Wolf in Wermelskirchen gesichtet

Wolfsberater braucht Fotos als Beweise

Der Wolf wurde im Wermelskirchener Wald gesichtet.
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Der Wolf wurde im Wermelskirchener Wald gesichtet.

Wilfried Knickmeier ist Raubtier immer auf der Spur.

Wilfried Knickmeier ist auf den Spuren des Wolfes.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Der Wolf sorgt häufig für Aufregung – seit Dienstag auch in Wermelskirchen. Denn eine junge Reiterin berichtete von einer Begegnung im Wald bei Tente mit dem Raubtier. Seitdem mehren sich die Gerüchte, vor allem in den sozialen Netzwerken. Immer mehr Menschen berichten von vermeintlichen Zusammentreffen mit einem solchen Raubtier.

Wilfried Knickmeier kennt das Phänomen: „Wenn einmal über eine Begegnung berichtet wurde, mehren sich die Meldungen über vermeintliche weitere Begegnungen“. Knickmeier ist ehrenamtlicher Wolfsberater beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) Nordrhein-Westfalen. Zudem arbeitet er für den Artenschutz beim Kreis. Die Existenz eines Wolfes im Wermelskirchener Wald kann er bislang nicht bestätigen.

Er war mit der Familie der jungen Reiterin noch einmal an der Stelle, an der die 14-Jährige den Wolf offenbar gesehen hatte. „Wir suchen in solchen Fällen vor allem nach Losung, also Kotspuren“, sagt der Wolfs-Experte. Denn: Mit DNA-Material wie Kot oder Haaren ließe sich die Anwesenheit eines Wolfes erst nachweisen. „Wir haben tatsächlich etwas wie Kot gefunden. Das war aber vereist und ich glaube nicht, dass sich daraus eine Spur erkennen lässt.“ Nachweisen lässt sich die Anwesenheit eines Wolfes im Eifgen also nicht.

Knickmeier weiß, dass es auch oft wolfsähnliche Hunde seien, die von Spaziergängern für Wölfe gehalten würden. Es gebe Hunderassen, die kaum von Wölfen zu unterscheiden seien. „Deshalb bitten wir vom LANUV auch darum, uns möglichst ein Foto des gesichteten Tieres zu schicken. Eine Fachbehörde und ein unabhängiges Gremium prüfen dann, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt.“ Es könne sein, dass ein Wolf auch im Eifgen mal auf der Durchreise sei.

Aber auch, wenn es tatsächlich ein Wolf sei, der in einem Gebiet gesichtet würde, würde das Gebiet noch lange nicht als Wolfsgebiet ausgezeichnet. „Wölfe sind häufiger auf der Durchreise“, sagt Wilfried Knickmeier.

Ein ausgewiesenes Wolfsgebiet gebe es indes beispielsweise in Eitorf bei Hennef, weil dort sei längerem ein Wolfspärchen lebe – nachweislich. „Deren Einzugsgebiet ist relativ groß, rund 200 Quadratkilometer“, erklärt Knickmeier. Hinzu komme noch eine Pufferzone, weil man nicht genau wisse, wie weit sich die Wölfe tatsächlich bewegen, so dass gut 1000 Quadratkilometer berechnet werden könnten. „Diese Zone reicht tatsächlich bis Kürten, nicht aber bis Wermelskirchen“, sagt Wilfried Knickmeier.

In Wolfsgebieten würden dann auch bestimmte Vorkehrungen getroffen, etwa für die Landwirtschaft. Knickmeier: „Es ist natürlich so, dass Wölfe, wenn sie sich in der Nähe von Schafen, jungen Rindern oder Ziegen befinden, sich diese möglicherweise als Beute aussuchen“, räumt der Wolfsexperte ein. „Landwirte werden deshalb in Wolfsgebieten mit Elektrozäunen versorgt; Schafzüchter haben sich zum Teil Herdenhunde angeschafft. Das funktioniert nachweislich gut.“

Grundsätzlich gelte es, nicht in Panik zu verfallen hinsichtlich des Wolfes: „Es ist jetzt nicht plötzlich so, dass der Wald voller Wölfe ist.“ Bei einer vermeintlichen Sichtung solle man sich möglichst ruhig verhalten, besonnen seinen Weg weiter fortsetzen und den Wolf vor allem nicht füttern. „Hunde“, betont Knickmeier, „gehören im Wald ohnehin angeleint.“

Kulturinitiative bietet Vortrag an

Als Michael Dierks, der Vorsitzende der Kulturinitative (KultIn), vom Wolf las, entschied er sich ohne Zögern, mit dem Wolfsbotschafter des Nabu, Karlheinz Pompe, Kontakt aufzunehmen und ihm den Saal in Haus Eifgen für einen Wolfs-Vortrag anzubieten.

Pompe willigte sofort ein und reagierte auf die Einladung: „Nachdem der Wolf nun auch im Eifgen – wie in Radevormwald und Hückeswagen – gesichtet worden ist, taucht auch in unserer unmittelbaren Umgebung die Frage auf: Wie gefährlich ist solch ein Wolf eigentlich? Und was macht man als Spaziergänger im Wald?“ Karlheinz Pompe wird diese und andere Fragen versuchen zu beantworten: am Donnerstag, 9. Februar, im Haus Eifgen.

Vortrag

Der Vortrag mit dem Nabu-Wolfsberater Karlheinz Pompe findet am Donnerstag, 9. Februar ab 19 Uhr im Haus Eifgen statt, mit Rücksicht auf Covid 19 – es gelten die aktuellen Regeln – Begrenzung auf 100 Menschen, daher Anmeldepflicht unter: termine.rga.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Entspannt bleiben

anja.siebel@rga.de

Die Wellen schlagen hoch. Nachdem bekannt wurde, dass eine junge Reiterin offenbar einen Wolf im Wald nahe des Eifgentals gesehen hat, gibt es – glaubt man den sozialen Medien – gleich ein ganzes Rudel von Wölfen, das sich in den Wäldern in der Umgebung herumtreibt. Jemand will sogar einen Wolf vor der eigenen Haustür entdeckt haben.

Mit Verlaub: Da wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen und erst einmal durchatmen. Nach Aussage von ausgewiesenen Wolfsexperten ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich Wölfe hier im Kreis dauerhaft niederlassen. Die Wälder grenzen zu dicht an Wohngebiete, sind zu belebt, nicht weitläufig.

Dennoch kann es natürlich sein, dass auch hier schon mal ein Wolf gesichtet wird. Grund zur allgemeinen Panik ist das nicht. Wenn man sich ruhig und besonnen verhält, den Hund an der Leine führt und auf befestigten Wegen bleibt, kann man auch weiterhin unbesorgt in den Wald gehen.

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