Kölner Straße

Unverpackt-Laden macht weiter

Jochen Schmees führt den Unverpacktladen jetzt schon 3,5 Jahre an der Kölner Straße.
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Jochen Schmees führt den Unverpacktladen jetzt schon 3,5 Jahre an der Kölner Straße.
  • Susanne Koch
    VonSusanne Koch
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Der Krämerladen an der Kölner Straße hat durchgehalten und macht weiter.

Wermelskirchen. Jochen Schmees hat nicht aufgegeben: Kreativ arbeitet er sogar immer weiter an seiner Produkt-Palette. Neu dazu gekommen sind beispielsweise Keramikteller, Schüsseln und Tassen sowie einige Haushaltswaren. Neu dazu gekommen sind auch weitere Weine und Essige in Pfandflaschen und viele Brotaufstriche. „Wir sind stets bemüht, es läuft nicht signifikant besser, aber auch nicht schlechter.“

Am 2. Juni 2019 hat der zertifizierte Bio- und Unverpacktladen geöffnet. Die Corona-Pandemie hatte ihm 30 Prozent weniger Umsatz beschert. Und davon erholt er sich nur schwer. Denn auch ihn treffen die gestiegenen Preise für die Lebensmittel sowie die gestiegenen Energiekosten. „Ich gucke nach vorne und halte den Laden offen, so lange es gut geht“, sagt er. Seine Familie stehe nach wie vor hinter ihm. „In einem schlechten Monat wirkt sich das natürlich auch auf die Stimmung in meiner Familie aus.“

Über fehlende Kundinnen und Kunden kann er sich nämlich nicht beschweren, die geben sich heute morgen gegenseitig die Klinke in die Hand. „Dass der Bio-Laden Al Naturata im Sommer geschlossen hat, hat unser Krämerladen etwa zwei Monate gespürt“, sagt Jochen Schmees. „Besonders Molkerei-Produkte und Eier wurden gekauft und auch der Gemüsebereich war begehrt“, sagt der Inhaber. „Doch im Herbst kamen die krassen Preissteigerungen und die Aussichten auf die sehr hohen Energiekosten – und das hat die den Aufschwung wieder gebremst.“

Jochen Schmees macht sich nicht nur immer wieder neue Gedanken, um seine Produktpalette, die er erweitert, sondern er stellt seine Waren auch schon mal um. So finden sich Lakritze und Bonbons heute im Eingangsbereich auf einem Rondell. „Die Stoffwindeln haben wir inzwischen aufgegeben“, sagt er. „Das hatte sich leider nicht gelohnt.“

Jochen Schmees arbeitet künftig nur noch mit zwei Mitarbeiterinnen, einer Mini-Jobberin und einer fest angestellten Teilzeitkraft. „Eine weitere Angestellte hat aus persönlichen Gründen gekündigt“, sagt der Inhaber des Krämerladens. „Doch die Situation ist derzeit die, dass ich die Stelle nicht wieder neu besetzen kann.“ Deshalb bleibe der Dienstag auch geschlossen, weil das sonst personell nicht anders zu stemmen sei.

In die Unverpackt-Szene habe er regelmäßig Kontakte. „Und mit den Kolleginnen und Kollegen von Radevormwald und Bergisch-Gladbach tausche ich mich oft aus. Der Unverpackt-Laden in Wipperfürth schließt leider jetzt.“ Jochen Schmees findet es heute wichtiger denn je, das Bewusstsein der Menschen für Nachhaltigkeit, Kaufen ohne Verpackungsmüll und biologisch und fair angebaute Lebensmittel zu schärfen. „Vieles, was heute angeboten wird ist in meinen Augen moderner Ablasshandel, Greenwashing halt.“ Und dem gilt es, etwas reelles entgegenzusetzen.

Über die 3,5 Jahre hat sich Jochen Schmees mit seinem Team einen schönen Kundenstamm erarbeitet. „Die reichen von Schülerinnen und Schülern bis hin zu einem weit fortgeschrittenen Alter. „Wir gewinnen auch immer noch Kunden dazu“, sagt er. „Besonders Menschen, die aus einer Großstadt wieder nach Wermelskirchen ziehen, sind froh über den Krämerladen.“

Im Schaufenster hat er außen rechts eine WeihnachtsKrippe aufgebaut, links sind Papiersäcke zu sehen. „Wir sammeln beispielsweise Wachsreste, die schicke ich nach Karlsruhe, wo sie von einer kleinen Fabrik wieder genutzt werden“, erklärt der Inhaber des Krämerladens. §Die neuen Kerzen habe ich normalerweise auch im Sortiment.“ Es werden aber auch Plastik-Deckel, Kronkorken und Korken gesammelt. „Die bringe ich, wenn die Säcke voll sind, weg.“

Kundinnen und Kunden können im Unverpacktladen auch bestellen. „Sie können sie dann selber abholen“,, sagt Jochen Schmees. „Oder aber wir liefern innerhalb von Wermelskirchen mit dem Lastenrad.“ So versucht der Wirtschaftsinformatiker, neue Dinge umzusetzen. „Schon als Kind habe ich in einem Pfarrhaushalt gelernt, mein Bewusstsein zu schärfen.“

Hintergrund

Öffnungszeiten: Montag, 9 bis 12.30 Uhr, 14.30 bis 18.30 Uhr; Dienstag, geschlossen, Mittwoch, 9 bis 12.30 Uhr, 14.30 bis 18.30 Uhr; Donnerstag und Freitag, 9 bis 18.30 Uhr, Samstag, 9 bis 14 Uhr.

Weitere Informationen finden Sie online auf der Internetseite:
www.kraemerladen.bio

Standpunkt von Susanne Koch: Er zeigt wie es geht

susanne.koch@rga.de

Jochen Schmees zeigt seinen Kundinnen und Kunden wie bewusstes Leben geht: So liefert er beispielsweise innerhalb von Wermelskirchen die Waren nicht mit dem Auto, sondern mit dem Lastenfahrrad. Vor seinem Geschäft ist ein Bücherschrank aufgebaut, der eifrig genutzt wird. Leserinnen und Leser leihen sich Bücher aus, andere wiederum bringen Bücher dorthin.

Und in seinem Laden verkauft er seine Waren so, dass möglichst wenig Verpackungsmüll entsteht. Die Kundinnen und Kunden bringen Dosen und Gläser mit und füllen diese im Krämerladen auf. Und das geht mit unglaublich vielen Produkten – mit Reis, Nudeln, Hülsenfrüchten, Mehlen, mit Kichererbsen, Körnern und Cornflakes.

Der Inhaber Joachim Schmees ist aber darauf angewiesen, dass möglichst viele Kundinnen und Kunden seinen Unverpackt-Laden auch nutzen. Und auch demnächst so einkaufen, dass sie möglichst Verpackungsmüll vermeiden.

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