Kirchenmusik

„Wir Chöre sind ein Teil der Kirmes“

Stefanie Schüller ist Vorsitzender der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde.
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Stefanie Schüller ist Vorsitzender der Kantorei der Evangelischen Kirchengemeinde.

Kantorei-Vorsitzende Stefanie Schüller berichtet, wie es um die Kirchenmusik in Wermelskirchen bestellt ist.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Frau Schüller, wie ist es derzeit um die Kirchenmusik in der Evangelischen Kirchengemeinde bestellt?
Stefanie Schüller: Was die Chöre und den Posaunenchor angeht – nach der langen Corona-Zeit scheint es ein wenig problematisch zu sein, alle Leute wieder in die Gänge zu bekommen. Die Kantorei, unser größter Chor, hat normalerweise zwischen 50 und 60 Sängerinnen und Sänger. Durch Corona hat sich das verringert, wenn es gut läuft, sind es derzeit 30 bis 35. Vielleicht nutzen manche den Donnerstagabend, unseren Probentermin, mittlerweile anders, weil sie gemerkt haben, dass das auch ganz schön ist, zu Hause zu bleiben. Mit diesem Problem stehen wir aber keineswegs alleine da – das gilt für viele Chöre, und auch Sportvereine haben damit zu kämpfen, dass sie ihre Mitglieder wieder reaktivieren müssen. Wir sprechen hier auch von den Besuchern: Am 12. Juni hatten wir ein sehr schönes Konzert mit der Kantorei, das war auch recht gut besucht – aber eben lange nicht so wie vor Corona.
Welche Gruppen und Chöre gibt es aktuell?
Schüller: Neben der Kantorei und dem Posaunenchor in der Stadt haben wir noch einen Posaunenchor in Tente und ein Bläserensemble in Hünger. Dazu gibt es den Kammerchor, der regelmäßig probt und am 20. November das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms aufführen wird. Dann gibt es die Vormittags-Kantorei „Jubilate Deo“, die auch, aber nicht nur von älteren Sängerinnen und Sängern genutzt wird, den Kämmerchenchor, bei dem sich mittwochnachmittags junge und junggebliebene Leute jeden Alters treffen. Es gibt unseren Juniorchor für Kinder im Grundschulalter und die Kinderchöre von dreieinhalb bis etwa sechs Jahren in unseren evangelischen Kindergärten.
Der Chor „ChoraSon“ trifft sich in Tente – und außerdem gibt es den Gospelchor, die „Good News Singers“, und noch den Gemshorn-Kreis, der auf echten Kuhhörnern spielt. Unser Jugendreferent Joachim Momper arbeitet gerade daran, eine Band auf die Beine zu stellen. Und zu guter Letzt haben wir die Combo „Ehrensache“ in Hünger, eine Band, die aus Mitgliedern mehrerer Gemeinden besteht.
Wird es in diesem Jahr wieder ein 12-Stunden-Konzert geben?
Schüller: Ja, zum Glück. Eigentlich hätten wir 2020 unser Fünfjähriges gehabt, aber aus bekannten Gründen mussten wir ja zwei Jahre pausieren. Wir haben auch diesmal wieder ein schönes Programm zusammengestellt – es gibt aber ein paar freie Plätze, für die man sich gerne noch anmelden kann. Mit dabei sind etwa die Band B-Flat mit Jazz, dann die Kantorei, der Kammerchor, der Kämmerchenchor, „Jubilate Deo“, es wird sogar ein Orgelkonzert geben – ich denke, wir bekommen die zwölf Stunden am Kirmes-Samstag, 27. August, gut voll. Was ich besonders schön finde – wir sind Teil der Kirmes. Wir stehen mit dem 12-Stunden-Konzert auf den Plakaten der Stadt – genau das hatten wir uns bei der Einführung des Konzerts gewünscht, denn unsere heutige Kirmes geht ja im Ursprung auf das Kirchweihfest der Stadtkirche St. Bartholomäus zurück.
Welche kleineren und größeren Projekte stehen demnächst an?
Schüller: Wir hatten im vergangenen Jahr sechs Konzerte der Reihe Sommer-Serenade – die aus der Not entstanden ist, kein 12-Stunden-Konzert anbieten zu können. Das war gut besucht und ein voller Erfolg. Viele haben uns gesagt, dass es ein tolles Programm war. Wir haben uns dann entschlossen, dass wir den Gedanken der Sommer-Serenade auch mit stattfindendem 12-Stunden-Konzert nicht fallen lassen wollten. Und so haben wir drei Abende im August vorbereitet – mit Fragile Matt am Samstag, 6. August, dann die Brasshoppers Big Band am Samstag, 13. August. Am Samstag, 20. August, gibt es einen Liederabend mit Veronika Madler (Sopran) und Klaus Bernhard Roth (Piano). Der Eintritt ist frei, wir sammeln natürlich Spenden für die Orgel. Das Ganze ist dann auch Teil des Rheinischen Kultursommers, was uns hoffentlich einige Aufmerksamkeit und Werbung einbringt.
Hat Corona den Chören geschadet?
Schüller: Wie bereits gesagt, müssen wir einige unserer Stammsänger wieder reaktivieren, aber auch neue Leute gewinnen. Diesen Schaden haben vermutlich viele Chöre durch Corona davongetragen. Wir haben daher im August eine Sommerkantorei ausgeschrieben – drei Probentermine, die dann in der Teilnahme am 12-Stunden-Konzert münden soll. Wir wollen künftig wieder vermehrt solche Mitsingprojekte lancieren, um die Leute ein bisschen zu motivieren.
Gab es auch positive Effekte?
Schüller: Ein positiver Effekt war sicherlich, dass die Chor-Mitglieder, die auch in Corona dabeigeblieben sind, mit mehr Leidenschaft und Engagement bei der Sache waren. Es gab auch vorher einen guten Zusammenhalt, aber in der Krise wächst man eben noch mehr zusammen. Ansonsten hatte Corona aber leider kaum etwas Positives zu bieten. . .
Wie steht es generell um den Nachwuchs – gerade in den Chören?
Schüller: Beim Juniorchor und in den Kindergärten läuft es richtig gut. Jutta Benedix und Andreas Pumpa organisieren und leiten das – und schwärmen immer davon, dass sie Gruppen mit teils 17 Kindern haben. Das ist toll – und schön wäre es, wenn die Kinder dann in die nächste Altersgruppe wechseln würden, also in den Kämmerchenchor. Aber das passiert leider noch nicht in dem Maße, wie wir uns das wünschen. Allerdings weiß ich auch aus eigener Erfahrung, dass man an einen Punkt kommt, wenn man älter wird und die Kinder halbwegs groß sind, an dem man sich an die Erfahrungen im Kinderchor erinnert und sich denkt: Ja, das würde ich gern auch noch mal machen.
Haben Sie eine Idee, wie man Jugendliche an die Musik heranführen und dort auch halten kann?
Schüller: Ja, es gibt eine Idee. Ich bin der Ansicht, dass man mit mehr Geld hier mehr erreichen könnte. Ich glaube, dass Fördergelder auch für bereits laufende Angebote genutzt werden können sollten. Die meisten der Fördertöpfe, die aufgemacht werden, richten sich aber an Projekte, die möglichst neu und möglichst innovativ sein müssen. Bestehendes mit mehr Geld zu fördern, um an sich gute Ideen und Projekte zu stabilisieren und zu festigen – das steht leider selten auf der Agenda. Und ich glaube eben, dass man auf diese Weise sehr viel bewegen könnte.
Ist es auch bei Ihnen so, dass vor allem männliche Stimmen fehlen?
Schüller: Ja, vor allem im Tenor, die hohen Männerstimmen. Dabei singen Männer doch gerne – im Fußballstadion oder im Bus vorm oder zum Spiel… Ich weiß nicht, woran das liegt, ob Singen „unmännlich“ ist? Ich glaube, dass viel mit der Prägung in der Familie zu tun hat. Bei mir zu Hause wurde noch sehr viel gesungen – ob es das noch gibt? Wohl eher nicht. Heute wird eher der Superstar gesucht, der vorne alleine steht und performt. Man lässt sich lieber besingen, als es selbst zu tun. Es ist eine anspruchsvolle, aber gute Aufgabe, das Singen wieder in die Herzen der Menschen zurückzubringen. Unsere Kirchengemeinde bietet ja eigentlich für jeden Geschmack etwas.

Hintergrund

Jeweils am Donnerstag, 18. und 25. August, um 19.45 findet wieder die Sommerkantorei in der Stadtkirche statt. Das Ziel des Projekts ist es, beim Eröffnungsgottesdienst zum 12-Stunden-Konzert am Samstag, 27. August, um 11 Uhr mitzuwirken.

Kontakt bei Andreas Pumpa, Kantor der Stadtkirche Wermelskirchen, und bei der Kantorei-Vorsitzenden Stefanie Schüller: kantorpumpa@aol.com; bino1973@gmx.net

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