Interview

Wie sich die Bücherei gewandelt hat

Kathrin Ludwig (links) und Sabrina Ollig von der Stadtbücherei Wermelskirchen standen Rede und Antwort.
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Kathrin Ludwig (links) und Sabrina Ollig von der Stadtbücherei Wermelskirchen standen Rede und Antwort.

Kathrin Ludwig und Sabrina Ollig sprechen über ihre Lieblingsbücher, die Lust am Lesen und neue Konzepte.

Das Gespräch führte Wolfgang Weitzdörfer

Frau Ludwig, Frau Ollig, welches Buch lesen Sie derzeit?

Kathrin Ludwig: Ich lese aktuell „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher. Ich bin aber noch nicht sehr weit – es handelt sich um eine Mutter-Tochter-Geschichte aus den 70er Jahren. Es geht um den Stellenwert der Frau und die beginnende Emanzipation.

Sabrina Ollig: Ich lese gerade von Robert Galbraith – dem Pseudonym der Harry-Potter-Autorin JK Rowling – den Krimi „Das tiefschwarze Herz“. Ich bin schon auf Seite 900 – von 1300. Es ist der sechste Band der Reihe um Cormoran Strike – und ich bin sehr begeistert, auch von der Thematik – denn es geht darin um Soziale Netzwerke und Diffamierung.

Wird im Herbst und Winter immer noch mehr gelesen?

Ludwig: Herbst und Winter sind klassische Lesezeit. Natürlich wird auch in den Sommerferien viel gelesen, aber da ist man doch mehr draußen aktiv.

Ollig: Im Herbst und Winter kuschelt man sich dann lieber mit einem guten Buch auf das Sofa.

Was empfehlen Sie Ihren Besuchern in der Bücherei?

Ludwig: Es kommt natürlich darauf an, was die Kunden gerne lesen wollen. Wir haben die Bücher hier in der Bücherei nach Genres sortiert, so dass die Kunden auch gerne einfach selber stöbern. Unsere privaten Leseempfehlungen haben wir ausgestellt und gekennzeichnet. Besonders gefragte Titel, die im Moment entliehen sind, können vorgemerkt werden.

Ollig: Mich hat in diesem Jahr besonders das Buch „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy beeindruckt – das empfehle ich gerne weiter.

Wie behält man bei der Fülle an Neuerscheinungen eigentlich den Überblick?

Ludwig: Wir richten uns zum einen nach den Rezensionen der „Einkaufszentrale für öffentliche Bibliotheken“, das ist durchaus hilfreich. Zusätzlich haben wir sogenannte Standing Orders laufen – das sind Bücher, bei denen wir schon wissen, dass sie bei uns gefragt sind. Und die kaufen wir auch, ohne vorher die Rezension gelesen zu haben – einfach, weil sie von den Kunden entsprechend nachgefragt werden. Auch die Bücher von der Spiegel-Bestseller-Liste im Bereich Belletristik werden per Standing Order automatisch bestellt. Das hilft dann bei Genres, in denen wir selbst nicht so bewandert sind – etwa den Bereich „New Adult“, das sind Romance-Bücher für junge Erwachsene.

Ist mittlerweile wieder Normalität im Büchereibetrieb eingekehrt?

Ludwig: Corona ist nicht vorbei, das sieht man auch daran, dass wir die Acrylglas-Schutzwände noch aufgestellt lassen und auch weiterhin Kunden mit Maske bei uns sind, obwohl sie nicht mehr vorgeschrieben ist. Aber: Es belebt sich nach und nach wieder, auch das ist deutlich sichtbar. Wir haben gerade in den vergangenen Wochen wieder sehr viele Neuanmeldungen festgestellt. Wir merken das auch an unseren Veranstaltungen, die wieder sehr gut besucht sind.

Ollig: Die Zahl der Besucher hat merkbar zugenommen, es ist immer recht voll, wenn wir aufmachen. Ich betreue die Kinderveranstaltungen im Haus, und die Nachfrage ist praktisch wieder wie in Vor-Corona-Zeiten – Warteliste inklusive.

Das neue Konzept ist kurz vor Corona fertig geworden – können Sie ein Zwischenfazit ziehen?

Ludwig: Wir haben in diesem Konzept im März 2020 noch einmal festgelegt, in welchen Handlungsfeldern wir aktiv sind. Zum einen sind wir Zentrum für Leseförderung, wir sind Ort des Lernens und ein nicht-kommerzieller Treffpunkt, ein sogenannter Dritter Ort. Wir haben nach etwa drei Jahren überprüft, welche unserer Ziele wir in welcher Form erreicht haben. Darüber werden wir im Februar des kommenden Jahres im Kulturausschuss detailliert berichten. Wir haben viele der Ziele erreicht, müssen aber auch an der einen oder anderen Stelle korrigieren, weil sich Themen als nicht umsetzbar erwiesen haben. Aber dafür erarbeitet man ein solches Konzept – um es dann nach einer gewissen Zeit zu evaluieren und neu zu bewerten.

Wie sieht es mittlerweile mit dem E-Book-Bereich bei Ihnen aus?

Ollig: Die Nachfrage in der Bücherei ist tatsächlich vorhanden und wächst auch beständig. Gerade vor der Ferienzeit werden verstärkt E-Books ausgeliehen – und die Kunden sind dankbar, dass sie nicht mehrere dicke Wälzer mit in den Urlaub nehmen müssen.

Ludwig: Ich bin sehr froh, dass wir dieses Angebot machen können, wenngleich es nach wie vor nicht einfacher geworden ist, die Lizenzen für die E-Books zu bekommen. Die Kunden wundern sich manchmal sehr, warum es bestimmte Bücher nicht als E-Book gibt – es ist eben nicht gesetzlich geregelt. In Corona ist die E-Book-Ausleihe natürlich Gold wert gewesen, das haben wir auch an den steigenden Ausleihzahlen gemerkt. Das relativiert sich mittlerweile wieder auf Vor-Pandemie-Niveau. Einige Kunden leihen ausschließlich E-Books aus – und die sieht man nur einmal im Jahr, wenn sie ihre Jahresgebühr bezahlen. In unserem Bestand vor Ort haben wir etwa 35 000 Medien. Im Rahmen der Bergischen Onleihe können wir – natürlich im Verbund mit anderen bergischen Bibliotheken – noch mal rund 17 000 E-Medien anbieten.

Lesen Sie selbst lieber echte Bücher oder doch E-Books?

Ollig: Ich persönlich nutze keine E-Books und nehme sie auch nicht mit in den Urlaub. Ich habe lieber ein echtes Buch in der Hand.

Ludwig: Ich habe nur einmal während einer Alpen-Überquerung E-Books im Rucksack dabeigehabt, ansonsten bin ich auch eine analoge Leserin. Wir haben in der Bücherei aber natürlich auch besten Zugriff auf die Bücher.

Welche Veranstaltungen sind in der Bücherei für die kalte Jahreszeit geplant?

Ollig: Es gibt ein Escape-Game für Familien, für das man sich anmelden kann – das kann während der Öffnungszeiten gespielt werden.

Ludwig: Neben den üblichen Vorleseveranstaltungen, ist am Dienstag, 13. Dezember, um 16 Uhr die Autorin Anja Kiel mit ihrem Tiptoi-Buch „Meine schönsten Weihnachtsmärchen“ zu Gast – sie hat vor ein paar Jahren schon einmal eine Lesung gestaltet, und die Kinder hatten sehr viel Spaß dabei.

Hat sich das Konzept des Dritten Orts eigentlich insgesamt etabliert?

Ludwig: In den vergangenen Wochen schon. Während Corona waren die Arbeitsplätze mehr oder weniger verwaist, jetzt sind wieder sehr viele Schülerinnen und Schüler hier. Auch den Puzzletisch haben wir wieder aufgestellt. Gerade dienstagnachmittags sind viele Familien mit ihren Kindern hier – dann kann es schon mal etwas lauter werden.

Ollig: Das Lesecafé wird wieder vermehrt genutzt, viele Menschen trinken dort eine Tasse Kaffee und lesen die Zeitung.

Hintergrund

Umstellung: Wegen der Umstellung des Büchereisystems, das mit umfangreichen IT-Arbeiten und einer Schulung einhergeht, ist die Bücherei in dieser Woche, also noch bis zum morgigen Samstag, 19. November, geschlossen.

Öffnungszeiten: Montag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, Freitag von 10 bis 16 Uhr und jeden ersten und dritten Samstag von 10 bis 12 Uhr. Mittwoch ist geschlossen.

Kontakt: Stadtbücherei Wermelskirchen, Kattwinkelstraße 3, 42929 Wermelskirchen, Tel. (0 21 96) 71 04 10, E-Mail: buecherei@wermelskirchen.de

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