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Als Pilger findet Henning Weber seine innere Ruhe

Der Weg um die Eschbachtalsperre gehört zum Jakobsweg. Und ist auch durch eine Stele gekennzeichnet, an der Henning Weber eine kurze Pause einlegte. Foto: Peter Kuhlendahl
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Der Weg um die Eschbachtalsperre gehört zum Jakobsweg. Und ist auch durch eine Stele gekennzeichnet, an der Henning Weber eine kurze Pause einlegte.
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An der frischen Luft mit Henning Weber – Der Ex-Vorsitzende des Fußball-Kreises ist weiter sehr aktiv

Remscheid. Viele kennen ihn als kämpferischen Fußball- und Vereinsfunktionär, der auch selbst viele Jahre auf dem Platz aktiv und in seiner Jugend zudem ein sehr guter Leichtathlet war. Aber Henning Weber als Pilger? Dies ist eine der Überraschungen, die der Spaziergang rund um die Eschbachtalsperre in Remscheid bereit hält. „Unsere nächste Tour auf dem Jakobsweg wird uns von Schengen nach Metz führen“, sagt der 76-Jährige, „wenn die unsägliche Pandemie vorbei ist.“

Mit uns meint Henning Weber seine Frau Uta-Maria Herget, mit der er bereits seit vielen Jahren in Bonn lebt. Der frühere Wermelskirchener Elektromeister, der seinen Betrieb längst an einen ehemaligen Mitarbeiter und früheren Lehrling verkauft hat, ist zum zweiten Mal verheiratet.

Das Selfie nach dem Spaziergang ist obligatorisch: Henning Weber und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl.

Nach seiner ersten Ehe wollte er erst einmal zur Ruhe kommen. „Das kann man optimal beim Wandern auf dem Jakobsweg. Da hängt man einfach nur seinen Gedanken nach“, betont Weber, der, bevor die nächste Etappe ansteht, sich mit langen Spaziergängen am Rhein mit seinem Hund fit hält.

Seine erste Etappe auf dem Jakobsweg hat er in seiner bergischen Heimat absolviert: von Beyenburg über Lennep nach Wermelskirchen. Bevor dann eben die nächste Etappe von Luxemburg nach Frankreich ansteht, muss erst die Pandemie überwunden sein. 15 bis 20 Kilometer pro Tag werden dann absolviert. Unterkünfte werden gebucht.

Man sagt mir nach, dass ich ein echter Pingel bin.

Henning Weber über seine Arbeit in der Küche

Gemeinsame Reisen sind eine große Leidenschaft des Ehepaars. Im vergangenen Jahr sollte es nach Moskau gehen und von dort per Schiff nach St. Petersburg. „Corona hat uns auch da ausgebremst“, denkt Weber ärgerlich zurück.

Was bleibt, ist aber eine gemeinsame Reise nach New York inklusive der dortigen Museenbesuche. Die bald auch in Leipzig, Dresden oder Weimar geplant sind. „Meine Frau ist Architektin, und meine Schwiegermutter war Künstlerin. Und auch ich habe großen Spaß an den Besuchen.“

Schwiegermutter sollte bei den Olympischen Spielen von Helsinki starten

Webers Schwiegermutter Hildegard Herget, übrigens eine gebürtige Remscheiderin, war in den 50er-Jahren eine erstklassige Leichtathletin, hatte die Olympischen Spiele in Helsinki nur aufgrund einer Verletzung verpasst und ihren Lebensabend in Salzburg verbracht.

Uta-Maria Herget hat hingegen in Bonn gelebt. Der glückliche Zufall hat die beiden in Österreich zusammengeführt. Henning Weber verbrachte den Jahreswechsel 1999/2000 mit guten Freunden in St. Anton. Bei der großen Sause in der Millenniums-Nacht hat es dann gefunkt.

So wurde Weber einige Jahre zum Pendler zwischen dem Bergischen Land und dem Rheinland. Bis 2007. Dann zog auch er nach Bonn. Aber das Pendeln blieb. Zwar nicht mehr beruflich, aber nun in seinen Ämtern als Vereins-, Kreis- und Verbandsfunktionär.

Henning Webers Verein ist der SV 09 Wermelskirchen, der später nach der Fusion mit der TuRU in den SV 09/35 überging. Seit 1962 ist er Mitglied. Gerne hätte er auch in seiner Jugend gekickt. „Das wollte aber mein Vater nicht, da es ihm bei den Fußballern nach den Spielen zu gesellig zuging“, erzählt Weber mit einem Augenzwinkern. Deshalb war er als Kind und Jugendlicher als Leichtathlet für den Wermelskirchener TV im Einsatz. Mit 18 ging es schließlich doch noch los. „Ich habe so zumindest noch ein Jahr in der A-Jugend gespielt.“

Bereits mit 21 Jahren geht es auf die Meisterschule nach Oldenburg

Da war Weber bereits auch längst in der Lehre zum Elektriker. Und ganz ungeschickt stellte er sich dann wohl nicht an. Auf Anraten seines damaligen Ausbilders besuchte er mit 21 Jahren bereits die Meisterschule. „Dabei hatte ich noch nicht mal die eigentlich geforderten drei Gesellenjahre absolviert.“ Die Schule war in Oldenburg, und Weber spielte während dieser Zeit am Wochenende weiter für Nullneun in der damaligen 2. Mannschaft Fußball.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterschule brauchte er dann eine neue Stelle. Die fand er schließlich in Burscheid. „Allerdings war die damit verbunden, dass ich auch für den BV Burscheid spielen sollte“, erinnert sich Weber, der auch diese Zeit nicht missen möchte und dies zwei Jahre machte, bevor er zu „seinem“ Verein zurückkehrte.

Für den SV 09 war er zwar weiter am Ball, wurde aber auch bald in die Vereins- und Vorstandsarbeit eingebunden. Viele Jahre an der Seite von Jürgen Betz, der zu einem guten Freund wurde. Weber: „Er hat unglaublich viel für den Verein geleistet.“

Fußballkreis: Art und Weise des Abschieds ärgert ihn bis heute

Mitte der 90er-Jahre gab es dann einen Anruf von Peter Herrmanns, der als Wermelskirchener als Funktionär beim Fußball-Verband Niederrhein tätig war. „Er fragte mich, ob ich nicht das Amt des Vorsitzenden des Fußballkreises Remscheid übernehmen wollte.“ Weber wollte. Wurde 1995 gewählt. Und 2013 schließlich abgewählt.

Als Vorsitzender des Kreises Remscheid zeichnete Hennig Weber 2012 zum letzten Mal verdiente Ehrenamtler aus.

Die Art und Weise wie das geschah, ärgert ihn übrigens heute noch. Seine Abwahl hatte ein lange Vorgeschichte. Weber war immer mal wieder mit Schiedsrichtern des Kreises aneinander geraten, die ihn schließlich stürzten. „Am Nachmittag des Kreistags kam ich nicht aus Bonn raus, da es dort eine große Demonstration gab. Als ich in Remscheid ankam, lief die Versammlung dann fast schon anderthalb Stunden. Das war es dann.“

Beendet war so auch seine Tätigkeit auf Verbandsebene. Er gehörte dem FVN-Beirat an und war Kassenprüfer. Allerdings hat er weiter einen engen Draht nach Duisburg und telefoniert beispielsweise regelmäßig mit dem FVN-Präsidenten Peter Frymuth.

Seit 2014 ist der Vorsitzender des Fördervereins des SV 09/35

Nach dem beruflichen Ruhestand wollte sich Henning Weber nicht auch noch aus dem sportlichen Bereich auf sein Altenteil zurückziehen. Der Kontakt zum SV 09/35, dort ist er seit 2000 Ehrenmitglied, flammte mehr und mehr auf, und Weber übernahm 2014 den Vorsitz des Fördervereins.

Gemeinsam mit Edgar Müller ging dann die Arbeit wieder richtig los. Sie rührten ordentlich die Werbetrommel, ließen alte Kontakte aufleben und sorgten schließlich dafür, dass der finanzielle Anteil des Vereins für den Umbau des Eifgen-Stadions aufgebracht werden konnte.

Beendet ist die Arbeit Webers auch nach der Fertigstellung des Kunstrasen noch längst nicht. Bevor er zum Spaziergang an der Talsperre eintraf, war für die Planung eines weiteres Projektes im Stadion in Wermelskirchen.

Langeweile kommt bei Hennig Weber also keine auf. Und auch nach dem Gang um die Sperre war sein Tagwerk noch nicht beendet. Die heimische Küche rief. „Zu Hause bin ich der Koch. Meine Frau kann es natürlich auch. Aber das ist meine Aufgabe.“ Weber setzt dabei nicht auf Arbeitsteilung und hinterlässt in der Küche kein „Schlachtfeld“. „Da sagt man mir nach, dass ich ein echter Pingel sei. Meine Frau meint, dass das Ceranfeld des Herdes bei uns immer noch aussieht, wie gerade im Laden gekauft.“

Henning Weber als perfekter Hausmann – auch damit hätte wohl kaum einer gerechnet.

Henning Weber genoss die Runde an der Luft.

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Seit Mitte November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler oder einer Sportlerin um die Eschbach-Talsperre in Remscheid. Bislang waren dabei Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Baus, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz Anne Ueberholz und nun Henning Weber.

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