„Wir brauchen eine zuverlässige Politik“

Torsten Mühlinghaus geht davon aus, dass er seinen Betrieb in etwa zehn Jahren schließen wird.                                                                    Foto: Annika Lamm
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Torsten Mühlinghaus geht davon aus, dass er seinen Betrieb in etwa zehn Jahren schließen wird.                                                                    Foto: Annika Lamm

Landwirte bringen Offenheit gegenüber der grünen Umweltministerin mit

Von Theresa Demski

Im Bundesumweltministerium sitzt jetzt eine grüne Ministerin. Ob das die Landwirte skeptisch stimme? „Nein“, sagt Torsten Mühlinghaus, Sprecher der Wermelskirchener Landwirte. „Die meisten von uns bringen eine große Offenheit mit.“ Und dann erinnert er an die vielen Projekte, die die Landwirte gemeinsam mit der biologischen Station im Bergischen Land stemme, an Ideen und Konzepte und der eigenen Liebe zu Natur und Land. „Wir werden abwarten, was da raus kommt“, sagt er. „Meistens werden die Dinge heißer gekocht als gegessen.“

 Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Landwirte im Bergischen am Beginn dieses neuen Jahres nicht mit Sorgen um ihre Zunft beschäftigen. „Wir brauchen endlich wieder eine zuverlässige Politik“, sagt Mühlinghaus, „egal welcher Couleur.“ Landwirte bräuchten endlich wieder Planungssicherheit. Die biete ihnen die Politik aber nicht. „Dort denkt man in Wahlperioden, Landwirte denken in Generationen“, beklagt Mühlinghaus. Ein Beispiel: Vor fünf bis zehn Jahren hätten viele Landwirte mit Schweinehaltung neue Ställe gebaut – um die neuen Richtlinien einzuhalten.  Keine fünf Jahre später gebe es neue Regeln, neue Richtlinien. „Also müssen die Landwirte ihre Ställe umbauen und dafür große Summen in die Hand nehmen, obwohl sie natürlich noch den Neubau abbezahlen.“ Ein anderes Beispiel: Damit die Siloanlagen den neuen Vorgaben entsprächen, müssten sie aufwendig umgebaut werden. „Das kostet Geld, sechsstellige Summen, es entstehen aber überhaupt keine Mehreinnahmen“, erinnert der Sprecher der Landwirte. Keine Branche könne es sich leisten, immer wieder in die Umsetzung neuer und anderer Auflagen zu investieren. „Dann haben wir den Eindruck, wir sind an einer Baustelle mit neuen Regeln im Reinen und dann erwartet uns an der nächsten Ecke eine neue Auflage“, sagt Torsten Mühlinghaus und fordert einen verlässlichen politischen Partner ein.

 So könne sich Landwirtschaft an vielen Stellen sicherlich auch mit grünen Ideen anfreunden. Wenn die Landwirtschaft wisse, was gelte, dann könne sie sich daran auch orientieren. „Dann denkt sich einer: Okay, die neuen Konzepte können auch Einkommensalternativen bieten und wir richten uns jetzt danach“, skizziert Torsten Mühlinghaus, „und fünf Jahre später macht die nächste Koalition alles rückgängig und ganz anders.“ Dann hätten Landwirte aber ihre Höfe schon umstrukturiert, sich auf Jahre hinweg finanziell verpflichtet und nachhaltige Konzepte entwickelt – während die Politik wieder ganz andere Ideen umsetze. Die Konsequenz sei klar: „Immer mehr Landwirte resignieren.“ Das habe eindeutig mit immer neuen Auflagen und immer weniger Verlässlichkeit zu tun.

 Neben den Kosten zur Umsetzung der Auflagen seien in den vergangenen Jahren auch die laufenden Kosten stetig gestiegen: Die Menge Stickstoffdünger, die vor zwei Jahren noch 20 Euro gekostet habe, koste heute 60 Euro. Diesel- und Strompreise würden auch immer weiter steigen. „Das ist wie ein roter Faden“, sagt Torsten Mühlinghaus. Gleichzeitig würden die Einnahmen aber nicht im gleichen Maße wachsen. Der Preis für Milch sei aktuell zwar etwas gestiegen. „Allerdings zu wenig, um die Preissteigerungen ausgleichen zu können“, sagt der Landwirt. Das hat Folgen.

„Und in 20 Jahren werden die Menschen feststellen, dass es kaum noch Landwirte gibt.“

Torsten Mühlingshaus, Landwirt

Der Standort seines Familienbetriebs in Rautenbach feiert in diesem Jahr sein 190-jähriges Bestehen. „Ungefähr zum 200. Geburtstag werden wir wohl die Tore schließen“, sagt Mühlinghaus. So wie es jetzt aussehe, sei er die letzte Generation, die den Milchviehbetrieb und den Ackerbau am Standort in Wermelskirchen am Leben halten wird. Und wie ihm gehe es auch anderen Landwirten in der Region. „Viele sind jetzt Mitte 50“, sagt er. Immer mehr von ihnen gingen inzwischen davon aus, dass sie die Letzten in der Geschichte ihrer Höfe seien. In zehn bis 15 Jahren werde es im Bergischen spürbar weniger Höfe geben, sagt Mühlinghaus. „Und in 20 Jahren werden die Menschen feststellen, dass es kaum noch Landwirte gibt, die für die Ernährung sorgen“, vermutet er weiter. Mit den Familienbetrieben werde dann auch das Fachwissen der Landwirte verschwinden.

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