BGV: „Wir leisten einen wichtigen Beitrag“

Volker Ernst ist seit 2015 Vorsitzender des BGV Wermelskirchen.
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Volker Ernst ist seit 2015 Vorsitzender des BGV Wermelskirchen.

Vorsitzender Volker Ernst über die Arbeit des BGV Wermelskirchen und das bevorstehende Stadtjubiläum.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Herr Ernst, was geht Ihnen als Erstes durch den Sinn, wenn Sie an 150 Jahre Stadtrechte in Wermelskirchen denken?

Volker Ernst: Als Erstes geht mir die Arbeit durch den Kopf, die der BGV Wermelskirchen mit der Erstellung einer angemessenen Publikation zum Stadtjubiläum hatte und hat. In mehreren Tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben wir ein über 350 Seiten umfassendes Werk zusammengestellt, das viele Bereiche der Wermelskirchener Geschichte beleuchtet. Ein bunt gemischtes Autorenteam, vom Laien bis zum Hochschuldozenten, sowie ein hochmotiviertes Redaktionsteam und fleißige Korrektoren haben seit Oktober 2021 intensiv an der Publikation gearbeitet, nachdem der BGV Wermelskirchen einige Hürden überwinden musste.

Warum ist das eine Besonderheit für Wermelskirchen?

Ernst: Das im Frühjahr erscheinende Buch zeichnet sich durch einige völlig neue Themen aus. Hierzu zählen die Geschichte des Stadtfriedhofes, der derzeitige Forschungsstand zur Ersterwähnung Wermelskirchens, ein tiefer Einblick in das Leben einer Bandwirkerfamilie über drei Generationen, die erstmalige Behandlung des Themenkomplexes Kunst und Theater sowie ein Blick auf die Besonderheiten der Wermelskirchener Mundart im Rahmen der Forschungen eines amerikanischen Professors.

Was ist die Grundlage der Stadtwerdung – und wer hat die Stadtrechte überhaupt verliehen?

Ernst: Die Rheinische Städteordnung von 1856, in der die Rechte und Pflichten einer Stadtgemeinde geregelt waren, wurde vom Preußischen König und Deutschen Kaiser Wilhelm I. am 2. Juli 1873 an Wermelskirchen verliehen.

Was hat sich dadurch für die neue Stadt verändert?

Ernst: Die Städteordnung bedeutete größere Selbstständigkeit gegenüber dem Landrat, freie Wahl des Bürgermeisters und der Beigeordneten. Die Städteordnung verliehen zu bekommen, war infolgedessen für aufstrebende Gemeinden ein begehrtes Ziel, das die Initialzündung für eine Vielzahl von Aktivitäten der jungen Stadt bedeutete. Zunächst setzte eine rege Bautätigkeit ein, zu deren Organisation ein eigener Stadtbaumeister eingestellt wurde. Dies wiederum führte zum Bau und Ausbau einer Vielzahl von Straßen. Das Schulwesen wurde durch den Neubau von Schulgebäuden und die Einstellung weiterer Lehrer erheblich verbessert.

Gab es damals auch spürbare Veränderungen für die Einwohner?

Ernst: Im Vorfeld der Verleihung der Stadtrechte wurden die Grenzen Wermelskirchens neu geordnet. Der nördlich des Eschbaches gelegene Distrikt Berghausen ging an die Stadtgemeinde Remscheid, der diesseits des Eifgenbaches gelegene Teil der Niederhonschaft wurde Wermelskirchen zugeschlagen. Das bedeutete für die dort lebenden Menschen eine völlige Umorientierung.

Wie hat sich die neue Stadt dann organisiert?

Ernst: 1873 war die Stadtverwaltung noch wesentlich übersichtlicher. Es gab neben dem Bürgermeister von Bohlen, den Gemeindeeinnehmer Berg, den Polizeisergeanten Rimroth, die Polizeisoldaten und Feld- und Waldhüter Bornefeld, Joergens und Stöcker, die Nachtwächter Robert und Otto Schmitz, die Wegewärter Engels und Schneider und den Totengräber Hölterhoff. Außerdem wurden auf dem Bürgermeisteramt noch zwei Privatgehilfen beschäftigt. Das waren 13 Personen. Heute sind es über 500.

Was plant der BGV für das Jubiläumsjahr?

Ernst: Der BGV Wermelskirchen hat für das Jubiläumsjahr ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Insbesondere wollen wir in Kooperation mit „Wir in Wermelskirchen“ und der Evangelischen Kirchengemeinde am Stichtag der Verleihung der Städteordnung auf dem Markt und dem Kirchhof den „Stadtgeburtstag“ feiern. Das genaue Programm dazu wird noch zusammengestellt. Unser Veranstaltungsprogramm für 2023 wird aber auch weitere interessante Punkte enthalten.

Was genau sind die Aufgaben des Bergischen Geschichtsvereins?

Ernst: Der BGV Wermelskirchen beschäftigt sich grundsätzlich mit der Geschichte Wermelskirchens und des Bergischen Landes. Wir gehen auf Spurensuche nach Begebenheiten, Personen und Gegenständen, die in Wermelskirchen Bedeutung hatten. Unsere Entdeckungen und Erkenntnisse stellen wir im Rahmen regelmäßig stattfindender Vorträge vor. In größeren Abständen bringen wir Publikationen wie das Buch zum Stadtjubiläum, heraus. Die Denkmal- und Stadtbildpflege haben wir ebenfalls im Blick. Mit unserem stetig wachsenden Archiv bewahren und fördern wir das geschichtliche Wissen um unsere Stadt und die Region. Wir betrachten unsere Bemühungen als einen wichtigen kulturellen Beitrag und sind gerne Ansprechpartner für Fragen rund um die Geschichte unserer Stadt.

Nach welchen Kriterien wird das Jahresprogramm zusammengestellt?

Ernst: Aufgrund des Jubiläumsjahres haben wir uns dazu entschlossen, statt zwei Halbjahresprogrammen ein Programm für das ganze Jahr 2023 aufzustellen. Dabei haben wir vor allem Veranstaltungen ausgewählt, die einen Bezug zu Wermelskirchen haben oder direkt mit dem Jubiläum zusammenhängen. Zu Letzterem zählt natürlich der bereits erwähnte „Stadtgeburtstag“ am 2. Juli. Aber auch der Vortrag zur Schule Struck am 25. Mai, die Wermelskirchen im Jahr der Stadtwerdung an Remscheid abgegeben hat, gehört dazu. Weitere Vorträge mit Bezug zu Wermelskirchen beschäftigen sich mit dem Pädagogen Friedrich Wilhelm Dörpfeld am 12. April, dem Fahrrad in unserer Stadt am 4. Mai, der historischen Wanderung durchs Eifgental am 7. Oktober, der Kraftpoststrecke nach Dhünn am 2. November und der Schlacht bei Waterloo am 7. Dezember. Ein weiterer Bestandteil unseres Programms sind unsere Nachbargemeinden, wie in diesem Jahr Unterburg am 19. Juni und Witzhelden am 9. September. Generelle Themen zur bergischen Geschichte, wie die Hanse am 2. März und die Veranstaltung am Holocaustgedenktag am 27. Januar runden unser Programm ab.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den anderen 14 Abteilungen im Bergischen Geschichtsverein aus?

Ernst: Die anderen Abteilungen und der Gesamtverein als Dachorganisation sind alles selbstständige Vereine. Der Gesamtverein organisiert regelmäßige Treffen aller Abteilungen des BGV, bei denen es zu einem Informationsaustausch kommt. Hierbei werden Erfahrungen thematisiert und Zusammenarbeiten vereinbart. So bieten wir dieses Jahr in Kooperation mit der Abteilung Remscheid den bereits erwähnten Vortrag in und über die Schule Struck an. Mit der Abteilung Burscheid hatten wir im Jahr 2020 einen Vortrag zur Bergischen Dialektvielfalt im Programm, der leider durch die Corona-Pandemie entfallen musste.

Hintergrund

Geschichte: Die Wermelskirchener Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins wurde am 2. Juli 1927 gegründet. Damals gab es 21 Mitglieder – die Gründungsversammlung hat in Hückeswagen stattgefunden. Der erste Vorsitzende war Gustav Nehm, der damalige Rektor der Schwanenschule. Seit 14. September 2015 ist Volker Ernst der Vereinsvorsitzende.

Kontakt: Allgemeine Anfragen an den BGV Wermelskirchen per E-Mail an: info@bgv-wermelskirchen.de

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