Fußball

All das macht Portugals Menschen aus

So, wie hier die Ungarn, möchte sich die deutsche Mannschaft von Portugal in Person von Cristiano Ronaldo am Samstag um 18 Uhr nicht austanzen lassen. Foto: Imago
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So, wie hier die Ungarn, möchte sich die deutsche Mannschaft von Portugal in Person von Cristiano Ronaldo am Samstag um 18 Uhr nicht austanzen lassen.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Vor dem EM-Spiel gegen Deutschland hören wir uns bei bergischen Sportlern um, die es wissen müssen

An diesem Samstag trifft die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Fußball-EM in München auf Portugal. Dabei steht die Mannschaft von Jogi Löw nach dem verpatzten Start gegen Frankreich mehr unter Druck. Wir haben mit im Bergischen lebenden Sportlern mit portugiesischen Wurzeln gesprochen. Über ihr Land, über die Mentalität der Menschen und darüber, wem sie die Daumen drücken.

Sein Sport ist Rollhockey. Fernando Picarra hat lange für die IGR Remscheid und später für I.S.O. gespielt. Inzwischen hat der 45-Jährige seine Spieler- und Trainerlaufbahn beendet. Hin und wieder streamt er sich nach Portugal, schaut sich an, wie die Profis der Kugel nachjagen. In diesen Tagen aber ist der gebürtige Remscheider mit den zwei Staatsbürgerschaften (er hat die deutsche und die portugiesische) ganz auf Fußball und die Europameisterschaft fokussiert. Wem er die Daumen drückt, wenn am Samstag das direkte Duell ansteht? „Mein Herz schlägt für das kleine Land“, sagt er. Und meint Portugal.

Daumen hoch für Portugal: Nelson Martins und sein älterer Sohn Fabio.

Dorthin sind seine Eltern schon vor 15 Jahren zurückgegangen. Und dort sind auch seine beiden Geschwister geboren. Der Vater war dann aus beruflichen Gründen in den 70er-Jahren nach Deutschland gegangen, die Mutter mit den beiden Erstgeborenen dann später. Picarra selbst ist in Remscheid zur Welt gekommen. „Da war die Wiedersehensfreude meiner Eltern wohl groß“, meint er verschmitzt lächelnd.

Picarra schildert die Portugiesen als gelassen und ruhig. „Wenn du mit ihnen einen Termin um 14 Uhr hast, kannst du davon ausgehen, dass sie um 15 Uhr erscheinen.“ Beim Fußball aber werde es emotional: „Da sind alle mit großem Herzblut dabei.“ Wie er selbst als erklärter Fan von Benfica Lissabon auch. Er wird das Spiel alleine schauen, sich vorher ein portugiesisches T-Shirt oder Trikot überstreifen: „Das bringt meistens Glück.“ Und wie endet die Partie? „Ein Unentschieden könnte ich verkraften“, sagt er. „Deutschland wird sich zerreißen.“

Fernando Picarra liebt den portugiesischen Fußball.

Bei Nelson Martins, ebenfalls langjähriger Remscheider Rollhockeyspieler bei IGR und I.S.O., ist die unmittelbare familiäre Konstellation ein wenig anders. Seine Frau ist Deutsche, er hat die portugiesische Staatsangehörigkeit. Vor dem TV-Bildschirm sind die Sympathien klar verteilt. „Das ist schön zweigeteilt“, sagt er. Wissend, dass er sich auf seinen älteren Sohn verlassen kann. Der siebenjährige Fabio hat sich auf die Südeuropäer festgelegt. „Er steht voll auf Ronaldo“, begründet Nelson Martins. Auch Schlussmann Rui Patricio steht in der Gunst des jungen Remscheiders hoch im Kurs.

Vielleicht deshalb, weil der Kleine auch Torhüter ist – in der F2 des SSV Bergisch Born. „Darum konnte ich vom ersten portugiesischen Spiel gegen Ungarn auch nur die zweite Halbzeit gucken“, berichtet Nelson Martins. Sein Junge hatte Training. Die anderen Kinder sind mit drei Jahren (ein Junge) und einem Jahr (ein Mädchen) noch nicht alt genug, um sich wirklich für die EM zu interessieren.

„Die Leute sind auch schon mit kleinen Dingen glücklich!“

Nelson Martins, langjähriger Remscheider Rollhockeyspieler mit portugiesischen Wurzeln

Die Eltern von Martins´ und seinen Brüdern Victor und Mario sind in den 70er-Jahren nach Deutschland gekommen und leben in Lennep. Besuche in der Heimat stehen aber regelmäßig an. „Die restliche Familie lebt schließlich in Portugal“, sagt Nelson Martins. Wenn man dort ankomme, fühle man sich immer direkt wohl. Begründung: „Die Leute sind immer gut drauf und auch schon mit kleinen Dingen glücklich.“ Das könne am vielen Sonnenschein liegen. Auf den Fußball bezogen: „Man ist stolz, für sein Land zu spielen.“

Im Gegensatz zum früheren Mannschaftskameraden Fernando Picarra schwärmt die komplette Familie nicht für Benfica Lissabon, sondern für den Lokalrivalen Sporting. „Ich finde die Jugendarbeit dort großartig“, begründet Nelson Martins seine Vorliebe für die Grün-Weißen. Keinesfalls zufällig sind spätere Stars wie Ronaldo, Figo und Nani dort ausgebildet worden.

Und was macht der Rollhockeysport, der lange die Abende und die Wochenenden der drei Brüder prägte? „Ich habe damals aufgehört, als mit I.S.O. Schluss war“, sagt Nelson Martins. „Mario und Victor haben danach noch in Recklinghausen gespielt, inzwischen aber auch nicht mehr.“ Letzterer hat sich inzwischen dem Futsal zugewandt, einer anerkannten Variante des Hallenfußballs.

Portugal

Portugal ist ein europäischer Staat im Westen der Iberischen Halbinsel, wird im Osten und Norden von Spanien begrenzt, im Westen und im Süden vom Atlantischen Ozean. Es war lange Zeit ein Auswanderungsland, viele Gastarbeiter kamen überwiegend in den 70er-Jahren auch nach Deutschland. Eine der wichtigsten Einnahmequellen ist der Tourismus.

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