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All-Star-Nominierung begeistert Poetsch

Aus der Footballrente ins All-Star-Team der European League of Football: Patrick Poetsch hat´s noch mal allen gezeigt. Foto: Frederik Löwer
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Aus der Footballrente ins All-Star-Team der European League of Football: Patrick Poetsch hat´s noch mal allen gezeigt.
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Interview der Woche mit dem Remscheider Footballer, der auf seine alten Tage noch mal einen raushaut.

Von Fabian Herzog

In Ihrer Football-Karriere haben Sie schon manch einen Höhepunkt für sich verbuchen können. Am Sonntag kommt ein weiterer hinzu: Mit dem All-Star-Team der neugegründeten European League of Football (ELF) treffen Sie in Berlin auf eine Nationalmannschaft der USA. Wie fühlt sich das an?

Poetsch: Ich muss schon sagen, dass das eine sehr, sehr große Ehre für mich ist. Weil diese Wahl unter den Fans, aber eben auch unter den Coaches der Liga durchgeführt wird und die Stimmen 50:50 zählen. Das gehört neben den beiden Länderspielen im Rahmen der World Games 2017 sicherlich zu meinen größten Momenten als Footballer.

Wie genau läuft denn so eine Wahl ab?

Poetsch: Alle Spieler der acht Mannschaften, die in dieser Saison zum Einsatz gekommen sind, stehen auf einer Liste. Daraus wurden nun eben 53 Mann ausgewählt, die das All-Star-Team bilden. Ich wurde auf der Position des Fullbacks unter 15 oder 16 Spielern als Einziger ausgewählt. Das ist schon krass, eine Bestätigung und auch eine Belohnung für die Leistungen in dieser Saison.

Sie hatten Ihre Karriere schon für beendet erklärt, waren dann aber dem Reiz der neuen Liga verfallen und haben sich den Cologne Centurions angeschlossen. Eine Entscheidung, die Sie sicherlich nicht bereut haben, oder?

Poetsch: Nein, auf gar keinen Fall bereut. Ich hatte mich ja gut auf die Saison vorbereitet und konnte von meiner Erfahrung zehren. Klar habe ich gemerkt, dass ich keine 20 mehr bin. Vor allem bei längeren Sprints oder in Sachen Erholung. Die Tage nach den Spielen waren schon eine kleine Qual. Aber dadurch, dass die Liga technisch ein hohes Niveau hatte, waren die Tacklings der Gegner zwar schmerzhaft, aber sauber und nicht verletzend. Außerdem profitiere ich davon, dass ich nicht rauche und meine Ernährung umgestellt habe. Ich denke, das ist schon die halbe Miete.

Wie lief es denn sportlich für Sie? Und wie für Ihr Team?

Poetsch: Wir hatten einen straffen Spielplan mit zehn Spielen in zwölf Wochen. Das ist ja fast wie am College. Mit dem Erreichen des Halbfinals haben wir sicherlich eine gute Saison gespielt, vor allem als Mannschaft, der man nicht viel zugetraut hat und die eigentlich erst 2022 in dieser Liga antreten sollte. Aber mein persönliches Ziel haben wir verpasst. Denn ich wollte ins Finale. Dass wir das durch die krachende 6:36-Halbfinal-Niederlage in Frankfurt nicht geschafft haben, war ärgerlich. Weil wir in erster Linie an uns selbst gescheitert sind. Das Spiel war viel enger, als es das Ergebnis aussagt.

Und die eigene Bilanz?

Poetsch: Ich führe die Statistik für alle Fullbacks an und bin mit meiner persönlichen Saison zufrieden. Klar, ich wollte alle Spiele gewinnen, das ist meine persönliche Einstellung. Aber am Ende bin ich dankbar dafür, was ich geschafft habe.

Mit LeRoy Stryewski hatte sich ein weiterer Ex-Amboss für das Abenteuer ELF beziehungsweise Cologne Centurions entschieden. Welche Rolle hat er gespielt?

Poetsch: LeRoy war nur dritter oder vierter Tight End und ist hauptsächlich in den Special Teams zum Einsatz gekommen. Aber er war ein absoluter Teamplayer und hat seine Rolle innerhalb der Mannschaft mehr als perfekt ausgeübt. Man konnte immer mit ihm reden, und er war da, wann immer du etwas brauchtest. Einen besseren Teamkollegen kann man sich nicht wünschen. Wir hatten auch viel Spaß, wenn wir im Bus saßen und uns über alte Sachen ausgetauscht haben.

Zurück zum All-Star-Team und dem Spiel am Sonntag. Beinahe wären Sie trotz der auf Sie gefallenen Wahl nicht dabei gewesen.

Poetsch: Das stimmt. An dem Tag, als alle Spieler informiert wurden, hatte ich mehrfach einen Anruf aus Hamburg auf dem Handy, dachte aber, das sei irgendein Call-Center oder sowas. Deswegen bin ich nicht rangegangen. Abends beim Training wurde ich dann darauf aufmerksam gemacht, dass das die Zentrale der Liga war, und habe danach sofort zurückgerufen (lacht).

Wie läuft dieses Event All-Star-Game genau ab? Da gehört ja sicherlich auch ein gewisses Drumherum dazu.

Poetsch: Seit Dienstag trainieren wir zusammen in Hamburg. Am Freitagabend ist dann die große Eventgala, bei der Spieler geehrt werden und wir im Anzug erscheinen müssen. Samstag geht´s dann nach Berlin, und Sonntag um 17 Uhr spielen wir unter Flutlicht im Friedrich-Ludwig-Jahn-Park gegen die USA.

Vor wenigen Wochen waren Sie beim Amboss-Heimspiel als Halbzeitpausen-Gast zu Besuch, die Verbundenheit zu Ihren sportlichen Wurzeln ist weiterhin groß. Wie sehen Sie die Entwicklung des Vereins?

Poetsch: Der Amboss ist auf einem guten Weg, sich wieder zu fangen. Die Mannschaft zeigt in dieser Saison, dass sie nicht unverdient wieder in die Oberliga gerutscht ist. Carsten Weber leistet als Headcoach eine gute Arbeit, die auch ankommt. Der Verein braucht aber sicherlich noch Zeit. Das Konzept, ohne Amerikaner zu spielen, ist ganz bestimmt das richtige und absolut lobenswert. Imports haben meiner Meinung nach unterhalb der GFL 2 nichts zu suchen.

Können Sie sich denn vorstellen, noch mal zum Amboss zurückzukehren? Oder wie geht´s für Sie persönlich weiter?

Poetsch: Erst einmal möchte ich weiter in der ELF spielen. Das Niveau reizt mich einfach. Außerdem gibt es ja noch die Chance, diesen Ring (für die Spieler des Meisters, Anm. der Redaktion) zu kriegen. Das ist mein persönlicher Ehrgeiz. Aber eine Rückkehr zum Amboss? Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht für ein Spiel noch mal. Als richtiger Abschluss. Oder als Coach. Aber all das wird man sehen.

Zur Person

Patrick Poetsch wurde am 12. Juni 1989 in Lennep geboren. „Ich bin aber Remscheider“, betont er lachend. Die Sportbegeisterung begann 1995 – aber nicht beim Football, sondern fürs Rollhockey. „Ich war sogar Deutscher Jugend-Meister mit der IGR und in der NRW-Auswahl.“ Parallel spielte der spätere EMA-Abiturient ab 2004 für den Amboss und machte Karriere. 2007 ging´s in die USA, später aufs College, in die Preseason der NFL, nach Österreich und auch zu den Solingen Paladins.

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