„Zuwanderung ist völlig normal für diese Stadt“

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von David Kannemann, Vikar in der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Remscheid

„Hesseninsel. Treff der Hergeluopenen.“ So lese ich am Markt in Remscheid und muss schmunzeln. Ich bin in Hessen geboren und aufgewachsen. Jetzt arbeite ich in Remscheid. Wahrscheinlich bin ich auch ein Hergeluopener.

Im 19. Jahrhundert haben sich hier am Markt die Einwanderer aus den ländlichen Regionen Hessens versammelt auf der Suche nach Arbeit. Arbeit habe ich schon, immerhin das habe ich meinen hessischen Landsleuten von damals voraus. Und ich denke mir: Wie gut, dass es heute völlig normal ist, aus Hessen, Schwaben oder woher auch immer zur Arbeit in eine Stadt wie Remscheid zu kommen. „Hesseninsel. Treffpunkt der Hergeluopenen“ – so richtig nett klingt das nicht.

Bestimmt haben sich die Remscheider damals über den hessischen Dialekt ausgelassen. Vielleicht auch über „Handkäs’ mit Musik“ und „Äbbelwoi“, wenn sich die Tagelöhner denn solche Köstlichkeiten aus ihrer Heimat überhaupt leisten konnten. Geblieben ist davon nur dieser Stein im Pflaster am Markt. Ich bin froh, dass ich heute darüber schmunzeln kann. Ein abwertender Unterton ist mir hier noch nicht begegnet. Zuwanderung ist völlig normal für diese Stadt. Längst auch aus anderen Ländern.

Da, wo am Markt die Platte am Boden war, ist gerade eine Baustelle. Die Stadt verändert sich. Das ist normal und das ist nötig, um in die Zukunft zu gehen. Die Stadt setzt sich anders zusammen als früher. Manchmal sieht das ziemlich nach Umbau aus und manchmal gibt es Baulärm. Aber nur so geht es voran.

„Wie einen Einheimischen sollt ihr den Fremden ansehen, der bei euch lebt. Du sollst ihn lieben wie dich selbst.“

So heißt es im Alten Testament (3. Mose 19,34). Nicht „Wir“ und „Die“, sondern alle leben hier und es geht zusammen in die Zukunft.

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