Wir müssen für unsere Seele sorgen

Pfarrerin Manuela Melzer weiß, warum es wichtig ist, gerade in diesen Zeiten Freude zuzulassen. Archivfoto: Claudia Radzwill
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Pfarrerin Manuela Melzer weiß, warum es wichtig ist, gerade in diesen Zeiten Freude zuzulassen. Archivfoto: Claudia Radzwill

Eine Geistliche macht sich Gedanken

Von Pfarrerin Manuela Melzer, Ev.-luth. Kirchengemeinde Radevormwald

Lätare – diesen Namen trägt der kommende 4. Sonntag der Passions- und Fastenzeit. Freue dich! Der Sonntag, der auch Freudensonntag genannt wird, markiert die Mitte der Passionszeit und wagt einen Ausblick auf das Osterfest. Vorösterliche Freude hat dort seinen Platz, das Gefühl, wir gehen auf etwas Gutes zu. Gepaart mit dem Beginn des Frühlings und dem Erwachen der Natur stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit ein.

Lätare – freue dich! In diesem Jahr hat es dieses Gefühl besonders schwer. Selbst der seit Tagen währende strahlend blaue Himmel will das Gefühl der Unbeschwertheit, das viele Menschen zu Frühlingsbeginn spüren, nicht aufkommen lassen. Bleischwer wiegen die Sorgen, die uns umtreiben und allgegenwärtig sind. Die Hilflosigkeit dem allem gegenüber drückt uns nieder. Gelingt uns eine Zeit lang Ablenkung, dann stellt sich nicht selten im Nachhinein ein schlechtes Gewissen ein. Dürfen wir Freude empfinden, während Menschen, gar nicht weit entfernt von uns, leiden?

Wir dürfen nicht nur, wir sollten sogar! Gerade in dieser Zeit müssen wir für unsere Seele sorgen und sie stärken. Niemandem nützt es, wenn unsere Gesellschaft in Angst und Depression erstarrt. Erstarrte Menschen können keine Hilfe leisten, keine Fantasie für Problemlösungen entwickeln, haben keinen Blick mehr für die Situationen, in denen Not gelindert werden kann.

Jesus, der die existenziellen Probleme seiner Zeitgenossen kannte, warnte deshalb davor, die Sorgen so groß werden zu lassen, dass sie das ganze Leben bestimmen und lähmen. In der Bergpredigt rät er: Quält euch also nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat.

Er sagt nicht: „Es wird schon nicht so schlimm kommen“, aber er sagt: „Schaut auf das Hier und Jetzt und zersorgt euch nicht mit dem Blick auf die Zukunft.“ Im Hier und Jetzt hat beides Platz, die Sorge und das Mitgefühl, aber auch die Freude und die Leichtigkeit, die manchmal durch die kleinen, guten Begebenheiten des Lebens ausgelöst werden.

Oder durch den Blick auf das Fest, auf das wir zugehen und das uns den Sieg Gottes über die todbringenden Mächte des Lebens verkündet. Also doch: Lätare – freue dich. Eine verhaltene Freude vielleicht, aber wie ein kleines Samenkorn im Herzen, das uns hilft standzuhalten.

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