Zeitungstreff

Was die Religionsfreiheit an Schulen bedeutet

Das Kopftuch ist keine Gefahr für den Schulfrieden, ist Lehrerin Ahu Günes überzeugt. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Das Kopftuch ist keine Gefahr für den Schulfrieden, ist Lehrerin Ahu Günes überzeugt.

Azra Güzel sprach mit einer muslimischen Lehrerin.

Von Azra Güzel, 8f, Sophie-Scholl-Schule

Frau Günes, Sie als muslimische Lehrerin tragen in der Schule kein Kopftuch. Wie stehen Sie dazu? Ist das Kopftuchverbot Ihrer Meinung nach ein Verstoß gegen die Religionsfreiheit?

Ahu Günes: Ein Kopftuchverbot ist meiner Meinung nach nicht mit Religionsfreiheit vereinbar. Muslimische Frauen tragen ihre Kopfbedeckung, weil sie die gottesdienstliche Praxis befolgen und diese kann mit dem Kopftuchverbot an der Schule nicht fortgeführt werden.

Wenn christliche Bezüge bei öffentlichen Schulen nicht ausgeschlossen werden, die islamischen dagegen schon, ist das dann Ihrer Meinung nach Gleichberechtigung?

Günes: Ich denke, dass der Religionsunterricht an Schulen vom Unterrichtsinhalt her veraltet ist. Wünschenswert wäre ein Religionsunterricht mit dem Fokus auf alle Weltreligionen. Den Schülern den Blick auf andere religiöse Gemeinschaften mit Unterschieden und Parallelen zum Christentum verschaffen, aber auch Barrieren im Hinblick auf den Zugang zu Informationen bezüglich unterschiedlicher Religionen abbauen.

In den Medien wird davon berichtet, dass vor allem Eltern gegen das Kopftuch im Klassenzimmer protestieren, kaum aber die Schüler selbst. Wie erklären Sie sich das?

Günes: Das kann ich nur insofern erklären, dass viele die Religion des Islams nur aus den negativen Schlagzeilen der Medien kennen und sich daher gewisse Vorurteile gebildet

haben. Eltern sehen, denke ich, nicht den Menschen unter dem Kopftuch, sondern allein das Kopftuch. Aber für die Schüler steht das Kopftuch schon lange nicht mehr im Vordergrund, da sie die Lehrkraft kennen und eine persönliche Beziehung zu ihr aufgebaut haben. Es geht ihnen also nur noch um die Lehrerpersönlichkeit.

Wer ist Ihrer Meinung nach dafür verantwortlich, dass Konflikte stattfinden? Die Lehrerin, die sich bedeckt, oder Eltern und Lehrerkollegen, die sich dadurch provoziert fühlen?

Günes: Diejenigen, die die offene Gesellschaft und die Vielfalt bekämpfen. Lehrkräfte besitzen eine Vorbildfunktion und daher sollten an allen Schulen unbedingt Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Konfession, Herkunft, sexueller Orientierung und Behinderung vertreten sein. Dies würde meiner Meinung nach auch dazu beitragen, Diskriminierungen abzubauen, da Schüler und Lehrer zum Dialog verpflichtet werden.

Würde es die Toleranz der Kinder fördern, wenn Lehrerinnen mit und ohne Kopftuch unterrichten?

Günes: Definitiv würde es das tun! Weder das Kopftuch noch die Kippa sind eine Gefahr für den Schulfrieden. Nicht eine bestimmte Religion gehört zu Deutschland, sondern Religionsfreiheit!

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