Neue Schule

Stadtrat stimmt für die Gesamtschule

Die Ortspolitiker legten mit ihrem Beschluss den Grundstein für eine Gesamtschule. Foto: Anja Carolina Siebel
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Die Ortspolitiker legten mit ihrem Beschluss den Grundstein für eine Gesamtschule.

Mindestens vierzügig soll sie werden und an der Wirtsmühler Straße stehen – und: Sie wird neu gegründet.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Im Grunde hatte es sich nach der Sitzung des Schulausschusses vor gut zwei Wochen bereits abgezeichnet. Am Montagabend besiegelten es die Mitglieder des Stadtrates: In Wermelskirchen wird eine Gesamtschule neu gegründet, die mindestens vierzügig werden soll, mit Ganztag. Entstehen soll die neue Schule in einem Erweiterungsbau an der Wirtsmühler Straße.

Wie berichtet, hatte es im Vorfeld viele Diskussionen über die neue Schule gegeben. Zuletzt eher über den Standort als über die Schulform. Deshalb sorgte die CDU-Fraktion in der Ratssitzung noch einmal für eine Überraschung. Wie CDU-Ratsfrau Monika Müller berichtete, habe sich ihre Fraktion mehrheitlich für eine Realschule ausgesprochen. Fraktionsintern habe es zwar unterschiedliche Meinungen gegeben, mehrheitlich sei aber eine Realschule favorisiert worden. „Aus der Elternbefragung ergibt sich zweifelsfrei, dass sich mehr als 50 Prozent der befragten Eltern für eine Realschule in Wermelskirchen entschieden haben“, konstatierte Müller. Die Realschule in Hückeswagen fülle „allein zwei Klassen mit Schülern aus Wermelskirchen“. „Sicher haben sich die Bedingungen, eine neue Realschule zu gründen, verändert, jedoch ist es – mit gebotenem Nachdruck auf die Bezirksregierung – weiterhin möglich, auch in Wermelskirchen eine Realschule zu errichten“, sagte Müller.

CDU und Grüne äußern Bedenken

Zudem liest die CDU aus der Elternbefragung, dass „über 90 Prozent der Eltern – aus sicherlich guten Gründen – für ihre Kinder keine Ganztagsbetreuung“ wollten.

Der Aspekt des „gemeinsamen Lernens“, also der Inklusion von Kindern mit höherem Förderbedarf, sei nach Ansicht der CDU „ein Knackpunkt schon für das erfolgreiche Bestehen der Sekundarschule gewesen, weil dadurch viele Schüler die Schule besuchten, die viel besser an einer Förderschule aufgehoben wären.“

Dennoch, so betonte Monika Müller, werde die CDU bei einem mehrheitlichen Beschluss auch an dem Gelingen einer Gesamtschule konstruktiv mitarbeiten.

Auch die Grünen trugen noch einmal ihre Bedenken vor. Die galten nicht der Schulform, sondern wie berichtet vor allem dem Standort an der Wirtsmühler Straße. Die Grünen hatten sich zuvor gemeinsam mit den Eltern der jetzigen Sekundarschule für einen Neubau an der Rot-Kreuz-Straße eingesetzt. Grünen-Fraktionsvorsitzender Stefan Janosi nannte noch einmal einige Bedenken gegenüber der Gebäude an der Wirtsmühler Straße. „Schon jetzt gibt es enorme Defizite in den Räumen, zum Beispiel eine versperrte Sicht auf die Tafeln oder marode Containerbauten“, zählte er auf. Zudem bedeute ein Umbau im Bestand „enormen Stress für die Schüler.“ Und: „Wer möchte schon sein Kind an einer Baustelle anmelden?“ Janosi wies auch noch einmal darauf hin, dass sich höhere Kosten im Altbau erst mit den Jahren ergeben könnten.

SPD: „Beratungen haben bereits vor einem Jahr begonnen“

Die übrigen Ratsmitglieder schienen sich indes einig darüber zu sein, dass es eine Gesamtschule am Standort Wirtsmühler Straße werden soll. Die Entscheidungen seien nicht „im Schweinsgalopp“ getroffen worden, merkte Jochen Bilstein (SPD) an. Bereits vor einem Jahr hätten die Beratungen zu Schulform und Standort in seiner Fraktion begonnen. „Bereits im September hat der Ältestenrat mit einem Mitarbeiter der beauftragten Baufirma eine Begehung des Schulgeländes an der Wirtsmühler Straße gemacht und Informationen über den geplanten Um- und Ausbau erhalten“, sagte Bilstein.

Zudem habe sich die Fraktion auch mit den Eltern der jetzigen Sekundarschule unterhalten. Einige Gesprächsangebote seien indes nicht angenommen worden.

Der Technische Beigeordnete Thomas Marner betonte noch einmal, dass das Gelände an der Rot-Kreuz-Straße zu wenig Platz für eine Gesamtschule berge. „Es hätte allerhöchstens die Schule mit Oberstufe dorthin gepasst, dann aber auch schon unter Einbezug des Bolzplatzes. Eine Sport halle wäre dort nicht machbar und eine Erweiterung des Schulgeländes ebenso nicht.“

Hintergrund

Bis November 2022 kann Wermelskirchen in Düsseldorf einen Antrag stellen, um eine eventuelle Gesamtschule genehmigt zu bekommen. Der Schulbeginn für die Klassen 5 könnte dann ab dem Schuljahr 2023/2024 sein. Die Eltern der Sekundarschule hatten sich vor gut zwei Wochen für den Standort Rot-Kreuz-Straße und einen Neubau der Gesamtschule ausgesprochen und eine Petition gestartet. Darin hatten sie die Verwaltung gebeten, die Thematik nochmal zu prüfen.

Standpunkt

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Nun steht es also fest: Wermelskirchen soll eine Gesamtschule bekommen. Die Ortspolitiker sind sich auch weitgehend einig darüber, dass diese Schule neu gegründet werden soll. Ein Happy End ist das dennoch nicht für Wermelskirchen. Denn es bleiben nicht nur Fragen offen, es bleiben auch unzufriedene Eltern, Lehrer und Schüler der jetzigen Sekundarschule zurück. Wer deren Auftritt vor gut zwei Wochen in der Sitzung des Schulausschusses mitbekommen hat, den kann deren Sichtweise eigentlich nicht kalt lassen. Unter anderem hatten sie sich eindringlich gewünscht, die jetzige Schule in eine Gesamtschule umzuwandeln und diese nicht komplett neu zu gründen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass das Lehrerkollegium hätte übernommen werden können. Das ist jetzt nicht der Fall. Alle müssen sich neu bewerben, was vonseiten Politik und Verwaltung ein klares negatives Zeichen in Richtung der jetzigen Schulleitung ist. DieBedenken bezüglich des Zustands der Gebäude an der Wirtsmühler Straße wurden ebenfalls vom Tisch gewischt. Da kann man nur sagen: Schauen wir mal.

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