Wermelskirchen

Lachy Doley: Einziges Deutschlandkonzert im Haus Eifgen

Lachy Doley in seinem Element. Auf der Hammond-Orgel steht das Whammy Clavinet mit dem „Cry Baby Wah“.
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Lachy Doley in seinem Element. Auf der Hammond-Orgel steht das Whammy Clavinet mit dem „Cry Baby Wah“.

Wirbelwind an der Hammmond-Orgel: Ausverkauftes Haus für einen Ausnahmekünstler.

Von Peter Klohs

Gute Gitarristen gibt es wie Sand am Meer, gute Drummer haufenweise. Aber gute Hammond-Orgel-Spieler? Muss man suchen. Zumal solche, die das Instrument nicht nebenher spielen, sondern hauptsächlich. Und wenn dann einer von den bekanntesten Hammondspielern sein einziges Deutschlandkonzert 2022 im Wermelskirchener Haus Eifgen spielt, dann sagt das erstens etwas über den Stellenwert aus, den das Haus in der internationalen Musikszene genießt, und zweitens, dass das Haus ausverkauft sein wird. So geschehen am Freitagabend.

Der australische Hammond-Wirbelwind Lachy Doley, von nicht wenigen Kollegen (unter anderem Glenn Hughes, Ex-Deep Purple) als bester lebender Hammondspieler bezeichnet, gastierte mit seinem Trio bei Michael Dierks und seinen Mitstreitern im Haus Eifgen.

Zusätzlich zur hauseigenen Hammond-Orgel spielte Doley sein Whammy Clavinet, ein Tasteninstrument, das unter Zuhilfenahme des sogenannten „Cry Baby Wah“ die Tonhöhe verändern kann und wie eine E-Gitarre klingt. Nicht umsonst nennt man den australischen Organisten auch den Jimi Hendrix der Hammondorgel.

Dass er diesen Ruf nicht zu Unrecht inne hat, bewies bereits das dritte Stück im ersten Set: Hendrix‘ „Voodoo Chile“, das Doley via Youtube in Europa bekannt gemacht hat. Die knapp zweihundert Besucher im Haus Eifgen feierten den Musikstar, als sei Hendrix selbst auferstanden und habe die Gemeinde musikalisch beglückt. Die Ausstrahlung des Organisten von Down Under ist beeindruckend: Da kommt eine Menge Energie von der Bühne.

Mitverantwortlich dafür sind die beiden Mitmusiker des Lachy Doley Trios: James Barnes ist ein fulminanter Schlagzeuger, dessen Kernkompetenz ein unwiderstehlicher Groove ist und der es versteht, dass man auch bei einem selbstvergessenen Blues wie „I’m still in love“ nicht aufhören kann, mit den Füßen zu wippen.

Bassist Joel Burton ist erdiger und unterlegt das musikalische Geschehen mit einem seriösen Teppich. Und ehe man sich versieht, naht mit dem sechsten Stück das Ende des ersten Sets. Nie sind 50 Minuten schneller vergangen.

Zuvor jedoch steht noch eine Uptempo-Version von „Green Onions“ an, dieses 1962 von Booker T. veröffentliche Instrumental, wobei Doley in seiner Version Deep Purples „Lazy“ und Ten Years Afters „Help Me“ in das Stück integriert. Bei der Pausenzigarette macht man sich bekannt mit einer Frau aus Heidelberg, ein junger Mann ist extra aus Sindelfingen angereist. Das zweite Set ist etwas bodenständiger. Neben funklastigen Groovern („I don’t give a damn“) und derben Rockern („Make it up“) gibt es auch zwei hochklassige Blues-Stücke, die das Trio jedoch derart kunstfertig mit Dynamik unterlegt, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Unbedingt muss auffallen, dass Doleys Mitmusiker einen fast unheimlichen Spaß dabei haben, was sich der Chef an seiner Hammond so alles einfallen lässt.

Ohne feste Setlist wird nachLust und Laune gespielt

Anscheinend existiert keine feste Setlist, und Doley bestimmt nach Lust und Laune den Verlauf des Programms. Bassist sowie Drummer dürfen sich jeweils in einem langen Solo austoben, was vor allen Dingen Barnes am Schlagzeug nutzt. Sein Solo ist weniger virtuos als rhythmisch dicht; es groovt wie mindestens zwei australische Höllen.

Wenn Doley Lust hat, gestattet er eine ausgiebige Jam-Session, deren Ende genau so spontan kommen kann wie deren Beginn, er ist halt ein Bauchmusiker, der nichts weniger als seine Seele auf der Bühne lässt. Seine Authentizizät, seine Ernsthaftigkeit, seine Passion und sein Spaß bei alldem ist in jeder Geste und in jedem Ton zu spüren und zu hören.

Nach 100 Minuten hat das Publikum nicht genug und fordert enthusiastisch mehr Musik. Das Lachy Doley Trio gibt noch eine funkige Version von „I‘m a man“ der Spencer Davis Group hinzu.

Weitere Konzerte: Doley kommt im Sommer 2023 wieder

Lachy Doley hat den Besuchern des Konzertes im Haus Eifgen versprochen, im Sommer 2023 wiederzukommen und im Biergarten des Hauses zu spielen. Bis dahin ist weiterhin gute Musik im Eifgen zu hören: Am 23. Dezember spielt die Johnny-Cash-Tribute-Band „Just Cash“, am 13. Januar 2023 swingt Chris Hopkins mit seinen jungen Löwen das Haus und am 20. Januar gibt es mit „King of the world“ eine hochkarätige Bluesrock-Band aus den Niederlanden zu hören.

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