Interview der Woche

Alles hat seine Zeit – auch im Sport

Seine Aufgaben als Vereinsfunktionär nimmt Wolfgang Görtz auch weiterhin wahr.
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Seine Aufgaben als Vereinsfunktionär nimmt Wolfgang Görtz auch weiterhin wahr.
  • Peter Kuhlendahl
    VonPeter Kuhlendahl
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Der Lenneper Wolfgang Görtz hat den aktiven Teil seiner ehrenamtlichen Aufgaben beendet.

Sie haben Jahrzehnte einen Bogen um Sportvereine gemacht, bevor sich dies grundlegend geändert hat. Nun haben Sie sich aber von einen Teil Ihrer ehrenamtlichen Aufgaben verabschiedet. Warum?

Wolfgang Görtz: Alles hat eben seine Zeit. Ich habe meine Ämter als Übungsleiter beim Remscheider TV aufgegeben. Wenn Du eine Gruppe leitest, hast Du eine Vorbildfunktion. Es ist vergleichbar mit dem Überschreiten des Verfallsdatums. Klar bist Du noch zu gebrauchen. Du hast es aber auf der Stirn stehen.

Machen Sie an anderer Stelle weiter?

Görtz: Ich bin weiter 2. Vorsitzender des TV Frisch Auf Lennep und bin auch im Vorstand des Röntgen Sport-Clubs.

Welche Kurse haben Sie im RTV geleitet?

Görtz: Das waren zwei Volleyballkurse. Einer für Männer und Frauen und einer nur für Männer.

Sie waren mehr als zwei Jahrzehnte im Einsatz. Fiel der Abschied schwer?

Görtz: Man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mein Entschluss aufzuhören, ist während des pandemiebedingten Lockdowns gefallen. Verstärkt wurde meine Entscheidung dann, als wir, als es wieder losging, uns mit jeder Menge Regelungen, die natürlich ihren Sinn hatten, beschäftigen mussten. Anfang des Jahres habe ich mit dem ersten Kurs aufgehört. Im Frühsommer auch mit der Männermann, nachdem es dort eine gute Nachfolgeregelung gibt.

Wie haben Sie zum Sport gefunden?

Görtz: Sport habe ich immer schon gemacht. In früher Jugend Leichtathletik. Während eines Urlaubs habe ich am Strand Volleyball gespielt. Ein Zeitungsbericht im RGA hat mich dann zum TV Jahn gebracht. Dort habe ich bis Mitte der 80er-Jahre dann Volleyball gelernt und gespielt. Als in dieser Zeit dann der Tennisboom ausbrach, habe ich auch Tennis gespielt.

Aber es sollten viele Jahre vergehen, bevor Sie sich in die Vereinsarbeit stürzten.

Görtz: Das ganze Vereinsleben war einfach nicht mein Ding. So habe ich zumindest lange gedacht. Beim Touring Club Remscheid habe ich mal die Pressearbeit gemacht. Mehr wollte ich nicht. Im Jahr 1999 hat sich dann alles grundlegend geändert.

Was passierte da?

Görtz: Beim RTV war ich in einer Volleyballgruppe aktiv. Der gehörte auch mein damaliger Chef an, der dann meinte, ich solle die Gruppe als Übungsleiter übernehmen. Da konnte ich schlecht widersprechen.

Das war aber nicht alles.

Görtz: Meine Töchter waren beim TV Frisch Auf Lennep als Turnerinnen aktiv. Da gab es auch eine Volleyballgruppe, bei der ich dann tätig war. Der damalige Vorsitzende Rolf New wollte mich nach den Trainingsabenden dann immer nach Hause bringen. Ich hatte mich schon gewundert. Wusste aber bald warum, als er mich fragte, ob ich nicht für den Posten des 2. Vorsitzenden kandidieren wolle. Da hätte man auch gar keine Arbeit mit, meinte er.

Haben Sie lange überlegt?

Görtz: Eigentlich nicht. Zumal ich dem Verein einfach auch was zurückgeben wollte, da meine Töchter es super angetroffen hatten. Aber bei der Arbeit bei einem Club blieb es nicht.

Was kam noch?

Görtz: Frisch Auf gehörte zu den insgesamt drei Lenneper Vereinen, die zu dieser Zeit den Röntgenlauf aus der Taufe gehoben hatten. Auch der Röntgensport Club wurde dann ja gegründet. Ich war also da von Anfang an dabei.

Zurück zu Ihrem Amt als Übungsleiter. Einfach in die Halle stelle und loslegen, geht da natürlich nicht, oder?

Görtz: Natürlich nicht. Ich hatte mich beim Sportbund zu einem Übungsleiter-Lehrgang angemeldet. Und ich kann rückblickend nur jedem raten, dies zu machen, wenn man angesprochen wird.

Welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?

Görtz: Der Lehrgang mit seinen insgesamt 178 Lehreinheiten brachte mir völlig neue Dinge für die eigene Persönlichkeit. Er führte mich an die Pädagogik heran und das Erleben, andere Menschen dabei zu unterstützen, etwas Gutes für sich zu tun und Spaß zu haben.

Mit einem Lehrgang ist es aber nicht getan, oder?

Görtz: Nachdem ich den Übungsleiter C in der Tasche hatte, habe ich als Ergänzung noch den Lehrgang „Sport der Älteren“ gemacht. Außerdem muss man alle vier Jahre nachweisen, dass man den Schein weiter behalten darf. Allerdings kann ich nur jedem raten, die Kurse des Landessportbundes, die an Wochenenden stattfinden, so oft wie möglich zu besuchen. Es bringt nicht nur sehr viel, sondern macht auch großen Spaß.

Wie wichtig ist der Spaß bei Ihnen für Ihre Vereinsarbeit?

Görtz: Zunächst mal darf man es nicht als Arbeit ansehen. Es ist eine Aufgabe. Außerdem machst Du das nicht mehr als 20 Jahre, wenn es nicht Spaß machen würde. Es muss aber auch allen anderen Spaß machen. Wenn die Teilnehmer an den Kursen nicht kommen, stehst Du halt alleine in der Halle. Aber wenn sie alle regelmäßig kommen, dann kannst Du auch ein wenig stolz auf Dich sein.

Jeder, der in einem Verein aktiv ist, kennt das Stichwort „3. Halbzeit“.

Görtz: Bei meine beiden Gruppen hatte ich das Glück, dass es eben nicht nur das gemeinsame Bierchen nach den Übungsstunden war. Wir haben gemeinsame Wanderungen unternommen. Außerdem hatten wir noch ein Sommerprogramm mit gemeinsamen Wanderwochen im Elbsandstein-Gebirge, der Pfalz oder auch auf Mallorca. Da sind auch viele Freundschaften entstanden.

Wie wichtig war da, dass Ihre Ehefrau Verständnis hatte?

Görtz: Das war nie ein Problem. Für manche Trainingseinheit ist mir auch die Sporttasche gepackt worden, wenn es beruflich etwas später wurde. Außerdem waren bei allen gemeinsamen Aktivitäten außerhalb der Übungseinheiten die Partnerinnen immer dabei.

Zur Person

Wolfgang Görtz wurde am 29. März 1949 in Remscheid geboren. Dort lebt er mit seiner Ehefrau, mit der er zwei Kinder und zwei Enkelkinder hat. Görtz ist gelernter Werkzeugmacher und hat dann als Projektierer bei ThyssenKrupp gearbeitet. Später hat er das Metier gewechselt und ist seit vielen Jahren als Finanzberater der DVAG tätig. Dies macht der Lenneper bis zum heutigen Tag.

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