Nach Hochwasser

Zerstörte Brücken kosten rund 100.000 Euro

An der Frontaler Brücke, am Eingang zum Eifgental, soll zunächst ein Behelfsübergang entstehen. Foto: Anja Carolina Siebel
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An der Frontaler Brücke, am Eingang zum Eifgental, soll zunächst ein Behelfsübergang entstehen.
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Wanderwelt rund ums Eifgental hat durch das Unwetter im Juli massiv gelitten.

Wermelskirchen. Seit der großen Flut im Juli streifen sich erfahrene Wanderer häufiger mal die Gummistiefel über, bevor sie den Weg durch Eifgental antreten. „Das haben mir manche schon erzählt“, sagt der Wermelskirchener Tiefbauamtsleiter Harald Drescher. Und das hat seinen Grund: Wegen der zum Teil massiv zerstörten Brücken, die über den Eifgenbach führen, können sie die Wege nicht ohne weiteres passieren – und müssen manchmal durch das Gewässer waten, um beispielsweise vom Eifgenparkplatz zur Rausmühle, nach Dabringhausen oder nach Altenberg zu gelangen.

„An der Brücke Berger Mühle haben wir schon einiges wieder instandsetzen können“, sagt Harald Drescher. Die Brücke westlich von Eipringhausen sei vor allem von Wasser unterspült gewesen. Schlimmer hatte es die Übergänge Frontaler Brücke und Rausmühle getroffen. „Die werden erst einmal dauerhaft gesperrt bleiben, müssen vollständig neu errichtet werden“, sagt Drescher. Und die Kosten haben es in sich: „Wir schätzen, dass eine Brücke rund 100 000 Euro kosten wird.“ Finanzieren will die Stadt das unter anderem durch Förderfelder. Drescher: „Die müssen wir aber erst einmal akquirieren und beantragen.“ Das gesamte Verfahren, inklusive der Ausschreibung der zu tätigenden Arbeiten an den Brücken, könnte sich laut Verwaltung bis mindestens Mitte 2022 hinziehen. „Schließlich wollen wir ja auch Brückenkonstruktionen verwenden, die weiteren möglichen Unwettern besser standhalten“, unterstreicht der Tiefbauamtsleiter.

„Nun wissen wir aber, dass gerade die Strecken an den beiden betroffenen Brücken stark von Wanderern und Spaziergängern frequentiert werden“ berichtet Harald Drescher. „Die Frontaler Brücke bildet ja praktisch den Eingang zum Eifgental und in Rausmühle zieht es viele Wanderer aus Dabringhausen auf die Haupt-Wanderstrecken.“

Wanderwege haben durch die Flut im Juli stark gelitten

Deshalb habe er gemeinsam mit dem städtischen Bauhof entschieden, dort provisorische Brücken aufzustellen. Das soll in Kürze passieren und den Fußgängern den Überweg über den Eifgenbach wieder erleichtern.

Aber es sind nicht nur die Brücken, die die Flut Mitte Juli mit sich gerissen und zerstört hatte. Auch die Wanderwege haben zum Teil gehörig gelitten. Harald Drescher spricht von ausgespültem Schotterwegen und durch die Wassermassen zum Teil rissigen und brüchigen Wegflächen. „Da sind wir mit dem Betriebshof aber sehr aktiv und haben schon einiges ausgebessert.“ Zusammen mit einem Gutachter hätten die Mitarbeiter bereits im Juli die Wege abgefahren, um vor allem Schäden aufzuspüren, die für die Wanderer zu gefährlichen Hindernissen werden könnten.

Behilflich bei dieser Suche war auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Wermelskichen. „Wir haben uns auch gleich im Juli auf den Weg gemacht, um zerstörte Wege und Brücken ausfindig zu machen“, sagt dessen Vorsitzender Bernd Weiß. Als er das Ausmaß der Zerstörung jedoch erkannt hätte, sei ihm sofort klar gewesen, dass der VVV da „nicht viel ausrichten“ könne.

Schutzhütten müssen erneuert werden

„Wir haben als Verein ja nicht die finanziellen Mittel, um so große Flächen und Bauwerke instand zu setzen“, erklärt Bernd Weiß. „Wir können immer nur mit Manpower helfen.“ Aber auch die schwindet bei den VVV-Ortsgruppen Mitte, Dhünn und Dabringhausen so langsam, weil der Nachwuchs fehlt, kaum junge Leute mehr nachrücken. Weiß: „Das bedauern wir sehr. Und es bedeutet für uns, dass wir uns auf kleinere Projekte beschränken müssen.“

Zum Beispiel auf die Instandsetzung zweier Schutzhütten des Vereins. Die Hütten, die kurz vor der Rausmühle und bei Bechhausen stehen, sind in die Jahre gekommen und müssen dringend erneuert werden. Weiß: „Eine davon kostet schon mal 4000 Euro. Das ist für uns sehr viel Geld.“

Eifgenbach

Der Eifgenbach, dessen Umfeld auch kurz als „das Eifgen“ bezeichnet wird, ist ein etwa 20,5 Kilometer langer, rechter Zufluss der Dhünn. Der Eifgenbach entspringt am Rattenberg bei Buchholzen, quasi an der Stadtgrenze zu Remscheid, umfasst südlich den Wermelskirchener Hauptort und fließt durch das von vielen geliebte naturbelassene Tal in südwestlicher Richtung. Im Unterlauf bildet er die Grenze zu Burscheid. In Sichtweite des Altenberger Doms in Odenthal mündet der Eifgenbach dann in die Dhünn.

Standpunkt: Wenigstens etwas

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Es ist gar keine Frage. Gegen das, was die Unwetter im Juli in den besonders betroffenen Gebieten, wie beispielsweise an der Ahr oder in Teilen Nordrhein-Westfalens angerichtet haben, lässt sich die Zerstörung der bergischen Wanderwege sicher nicht aufwiegen. Und doch ist es gerade für passionierte Wanderer, die sich viel in den heimischen Wäldern bewegen, bitter, anzusehen, wie auch das bergische Wanderland rund um den Eifgenbach gelitten hat unter den Wassermassen. Die Konsequenz ist vielerorts, dass Wege unpassierbar geworden sind. Und das Tückische: Die Wanderer haben keine Umleitungsschilder, die ihnen den passierbaren Weg weisen. Wenn sie Pech haben, müssen sie wieder umdrehen; beispielsweise von Dabringhausen in Richtung Rausmühle/ Altenberg. Dass die Stadt sich deshalb dazu entschlossen hat, wenigstens provisorische Übergänge über den bei Regen ganz schön vollen Eifgenbach zu leiten, ist wenigstens ein Trost. Denn die Instandsetzung der Brücken kann leider noch eine kleine Ewigkeit dauern. Und wer möchte schon mitten im grünen Paradies wieder kehrt machen.

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