Vertretungskräfte gegen Personalmangel

Wie Wermelskirchen Unterricht sichert

Joshua Valtinke unterrichtet Deutsch als Zweitsprache (DaZ) an der Grundschule St. Michael. Er ist Lehramtsstudent an der Bergischen Universität in Wuppertal.
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Joshua Valtinke unterrichtet Deutsch als Zweitsprache (DaZ) an der Grundschule St. Michael. Er ist Lehramtsstudent an der Bergischen Universität in Wuppertal.

Studentische Lehrkräfte und Quereinsteiger werden immer wichtiger.

Von Lena Steffens

Wermelskirchen. Joshua Valtinke sitzt auf einem kleinen Holzstuhl im oberen Klassenraum der Grundschule St. Michael. Er zeigt auf ein Tisch-Symbol in einem Deutschheft und fragt einen Jungen aus der Ukraine: „Ein Tisch, viele. . . ?“ Der Grundschüler antwortet stolz: „Tische!“

Der 27-Jährige Valtinke ist einer von zwei Studenten, die seit diesem Schuljahr an der Grundschule vertretungsweise unterrichten – weil zurzeit Lehrkräfte fehlen, wie Schulleiterin Andrea Steinz erzählt. „Es ist so, dass man als Schule Vertretungen bekommt, wenn Bedarf da ist“, erzählt sie. „Auf diese Stellen können sich auch Studenten bewerben.“

An der Grundschule St. Michael unterrichtet Valtinke zurzeit für 14 Stunden in der Woche Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in einer Gruppe von vier bis sechs Kindern, darunter sind zwei ukrainische Kinder und ein polnisches Mädchen. Nebenbei studiert er Grundschullehramt an der Bergischen Universität in Wuppertal. Yannick Sömer, ebenfalls Student, besetzt eine Vertretungsstelle an der Grundschule.

„In den vergangenen Jahren hatten wir immer ein paar Studenten an der Schule“, sagt Steinz. „Sie sollen Praxiserfahrung sammeln.“ Die Erfahrung mit den Studenten sei sehr gut. „Sie sind sehr engagiert, motiviert und finden einen guten Zugang zu den Kindern.“

Das merkt man auch an Valtinke. Er hat explizit eine Stelle als DaZ-Lehrer gesucht. „Ich habe von einer befreundeten Lehrerin aus Bielefeld von dem Job gehört“, erzählt er. Daraufhin habe er sich beworben. Und wie verliefen die ersten Wochen an der Schule ? „Ich habe mir erst mal das Niveau der Kinder angeschaut“, erzählt er. „Die Kinder sind unterschiedlich weit, man hat einerseits Erstklässler, die schon sehr weit sind. Andererseits hat man Viertklässler, die auf dem Stand von Erstklässlern sind.“

Beim Deutschlernen helfen sich die Kinder, die aus dem Klassenunterricht rausgenommen wurden, um die Sprache zu lernen, auch selbst untereinander. „Es kamen anfangs Kinder, die kein Wort gesprochen haben“, berichtet Valtinke. „Das ist ja auch das Tolle an den kleinen Gruppen, dass die Kinder untereinander miteinander sprechen.“ Die Kommunikation unter den Kindern läuft dabei gut, mit Joshua Valtinke kommunizieren die Kinder über eine Übersetzer-App auf dem Tablet.

Studenten, die für Lehrkräfte einspringen, die eine Zeit lang verhindert sind, gibt es nicht nur an der Grundschule St. Michael. Auch Schulleiterin Marion Klein macht immer wieder die Erfahrung mit Studenten als Aushilfe an ihrer Grundschule Haiderbach/Tente. Wenn beispielsweise eine Kollegin aufgrund einer Schwangerschaft für längere Zeit ausfällt, wird eine Vertretungsstelle ausgeschrieben, auf die sich auch Studenten bewerben können. Aktuell ist auch ein Student, der im Master studiert, an der Grundschule. Er unterrichtet Sport, Schwimmen und Sachunterricht, 14 Stunden die Woche. „Er macht gute Arbeit, der ist gut zu gebrauchen.“

Gleichermaßen positiv spricht auch Friederike Kelzenberg-Gerloff, Schulleiterin der Dhünntalschule, über ihre Studentin, die seit Februar diesen Jahres an der Schule arbeitet. Sie unterrichtet neben den Fächern, die sie studiert, auch im DaZ-Bereich, „hilft also zum Beispiel Geflüchteten“, erklärt Kelzenberg-Gerloff. Dabei sorgt die Studentin für frischen Wind: „Die Kollegen haben sich ja schon mit der Grundschule beschäftigt und bringen auch neue didaktische und methodische Ideen von der Uni mit ein“, sagt sie. Im vorigen Jahr hat es an der Schule auch schon zwei Studenten gegeben, die die Grundschüler unterrichtet haben. „Falls Bedarf besteht, würden wir auch weitere einsetzen, aber im Moment sind alle Vertretungsstellen besetzt.“

Eine andere Art der Lehrkraft unterrichtet derzeit an der Waldschule. Dort werden Quereinsteiger in Form zweier Diplom-Sportlehrer eingesetzt, wie Schulleiterin Dagmar Strehlow-Toussaint erklärt. „Wenn sie zusätzlich noch ein Jahr lang eine didaktische Schulung absolvieren, in der sie lernen, wie man lehrt, können sie auch alle Fächer unterrichten.“ Studentische Lehrkräfte hat die Waldschule derzeit aber nicht. „Wenn es Studenten an unserer Schule gibt, sind sie mit einem Vertrag angestellt – aber nicht einfach nur so“, sagt Strehlow-Toussaint. „Was wir nur machen können, ist, wenn sich ein Lehrer zum Beispiel das Bein gebrochen hat, einen Lehramtsstudenten einspringen zu lassen, der übergangsweise unterrichtet.“

Berufsbegleitende Qualifizierung für Seiteneinsteiger

Auch an der Schwanenschule gibt es derzeit keine Studenten, die aktiv als Lehrkräfte eingesetzt werden. Solche hat es aber schon gegeben, wie Schulleiterin Katrin Wagner erzählt: „Vor sieben oder acht Jahren“ waren diese an der Schule. Mittlerweile haben die ehemaligen Studenten ihr Lehramtsstudium abgeschlossen und sind sogar fest angestellte Lehrkräfte an der Schwanenschule, sagt Wagner. „Das Konzept ist nicht neu, das gibt es schon seit Jahren“, meint sie. „Auch Quereinsteiger, die kein Lehramtsstudium abgeschlossen haben, können an Schulen unterrichten“, erklärt Wagner. „Die können zum Beispiel den Sportunterricht übernehmen oder den Musikunterricht leiten.“

Alle Seiteneinsteiger erhalten dazu „eine berufsbegleitende Qualifizierung, in der ihnen die pädagogischen Grundlagen des Lehrerberufs vermittelt werden“, heißt es auf der Internetseite des Schulministeriums NRW.

Seiteneinsteiger

Aushilfe: Seiteneinsteiger helfen den Schulen dabei, den Lehrerbedarf zu decken. Sie sind mit ihrer persönlichen Berufsbiografie eine Bereicherung für das Schulleben.

Bewerben: Für den Bereich der Grundschule ist der Seiteneinstieg nur mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss für die vier Fächer Kunst, Musik, Englisch und Sport möglich. Wege in den Lehrberuf finden Quereinsteiger ­online beim Schulministerium: t1p.de/np92t

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