Kulturhauptstadt

Zwei Männer denken groß

Erwarten nach Corona einen erhöhten Bedarf nach Veranstaltungen: André Frowein (WiW, l.) und Oliver Platt (BüFo). Foto: Roland Keusch
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Erwarten nach Corona einen erhöhten Bedarf nach Veranstaltungen: André Frowein (WiW, l.) und Oliver Platt (BüFo).

Andre Frowein und Oliver Platt wollen Wermelskirchen zur Kulturhauptstadt des Bergischen machen.

Von Peter Klohs

Für die politische Landschaft in Wermelskirchen ist der Ausschuss für Kultur, Freizeit und Tourismus neu. Erst seit kurzer Zeit sind die Themen Freizeit und Tourismus, die vorher vom Sportausschuss bearbeitet wurden, mit dem Kulturausschuss verbunden. Das macht Sinn, findet der Vorsitzende des Ausschusses, Oliver Platt vom Bürgerforum (BüFo) und berichtet gemeinsam mit André Frowein, 1. Vorsitzender des WiW-Stadtmarketing e.V. im Gespräch mit dem WGA von Visionen und Möglichkeiten, die die Wermelskirchener Kulturlandschaft bietet.

„Es ist absolut möglich und von uns gewollt, dass sich Wermelskirchen innerhalb der nächsten Legislaturperiode zur Kulturhauptstadt des Bergischen Landes mausern wird“, ist das Duo überzeugt. „Und das mit noch nicht einmal 40 000 Einwohnern.“ Der momentane kulturelle Stillstand soll zur Planung genutzt werden. „Diese Riesenkrise bedeutet für uns auch eine Chance“, sagt Platt. „Sehen Sie, es wird kein Dorffest, keine Dhünner Kirmes geben. Sollen wir abwarten, bis wir Corona besiegt haben? Ich bin davon überzeugt, dass genau das falsch wäre. Wir planen schon jetzt die nächsten Veranstaltungen, wobei wir einen wachsamen Blick darauf haben, dass die Veranstaltungen verlegt werden können oder mit einer flexiblen Besucherzahl organisiert werden. Wir planen bereits die Herbstkirmes 2021, die unter Umständen auch dezentral stattfinden könnte. Und wir denken groß.“

„Wir haben hier einen guten Boden für vielfältige Kultur.“
André Frowein

André Frowein steht hinter den Ausführungen seines Kollegen und ergänzt: „Ja, wir denken groß. Obwohl ja gerade im Moment augenscheinlich nicht viel zu denken da ist. Wermelskirchen hat eine große Festkultur. Alleine in der Katt finden 60 Veranstaltungen jährlich statt, die Kulturinitiative bringt es auf 100 Veranstaltungen. Das Einzugsgebiet ist mit Remscheid, Wuppertal bis hin zu Köln beträchtlich. Wir wollen die Veranstaltungen ganz neu denken, und durch den Druck - so sehen wir es - können Veranstaltungen sogar besser werden. Wir lassen uns durch Corona auf jeden Fall nicht unterkriegen.“

Oliver Platt brennt für den neuen Ausschuss, dessen Vorsitzender er ist. „Kultur und Freizeit passen zusammen“, ist er gewiss, „und Tourismus ist das Ergebnis davon. Das gehört für mich alles zusammen. Als Alteingesessener unterschätzt man Wermelskirchen zuweilen gewaltig. Dabei schätzen Besucher die Stadt sehr.“

„Wir haben hier in Wermelskirchen einen sehr guten Boden für eine vielfältige und bereichernde Kultur“, fügt André Frowein an. „Die Zusammenarbeit der Kulturschaffenden ist schon sehr gut, muss jedoch, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, noch intensiver werden. Das, was an Kultur in der Stadt präsent ist, muss zusammengelegt werden. Dazu werden wir Transparenz herstellen. Durch unsere neue Bürgermeisterin, die extrem gut vernetzt ist, konnte Wermelskirchen eine Fördermittelmanagerin installieren. Das ist für die kulturelle Zukunft der Stadt wichtig.“

„Manche werden sagen: Die denken schon, wir sind in Köln“, vermutet Oliver Platt. „Der Vergleich mit Köln ist natürlich nicht gerechtfertigt. Andererseits hat uns die Nähe zu Köln noch nie gestört. Aber unsere Stadt ist stark, der Zusammenhalt zwischen Firmen, Vereinen und Ehrenamtlern ist vorbildlich, was ja auch dadurch gekennzeichnet ist, dass es nur einen Veranstaltungskalender für Wermelskirchen gibt. Und weil wir schon jetzt eine starke Kulturlandschaft haben, ist das Aufkommen von politisch rechtsstehenden Parteien in Wermelskirchen überschaubar. Da kann man der Kultur nur dankbar sein.“

Frowein und Platt

„Eines Tages wird es wieder wärmer werden, und Corona wird besiegt sein“, sagt Oliver Platt, neuer Kulturausschussvorsitzender. „Und dann müssen wir parat stehen.“ Dem entsprechend plant der Ausschuss für Kultur, Freizeit und Tourismus schon für 2021. „Ich bin kein Verwalter“, weiß Platt. „Ich bin ein Gestalter. Und das Gestalten der Kulturlandschaft wird - gemeinsam mit der Stadt - gelingen.“ André Frowein ergänzt: „Es begeistert mich, wenn man schaut, was in den kommenden Jahren in Wermelskirchen möglich sein wird. Ich freue mich unbändig auf die Zusammenarbeit.“

Standpunkt: Keine Alleingänge

Von Nadja Lehmann

Die Kulturhauptstadt des Bergischen Landes? Die Aussage „Wir denken groß“? Bescheiden klingt das wahrlich nicht. André Frowein und Oliver Platt haben sich erkennbar etwas vorgenommen. Und das ist auch gut so. Denn um die Kultur ist es – nicht nur in Wermelskirchen, sondern deutschlandweit – viel zu still geworden.

nadja.lehmann@rga-online.de

Während die Bundesliga schon längst wieder kickt, üben sich Kulturbeflissene überwiegend in Lautlosigkeit: Dass unzählige freischaffende Künstler vor ihrem beruflichen Aus stehen, blieb eher Randnotiz. Deshalb: Groß denken, ja; der Kultur wieder Raum verschaffen, ja. 

Aber: Wermelskirchen sollte dabei nicht als Einzelkämpfer auftreten. Sondern es sollte Kräfte bündeln, wie es mit der Nachbarstadt Burscheid eigentlich geplant ist – in einem gemeinsamen Kulturraum mit ganz unterschiedlichen Spielstätten und Schwerpunkten und einem Kulturmanager, der diese interkommunale Zusammenarbeit entwickelt. Oliver Platt hatte dies auf der Ratssitzung im September kritisch gesehen. Aber: Gerade Corona sollte gezeigt haben, dass die Zeit der Alleingänge vorbei ist.

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