Impfkampagne

Stefan Leßenich engagiert sich beim Thema Impfen und erntet Kritik

CDU-Ortsverbandsvorsitzender steht wegen seines Engagements ums Impfen in der Kritik. Archivfoto: Roland Keusch
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CDU-Ortsverbandsvorsitzender steht wegen seines Engagements ums Impfen in der Kritik. (Archivfoto)

Ortsverbandsvorsitzender Stefan Leßenich setzt sich ein: Aus einer Ampulle Biontech-Impfstoff sollen sieben statt sechs Dosen aufgezogen werden und im Rathaus soll eine dezentrale Schwerpunktpraxis entstehen.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Im Grunde sind es gute Nachrichten. Zum einen können wie berichtet ab sofort aus einer Ampulle des kostbaren Impfstoffs des Herstellers Biontech in Nordrhein-Westfalen statt sechs nun sieben Dosen aufgezogen und geimpft werden. Das ist vor allem der Initiative des Wermelskirchener Impfarztes Dr. Hans-Christian Meyer zu verdanken.

Zum anderen sieht es inzwischen tatsächlich danach aus, dass Wermelskirchen zwar kein zusätzliches Impfzentrum, wohl aber eine sogenannte dezentrale Schwerpunktpraxis, die wohl im Rathaus-Foyer entstehen soll, bekommen könnte.

Für beides hatte sich – unter anderem – der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Stefan Leßenich eingesetzt. Weil er immer wieder im Zusammenhang mit den Impfaktivitäten in Erscheinung tritt, wird der CDU-Mann jetzt scharf kritisiert. Unter anderem war Oliver Platt vom Bürgerforum (BüFo) negativ aufgefallen, dass „nirgendwo erwähnt wurde, dass ein Büfo-Fraktionsmitglied sich mit Landespolitikern wegen der zusätzlichen Impfdosis in Verbindung gesetzt“ hätte.

Wir haben in beiden Punkten ja einiges erreicht.

Stefan Leßenich, CDU

Und auch Karl Springer (AfD) kritisiert Leßenich in Verbindung mit dem Impfthema: „Es kann nicht sein, dass der CDU-Stadtverbandsvorsitzende mit dem Ministerium spricht. Denkbar ist eine Kommunikation als stellvertretender Bürgermeister im Auftrag der Stadt. Aber diese Formulierung deutet darauf hin, dass eine Regelung allein zwischen CDU-Mitgliedern abgesprochen wird“, schreibt Springer unter anderem. Das Verhalten Leßenichs als stellvertretender Bürgermeister würde „die Autorität der Bürgermeisterin untergraben“.

Stefan Leßenich stellt dazu klar, dass er sich „nicht als stellvertretender Bürgermeister für die Impfkampagne engagiere, sondern als CDU-Ortsverbandsvorsitzender. „Ich habe natürlich einen guten Kontakt zu CDU-Landespolitikern. Warum sollte ich den in der augenblicklichen Situation nicht nutzen, um Dinge zu erwirken, die für alle nützlich sein können?“

Wie berichtet, hatte Leßenich wegen der dezentralen Impfstelle Briefe an Karl-Josef Laumann und Jens Spahn geschrieben. Er hege einen guten Kontakt zu Impfarzt Dr. Christian Meyer, unterstreicht Leßenich weiter. Gemeinsam habe man überlegt, wie man entsprechende Ziele rasch erreichen könnte. „Und wir haben in beiden Punkten ja auch einiges erreichen können.“

Wie Dr. Hans-Christian Meyer berichtet, habe er bereits mehrere Hundert Spritzen in den Niederlanden bestellt, mit denen er jetzt schon sieben statt sechs Dosen des Serums impfen kann. Das Land NRW hatte dazu am Dienstag seine Zustimmung gegeben. Zugute kommt das derzeit den Senioren und Mitarbeitern in den Pflegeheimen, zudem jenen, die im Impfzentrum gerade geimpft werden. Später könnten alle Impfberechtigten davon profitieren.

Bürgermeisterin Marion Lück kann die Aufregung um das Engagement Leßenichs nicht nachvollziehen. „Es geht uns doch allen um dieselbe Sache. Wir möchten, dass so viele Bürger wie möglich so schnell wie möglich geimpft werden“, sagt sie. Und betont, dass auch die Stadt Wermelskirchen beim Land einen Antrag auf eine dezentrale Schwerpunktpraxis zum Impfen für den Nordkreis gestellt hatte. Zudem habe sich Landrat Stephan Santelmann dafür starkgemacht. „Es ist doch nur sinnvoll, bestehende Kontakte zu nutzen, wenn sie zu etwas Positivem für die Allgemeinheit führen.“

Stefan Leßenich macht indes Hoffnung für die Schwerpunktpraxis im Rathaus: „Sobald genug Impfstoff da wäre, könnten wir mit dem Impfen in Wermelskirchen sofort starten. Vorbereitet ist von unserer Seite aus alles.“

Hintergrund

Für das grüne Licht des Gesundheitsministeriums hatte Dr. Hans-Christian Meyer gemeinsam mit CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Stefan Leßenich, Landrat Stephan Santelmann und dem CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Deppe gekämpft, die den Vorschlag im Ministerium unterbreiteten. Dann kam der Anruf von Rainer Deppe, dass Staatssekretär Edmund Heller grünes Licht für die sieben Impfdosen gegeben hat.

Standpunkt

anja.siebel @rga-online.de

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

Um Ruhm oder Anerkennung sollte es in einer Situation wie der, in der die Welt gerade steckt, nicht gehen. Leider wird das oft vergessen. Nicht nur bei Bund und Ländern, sondern offenbar auch in Wermelskirchen. Denn nun wird gezankt darum, wer denn nun verantwortlich dafür war, dass die zusätzliche Dosis in die Spritze und die dezentrale Impfpraxis in die Stadt kommt. Aber ist das nicht völlig schnuppe? Entscheiden ist, dass es jetzt fix geht mit dem Impfen. Die Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch zeigen, dass der Politik die Ideen ausgehen angesichts der zwar sinkenden Infektionszahlen, aber der – möglicherweise – sich ausbreitenden Mutationen des Virus. Konsequenz ist ein fortgeführter Lockdown mit Larifari-Perspektiven für die einen und keine Perspektiven für die anderen. Langfriststrategien? Fehlanzeige. Angesichts dieser Perspektivlosigkeit ist es völlig unangebracht, über das Engagement von Politikern zu schimpfen, die zumindest auf lokaler Ebene etwas an der Situation ändern möchten. Und das kann nicht schnell genug gehen. Sich im Kleinklein verstricken, ist der falsche Weg.

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