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Zustrom aus der Ukraine ebbt ab

Dorothea Hoffrogge und Jochen Bilstein (gelbe Weste) begrüßten im März die Flüchtlinge im Stephanus-Gemeindezentrum. Das Engagement der Initiative ist nach wie vor groß, auch wenn weniger Kriegsflüchtlinge kommen.
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Dorothea Hoffrogge und Jochen Bilstein (gelbe Weste) begrüßten im März die Flüchtlinge im Stephanus-Gemeindezentrum. Das Engagement der Initiative ist nach wie vor groß, auch wenn weniger Kriegsflüchtlinge kommen.

Stadt und Willkommen in Wermelskirchen arbeiten zusammen – Herausforderungen haben sich gewandelt.

Von Theresa Demski

In der vergangenen Woche standen genau zwei Menschen aus der Ukraine vor dem Wermelskirchener Rathaus. Sie hatten einen Termin vereinbart, um sich registrieren zu lassen. „Inzwischen sind es noch zwei bis höchstens zehn Menschen in der Woche, die aus der Ukraine zu uns kommen“, sagt Tanja Dehnen, Leiterin des Sozialamts. Das hat gleich mehrere Gründe: Vor allem werden inzwischen nur noch Geflüchtete aus der Ukraine in Wermelskirchen aufgenommen, die hier bereits Angehörige haben. Diese Entscheidung hat nicht die Stadt selbst getroffen, sondern die Politik in Berlin. Darüber hinaus weist die Bezirksregierung den Kommunen Geflüchteten zu.

Der entscheidende Grund liegt aber wohl an anderer Stelle: Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar liefen viele Menschen um ihr Leben – und verließen ihre Heimat, in der Hoffnung nach wenigen Wochen oder Monaten zurückzukehren. Inzwischen hat sich die Situation verändert – in der Ukraine und damit auch in Wermelskirchen. Rund zehn Prozent der Ukrainer seien wohl inzwischen zurückgegangen, schätzt Tanja Dehnen. Viele andere warten ab.

„Die Perspektiven und Pläne der Menschen sind ganz unterschiedlich“, weiß auch Dorothea Hoffrogge von der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“. Die einen warten nur darauf, dass sich die Lage in ihrer Heimat endlich beruhigt und sie einen Ort haben, an den sie zurückkehren können. „Die anderen bauen sich hier eine Perspektive auf“, sagt Dorothea Hoffrogge. So hätten zum Beispiel Mütter von Kindern mit Behinderung erlebt, wie wertschätzend ihre Töchter und Söhne in Deutschland behandelt würden. Andere haben in Windeseile die neue Sprache gelernt und eine Arbeitsstelle gefunden. Schulpflichtige Kinder gehen in die Grundschulen und weiterführenden Schulen. Viele der Kinder sprechen inzwischen die Sprache.

Und auch für die Kita-Situation scheint sich eine Lösung anzubahnen. „Es gibt inzwischen wohl genug Kita-Plätze, um zumindest die Kinder unter drei Jahre zu versorgen“, sagt Tanja Dehnen noch vorsichtig. Bis dahin springen die Ehrenamtlichen mit ihrer Kinderbetreuung ein, die parallel zu den Sprachkursen im Gemeindezentrum läuft. Ohnehin funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Initiative sehr gut, beteuern beide Seiten.

Aber so wie sich die Situation inzwischen verändert hat, sind auch die Herausforderungen von Behörden und Ehrenamtlichen heute andere: „Viele Privatwohnungen, die in der Not der ersten Stunden kurzfristig zur Verfügung gestellt worden sind, stehen jetzt nicht mehr zur Verfügung“, sagt Tanja Dehnen. Und auch Dorothea Hoffrogge weiß, dass viele Familien und Vermieter, die im Februar und März Geflüchtete spontan unterbrachten, inzwischen an ihre Grenzen stoßen. Die Stadt hat Wohnungen und Häuser angemietet, Flüchtlingseinrichtungen reaktiviert. Aber in dem Moment, in dem Geflüchtete aus der Ukraine keinen Anspruch mehr auf Asylbewerberleistungen haben, sondern die entsprechenden Anerkennungen und Arbeitserlaubnisse vorliegen, fallen sie aus dem städtischen System raus. Das Jobcenter übernimmt.

„Wir müssen auch diese Menschen im Blick behalten“, sagt Dorothea Hoffrogge. Die Politik habe durch ihre Bestimmungen Geflüchtete erster und zweiter Klasse geschaffen. Gleichzeitig umtreibt die Menschen bei der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ noch eine andere Sorge: „Die Empathie lässt nach und immer mehr Menschen gehen auf Distanz.“ Es werde etwa auch deutlich schwieriger, Kleiderspenden zu akquirieren. Die Menschen hätten Angst, dass der Krieg ihnen selbst etwas nehme. Inflation, steigende Energiepreise, immer neue Hiobsbotschaften: „Es muss uns gelingen, diese gesellschaftliche und soziale Herausforderung zu stemmen“, sagt Hoffrogge und hofft dabei auch auf kluge Entscheidungen der Politik. Und sie setzt auf die Wermelskirchener und den Zusammenhalt in der Stadt: „Die Bürger haben hier wieder so viel geleistet!“

Unterbringung

Die Stadt ruft einmal mehr dazu auf, freien Wohnraum zu melden. Wer eine freie Wohnung oder ein freies Haus habe, könne sich an die Stadt wenden, die dringend nach Mietobjekten suche, sagt die Sozialamtsleiterin.

wermelskirchen.de

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