„Jauchzet, frohlocket“

Wortverdreher-Irrsinn kommt mal wieder bestens an

Auch Jochen Malsheimer hatte seinen Spaß.
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Auch Jochen Malsheimer hatte seinen Spaß.

Sprachakrobat Jochen Malmsheimer zu Gast in der Katt.

Von Wolfgang Weitzdörfer

Wermelskirchen. Am Mittwochabend bekamen die zahlreichen Besucher in der Katt mit Jochen Malmsheimer, Uwe Rössler am Klavier und dem vierköpfigen Tiffany Ensemble gleich sechs hochwertige Künstler geboten. „Jauchzet, frohlocket“, so hieß der Programmtitel, der ein wenig in die falsche Richtung führte – denn mit Bachs Weihnachtsoratorium hatte das nichts zu tun, was da zu hören und sehen war.

Wenngleich es inhaltlich natürlich oft um das Fest der Liebe ging. Das Tiffany Ensemble war ein Salonorchester der alten Schule, das mit Geigen, Cello, Kontrabass und Klavier Weihnachtslieder in herrlichen Jazz-Versionen darbot, immer wieder mit klamaukigen Moderationen des Bandleaders. Etwa „Ihr Kinderlein kommet“ oder „Rudolph The Red-Nosed Reindeer“.

Daneben saß Malmsheimer, im schicken schwarzen Anzug mit roter Krawatte gewandet, mithin also dem Anlass einer Weihnachtsshow angemessen gekleidet. Und amüsierte sich prächtig über die musikalischen Eskapaden, denen er in unmittelbarer Nähe beiwohnen durfte. Dann aber trat er wieder selbst ans Mikro, um das zu machen, wofür er wohl einst das Licht der Welt erblickt haben musste – Worte verdrehen, Sätze zu Kathedralen auftürmen, nur um sie genüsslich wieder einzureißen.

Malmsheimer widmete sich dabei mit sichtbarer Lust und Genuss ganz unterschiedlichen Themen:  manchmal weihnachtlich, dann aber auch wieder aus „seinerzeit zu meiner Zeit also in der schlimmen Zeit“, wenn er sich an seine Jugend erinnerte. Etwa an Kellerfeten in der „phoenizischen Finsternis des Kellergewölbes“ der Häuser der verreisten älteren der diversen Jugendfreunde. Dann erließ er sich in wortreiche Beschreibungen, etwa der Erinnerung an das Erwachen der ersten Sexualität, wobei dabei die Frage zu klären wäre, warum der erste Sex nicht erinnerungswürdig sei, wenn man doch dauernd daran denke. Dazu hätten auch selbst aufgenommene Kassetten gehört. „Also den Rest vom Verkehrshinweis, dann Uriah Heep, dann wieder ein Verkehrshinweis. Ich habe nie wieder so viele Verkehrshinweise gehört – schon gar nicht, ohne selbst welchen zu haben.“

Aber es ging auch um essenzielle Fragen, das Hier und Jetzt betreffend. „Was kommt eigentlich zwischen Bescherung und Zerwürfnis auf den Tisch?“ Keine Frage – auf jeden Fall nicht Silberzwiebeln, denn: „Silberzwiebeln mit der Gabel zu zerteilen, das ist eine Aufgabe für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat.“ Nun denn.

Diese halbkonzertante Mischung aus Beiträgen dieser gleichermaßen und doch so unterschiedlich begabten Künstler kam beim Publikum erwartungsgemäß wunderbar an. Ein Abend, der viel zu schnell vorbei war.

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