz eines überschaubaren Kaders haben sich die Footballer frühzeitig eine weitere Saison in der Oberliga gesichert und können den Endspurt der Spielzeit mit ausschließlich Heimspielen – wie am vergangenen Samstag gegen Wuppertal – trotz 0:37-Niederlage – am 1. Oktober gegen Dortmund und am 15. Oktober gegen Krefeld – entspannt entgegenblicken.

Trotzdem war vor einigen Tagen die Aufregung groß, als gar die Auflösung des Vereins im Raum stand. Der Grund: Das Vorstandstrio um Christian Müller (Präsident), Sven Müller und Nadja Wolf hatte aus persönlichen beziehungsweise beruflichen Gründen frühzeitig erklärt, bei der turnusmäßigen Jahreshauptversammlung am 24. August nicht mehr kandidieren zu wollen. Gelöst werden konnte das Problem dort dann aber nicht.

Woran hat es gelegen?

Schon die Beteiligung an der Versammlung war alles andere als optimal. In den Räumlichkeiten des Fußballkreises am Hagen, wo die Footballer diesmal zusammengekommen waren, verliefen sich gerade einmal knapp zehn Prozent der 244 Mitglieder. „Das fand ich schon etwas seltsam“, gibt Christian Müller zu, der den Amboss vor 23 Jahren gegründet hat, seitdem ununterbrochen in unterschiedlichen Funktionen für ihn tätig war und nun aber aus privaten Gründen andere Prioritäten setzen muss.

Nachdem der Vorstand an dem Abend entlastet worden war, begann die Suche nach Nachfolgern. Allerdings vergeblich. Von den Anwesenden wollte sich niemand bereiterklären, Verantwortung zu übernehmen und sich der Wahl zu stellen

Welche Gründe hat ein solches Desinteresse?

Wie in Vereinen und Sportarten zu erkennen ist, scheint ehrenamtliches Engagement derzeit nicht mehr im Trend zu liegen. Um es mal vorsichtig zu formulieren. . . Müller reagiert bei allem Frust über die gescheiterte Wahl sogar mit einem Hauch von Verständnis: „Der Krieg, Corona, die Energiekrise – viele haben leider mit sich selbst zu tun.“ Was für einen Verein dramatische Folgen haben könnte.

Wie sehen die aus?

Im schlimmsten Fall eine Auflösung des Clubs. „Die Geschäftsfähigkeit eines solchen muss immer gewährleistet sein. Ein Verein ohne Vorstand ist kein Verein mehr“, verdeutlicht der Amboss-Präsident, der sich mit Sven Müller und Nadja Wolf mangels Alternativen bereiterklärt hat, die Ämter bis zu einer weiteren Versammlung kommissarisch weiter auszuüben.

Diese wird am 28. September ab 19.30 Uhr im Bowl Inn an der Haddenbacher Straße stattfinden. Dort müssen dann endgültig Nachfolgerinnen oder Nachfolger gefunden werden. „Proaktives Engagement kann nur von den Mitgliedern aus kommen“, verdeutlicht Christian Müller. „Wir können ja schließlich niemanden für den Posten einkaufen.“

Mit dem drohenden Worst Case, also im schlimmsten Fall der Auflösung des AFC Remscheid Amboss, hat der Verein im Anschluss an die JHV Druck über die Sozialen Medien ausgeübt. Welche Reaktionen hat es darauf gegeben?

Sven Müller, Nadja Wolf und Christian Müller (v.l.) bilden seit 2019 und derzeit noch den Vorstand des Amboss.

Zumindest welche, die den Verantwortlichen Hoffnung machen. „Es formiert sich etwas“, berichtet Müller. Der Warnschuss scheint Wirkung zu zeigen, einige Mitglieder sollen ihr Interesse angedeutet haben.

Gründen, sich im Verein zu engagieren, gibt es ja einige.

Zum einen stimmt die strukturelle und sportliche Grundlage. „Wir sind unterm Strich gut durch die vergangenen zweieinhalb Jahre gekommen“, bilanziert der Vorsitzende. „Der Verein steht wirtschaftlich sehr stabil da, und die Trainingsmöglichkeiten haben sich durch den Umbau in Reinshagen verbessert.“ Zudem gab es nur geringe Mitglieder-Einbußen. Als das amtierende Vorstandstrio vor drei Jahren übernahm, waren es knapp über 250.

Für das aktive Mitwirken im Verein spricht auch, dass Müller, Müller und Wolf bei der Einarbeitung ihrer Nachfolgelösungen „volle Unterstützung“ ankündigen. Die Grundstrukturen seien darüber hinaus intakt und Bedenken, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, nur bedingt angebracht. Christian Müller: „Ich kann die Leute diesbezüglich ja auch verstehen. Aber da kommt man schnell rein.“

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken ausführlich nach. Gibt es Fragen, die unbeantwortet geblieben sind? Oder Dinge, die eingeordnet werden müssen? In der aktuellen Analyse befassen wir uns mit den akuten Problemen der Amboss-Footballer, die Ende des Monats einen neuen Vorstand wählen müssen, um überhaupt weiter existieren zu können.

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