Wermelskirchen

WNK/UWG will dem Müll an den Kragen

Es gibt immer wieder Ecken in der Stadt, an denen der Müll achtlos weggeworfen wird. Symbolfoto: Roland Keusch
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Es gibt immer wieder Ecken in der Stadt, an denen der Müll achtlos weggeworfen wird.
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Als Vorbild nennt die Fraktion die „Littering-Toolbox“ aus der Schweiz.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen hat ein Müllproblem. Das meint zumindest Jürgen Steeger, neues Mitglied der WNK/UWG. Und dabei bezieht er sich nicht nur auf den jüngsten Fall, bei dem ein Ex-Mieter an der Berliner Straße tagelang seinen Haufen Sperrmüll unerlaubterweise auf dem Gehsteig hatte liegenlassen. „Ich sehe auch immer wieder Vermüllungen anderswo in der Innenstadt oder bei Waldspaziergängen“, sagt er.

Durch seine Tochter, die in der Schweiz lebt und arbeitet, sei er auf das Modell „Littering-Tool“ gestoßen. Und regt nun an, dass das doch auch etwas für Wermelskirchen wäre.

Der Begriff “Littering“ ist abgeleitet vom englischen „litter“ und das bedeutet schlicht Abfall verstreuen oder umherwerfen. Das achtlose Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum und in der freien Natur hat somit unter anderem vom Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement der Wirtschaftsuniversität Wien einen neuen englischen Namen bekommen: „Littering“.

„Wir setzen da auch auf soziale Kontrolle“

Jörg Irlenbusch, Kämmerer, über das Müll-Problem

Um nun die Müllwelt in Wermelskirchen wieder heiler, also sauberer, zu machen, schlägt Jürgen Steeger vor, einige „Tools“, also Ziele, aus der so genannten „Littering-Toolbox“, die es in der Schweiz gibt, auch in Wermelskirchen zu übernehmen. Die Stadtverwaltung, so heißt es in dem von Steeger und den Fraktionsvorsitzenden Henning Rehse unterzeichneten Antrag der WNK/UWG, möge sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Einfach mal einen Monat nicht sauber machen, lautet beispielsweise ein Vorschlag, den Steeger aus dem „Müll-Tool“ der Schweiz übernehmen möchte. „Das heißt, dass die Verwaltung vermüllte Ecken bewusst erst einmal missachtet und anschließend mit den Bürgern darüber diskutiert“, erklärt er. Welche Wirkung so eine öffentliche vermüllte Ecke habe, das habe man vorige Woche an der Berliner Straße gesehen. Über den herumliegenden Sperrmüll war auch ausufernd in den lokalen sozialen Netzwerken diskutiert worden.

Zudem hätte die WNK/UWG gern eine App, die in laufender Übersicht für Bürger zeigt, wo in der Stadt etwas rumliegt oder stört – „mit Online-Eingabe, was man selbst oder im Team unternommen hat, um den Missstand zu beseitigen oder vorschlägt zu tun“, sagt Steeger. Das könne eine Erweiterung des schon vorhandenen Mängelmelders sein, bei dem die Bürger sich direkt an die Stadtverwaltung wenden.

Kämmerer Jörg Irlenbusch, der bei der Verwaltung auch für den Bereich Abfallwirtschaft zuständig ist, weiß um die Müllproblematik, die an verschiedenen Stellen der Stadt immer mal wieder auftaucht. „Ich sehe Wermelskirchen aber da nicht betroffener als andere umliegende Städte“, betont er. „Ich denke, jede Stadt hat dieses Problem hin und wieder. Vermüllt sind wir in Wermelskirchen aber sicher nicht.“

Und: Er unterstellt nicht jedem, der seinen Unrat beispielsweise an Glas- oder Papiercontainern stehenlässt, gleich böse Absicht. „Deshalb versuchen wir so oft wie möglich darüber aufzuklären, wofür die Container gedacht sind und was es für Alternativen zur Entsorgung, zum Beispiel auf dem Wertstoffhof, gibt“, sagt der Kämmerer.

Jedem Hinweis gehe die Stadt nach, berichtet Irlenbusch. „Und ich fahre auch selbst mal gern am alten Freibad Dhünn vorbei und schaue, ob dort auf dem Parkplatz wieder etwas liegt“, sagt er. Die Verwaltung setze, das betont Irlenbusch, aber auch auf soziale Kontrolle.

Das heißt, dass Bürger aufmerksam werden auf ein Müllproblem und gegebenenfalls den Verursacher kennen. Irlenbusch: „Wir können nicht alle mitbekommen.“ Die Bürger hätten die Möglichkeit, auf verschiedenen Wegen wilden Müll bei der Stadt zu melden. Zum einen über die Mängel-App, aber auch per Mail oder telefonisch sei die Verwaltung erreichbar. 

Hintergrund

Wer wilden Müll irgendwo entdeckt und ihn selbst nicht entsorgen kann oder will, kann sich bei der Stadtverwaltung, zum Beispiel unter abfall@wermelskirchen.de melden.

Seit 2016 können Bürger für Beschwerden und Anregungen das neue Verfahren Citko-Notes (Mängelmelder) nutzen. Das ist auf der Homepage der Stadt auf der Startseite über den Button „Mängelmelder“ zu finden.

Standpunkt: Sozial ist anders

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga-online.de

Probleme mit Müll dürfte es eigentlich nicht geben. Zumindest dann nicht, wenn jeder verantwortungsvoll mit seinen Hinterlassenschaften umginge und sich informieren würde, wo denn was genau hinkommt. Dann wäre es nicht nötig, den Hausrat neben die Altglas-Container zu schmeißen, die Säcke mit getragenen Klamotten neben dem schon übervollen Kleider-Container vermodern zu lassen, oder eben den eigenen Sperrmüll mal vor der Tür zu lassen, wenn man die Entsorgung nicht ordnungsgemäß beantragt hat. All das ist – und das ist nicht einmal ein Schimpfwort – asozial. Denn zu sozialer Verantwortung gehört eben auch, seinen Müll so zu entsorgen, dass es niemandem schadet und niemandem unnötige Arbeit macht. 

Obendrein kostet wilder Müll dem Steuerzahler Geld, denn es muss ja von öffentlicher Hand weggeschafft werden. Aber auch wenn es niemand so recht begreifen mag: Es gibt diese illegalen Müllentsorger. Und damit sie ihren Unrat künftig nicht mehr in der Weltgeschichte abkippen, lohnt es, wilde Müllkippen zu melden. Umso eher werden die Müllsünder vielleicht gefunden.

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