Kampf um den Behindertenstatus

Ein Diabetiker beim Spritzen von Insulin. Markus muss vier bis fünf mal pro Tag spritzen.©
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Ein Diabetiker beim Spritzen von Insulin. Markus muss vier bis fünf mal pro Tag spritzen.<br><i>©

Die meisten Leute sind froh, dass sie nicht als schwerbehindert gelten. Doch genau darum kämpft Markus (18). Er hat Diabetes und fühlt sich nicht im eigentlichen Sinne schwer behindert. Aber er ist chronisch krank und muss sein Leben seiner Krankheit anpassen.

Deswegen will er in den Genuss der Vorteile eines Schwerbehindertenausweises kommen. Zusammen mit seiner Mutter hat er erst Widerspruch gegen die Aberkennung des Schwerbehindertenausweises eingelegt und dann dagegen geklagt.

Hintergrund: Bis zum sechzehnten Lebensjahr gelten Diabetiker in der Regel noch als schwerbehindert, erläutert Rolf Scheid aus der Abteilung Schwerbehindertenausweise des Rheinisch-Bergischen-Kreises. Danach wird ihnen dieser Status aberkannt. Und genau dagegen legte Markus vor Gericht Klage ein.

Die Klage schwelt nun seit zwei Jahren und es ist nichts entschieden. ,,Ich kann nicht verstehen, warum das so lange dauert", sagt Markus. Er kritisiert außerdem, dass ihn im Zuge des laufenden Verfahrens zwei Jahre lang kein Arzt untersucht habe. Erst Anfang September sei er bei einem Arzt gewesen, der ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand anfertigen soll.

Der Befund des Arztes macht Markus Hoffnung, dass er das Verfahren doch noch gewinnen kann. ,,Er meint, dass ich zu mindestens 50 Prozent behindert bin." Das würde bereits für einen Schwerbehindertenausweis reichen.

Der Ausweis bietet eine Reihe von Vorteilen: Man bekommt viele Ermäßigungen und wenn man arbeitet, hat man einen Kündigungsschutz, Anrecht auf Zusatzurlaub und man erhält Steuervergünstigungen. Noch arbeitet Markus nicht, aber er will sich diese Vorteile für später sichern.

Laut Rolf Scheid vom Rheinisch-Bergischen-Kreis müssen Diabetiker über 16 Jahre allerdings ,,außergewöhnlich stark schwankende Blutzuckerwerte" haben, um Anrecht auf einen Schwerbehindertenausweis zu haben. Es ist die Frage, ob das bei Markus gegeben ist.

Markus muss sich vier bis fünf Mal am Tag Insulin spritzen, um den Zuckeranteil in seinem Blut zu senken. Er muss feste Mahlzeiten einhalten und häufig seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren. ,,Das ist teilweise ganz schön lästig, immer daran zu denken", sagt er. Hinzu kommt, dass er viel Sport treibt: ,,Ich spiele semiprofessionell Handball." Dass bedeutet, er muss seinen Zucker noch öfter kontrollieren als ohnehin schon. Scheid argumentiert allerdings, dass der Schwerbehindertenausweis eine erhebliche Behinderung voraussetzt. Er nennt das Beispiel von jemandem, der seine Hand verloren hat.

So stark eingeschränkt ist Markus nicht: ,,Ich kann alles machen." Er kann auch alles essen, muss sich nur danach entsprechende Dosen Insulin spritzen. Markus denkt deshalb auch darüber nach, ob seine Klage gerechtfertigt ist. ,,Denn es gibt ja auch Leute, die einen ähnlichen Status haben und zum Teil wirklich schwer behindert sind." Markus ist es allerdings wichtig, den Behörden zu zeigen, dass nicht jeder Diabetikers gleich ist und das er tatsächlich eingeschränkt ist.

- Die Krankheit Diabetes:

Diabetes wird auch Zuckerkrankheit genannt. Es liegt eine Überzuckerung des Blutes vor. Diabetiker müssen deshalb regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel messen und sich gegebenenfalls Insulin spritzen. Denn dieser Stoff senkt den Blutzuckerspiegel. Weltweit sind rund 285 Millionen Menschen Diabetiker.

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