Circus Casselly

Zirkuskinder bringen das Zelt zum Beben

Das erste Mal in der Manege. Eine aufregende Vorstellung für die Schülerinnen und Schüler.
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Das erste Mal in der Manege. Eine aufregende Vorstellung für die Schülerinnen und Schüler.

Fulminantes Finale beim Circus Casselly an der Waldschule – Der Sturm konnte der Stimmung nichts anhaben.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Der in Hürth ansässige Circus Jonny Casselly ist zur Hauptsache für zwei Besonderheiten bekannt und beliebt: Der Zirkus ist ein Familienunternehmen, das mittlerweile in der achten Generation mit erstklassigen Artisten und ausnehmend freundlichen Mitarbeitenden die Besucher verzaubert. Und: Immer wieder werden beim Kinder-Mitmach-Circus Schülerinnen und Schüler in das Artistenleben eingeweiht.

Atemberaubender Moment auf dem Seil.

Die Kinder erlernen während einer gemeinsamen Woche erste Kunststücke, die sie gemeinsam mit den lehrenden Artisten in einer Gala-Vorstellung ihren Eltern und anderen Besuchern zeigen dürfen. So geschehen am vergangenen Freitag. Eine zusätzliche Vorstellung war für den Samstag geplant. Ein ausgiebiges Tiefdruckgebiet entlud sich aber kurz vor der Aufführung auf dem Platz hinter der Waldschule in Wermelskirchen. In den wenigen stillen Momenten des 100-minütigen Programms hörte man Sturm Zeynep um das zehn Meter hohe Zirkuszelt rauschen. Hier und da gingen bange Blicke nach oben.

In schwindelnder Höhe.

Im Zelt roch es nach Sägespänen. Die Stimmung im Publikum war trotz des stürmischen Wetters schon weit vor der Aufführung bereits gut und erwartungsvoll. Kinderfragen durchzogen das Rund: „Geht es jetzt los?“

Der Ansatz des Circus Casselly wurde schnell ersichtlich: Hier ging es nicht darum, möglicherweise herausragende Solo-Vorträge zur Schau zu stellen. Das Gemeinsame galt es zu betonen: Eine Mischung aus Vertrauen, Respekt, Offenheit, Partnerschaftlichkeit und Verantwortung, gepaart mit Spaß.

Kleinere und größere Kindergruppen kamen in die Manege, um ihre erlernten Fertigkeiten vorzustellen. Die Latino-Kids machten den Anfang mit allerlei Bodenakrobatik. Die Hilfestellungen der Profis, die sich durch den ganzen Nachmittag zogen, waren stets darauf bedacht, eben nicht mehr zu sein als das: Den Hauptteil der Artistik übernahmen die Kinder. Und so entstanden in den ersten Minuten der Aufführung komplizierte Hebefiguren, nach hinten gebeugte Brücken, Spagatansätze und „Der lebende Gürtel“, bei dem die Kinder sich kunstvoll um die Leibesmitte der Artistinnen wanden.

Spiel mit dem Feuer.

Kleine Clowns erschienen anschließend, die nacheinander behaupteten, der Zirkusdirektor zu sein. Unter großem Gelächter aus dem Publikum hieß es: „Ich bin der Zirkusdirektor und präsentiere Ihnen wilde Tiere: Tiger, Pumas, Nikes.“

Auch die Bodenakrobaten hatten in dieser Woche eine Menge gelernt.

Bis dann Alfons Casselly erschien, der tatsächliche Direktor des Circus. Das elfköpfige Kinder-Action-Team bestach durch ausgeklügelte Feinmotorik. Zahlreiche Teller wurden auf langen Stangen balanciert. Der erwachsene Clown, der mit einem monströsen Fotoapparat auftauchte und mit seinen acht Kinderfreunden ein „Foto für Hollywood“ erstellen wollte, wurde von den kleinen Clowns beinahe zur Verzweiflung getrieben. Dabei befolgten sie die Anweisungen des großen Clowns doch nur buchstabengetreu.

Die Kunst am Trapez war ein absoluter Höhepunkt

Feuer spielte bei den Trampolinspringern und Fakiren eine Rolle. Da legte sich ein Schüler todesmutig auf ein Nagelbett, dort sprangen heldenhafte kleine Artisten über ausgelegtes Feuer, lautstark vom Publikum gefeiert. Dazu passte vorzüglich „Highway to hell“ von ACDC. Seilartisten zeigten ihr beeindruckendes Können in gut zwei Meter Höhe. Manche der kleinen Artisten in spanischer Verkleidung fuhren gar zur Musik der Gypsy Kings Fahrrad auf dem Seil. Doch der Höhepunkt stand noch bevor: Es ging nach ganz oben, an das Trapez. Alfons Casselly schwang sich in schwindelnde Höhen empor, immer in der Begleitung von mutigen Schülern, die sich, nur durch die Hand des erwachsenen Artisten gehalten, zu abenteuerlichen Figuren wanden, inklusive eines vorbildlichen Spagats, in der Höhe. Da muss man schon schwindelfrei sein.

Standpunkt: Endlich wieder Spaß

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Freilich: Das Leben besteht nicht nur aus Spaß und Freude. Hin und wieder wird es ernst – und das Lachen muss mal hintenanstehen. Aber nach zwei langen Jahren der Pandemie, des Bangens und sich Einschränkens muss es jetzt auch mal wieder lockerer werden an vielen Stellen. Das ist nicht einmal egoistisch gedacht. Denn es geht nicht nur um Beweggründe jedes Einzelnen, sondern vor allem um jene, die unter den erwähnten Einschränkungen besonders gelitten haben: unter anderem Kinder und Jugendliche. Wer die strahlenden Kinderaugen, den Stolz bei der Aufführung der Waldschüler im Casselly-Zelt miterlebt hat, wird wissen, was gemeint ist. Schulleiterin Dagmar Strehlow-Toussaint berichtete bereits bei den Proben vergangene Woche davon, dass sich viele Lehrer ein paar Tränchen wegwischen mussten, als sie die Begeisterung der Kinder an und auf der Bühne sahen. Und einmal mehr wird klar: Der Mensch ist zwar anpassungsfähig und kann auch Entbehrungen und Isolation für eine Weile wegstecken. Am Ende geht es aber doch darum, wieder gemeinsam zu erleben, sich zu sehen und eben zu lachen.

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