Prüfung bestanden

Sie will Gott und den Menschen dienen

Sarah Kannemann hat ihr Vikariat in Wermelskirchen geleistet, unterstützt von Pfarrer Volker Lubinetzki.
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Sarah Kannemann hat ihr Vikariat in Wermelskirchen geleistet, unterstützt von Pfarrer Volker Lubinetzki.

Sarah Kannemann wird am 5. Dezember in der Stadtkirche zur Pfarrerin ordiniert.

Von Susanne Koch

Wermelskirchen. „O Heiland reiß die Himmel auf . . .“ Das ist eines der Lieder, das sich Sarah Kannemann am zweiten Advent zu ihrer Ordination zur Pfarrerin ausgesucht hat. „Die Gestaltung meines Ordinationsgottesdienstes gehört mit zu meinen Aufgaben“, sagt die 33-Jährige, die bereits ihre Prüfung abgeschlossen hat.

„Seit Oktober vertrete ich schon meinen ehemaligen Mentor Pfarrer Volker Lubinetzki hier in Wermelskichen.“ Bis Ende dieses Jahres. Dann wird sie Abschied nehmen. „Das wird sicher ein trauriger Moment, denn ich habe hier zwei Jahre gelebt und sehr, sehr gerne gearbeitet“, sagt Sarah Kannemann.

Ab Januar wird sie in der Remscheider Gemeinde Clarenbach in Remscheid-Reinshagen eine 50 Prozent-Stelle als Pfarrerin im Probedienst besetzen. „Die anderen 50 Prozent arbeite ich in der Seelsorge des Remscheider Kirchenkreises, als Krankenhausseelsorgerin im Sana-Klinikum, und mit an Konzepten für die Zukunft.“

Ihren Mann David Kannemann hat sie während des Studiums in Tübingen kennengelernt. Auch er wird Pfarrer. „Er arbeitet als Vikar in Remscheid und ist erst ein halbes Jahr nach mir fertig.“ Auf eine eigene Pfarrstelle bewerben kann sie sich erst nach den zwei Jahren Probedienst in Remscheid. „Danach stehen mir alle freien Stellen in der evangelischen Kirche im Rheinland offen“, sagt sie.

Studiert hat Sarah Kannemann in Mainz, in Tübingen und ein halbes Jahr in Stellenbosch/Südafrika. „Südafrika mag ich sehr“, sagt sie. „Dort habe ich nach dem Abitur ein halbes Jahr in Johannesburg gearbeitet“, erzählt sie. „Das war ein sehr vielfältiger Einsatz in Südafrika. Ich habe Mittagessen für 60 bis 100 Kinder gekocht, in Kinderclubs gearbeitet, in Kindergärten und Schulen.“ Und in Stellenbosch war sie in einem Umfeld, das der Afrikaans-Kultur angehört. Das waren schon zwei verschiedene Welten.

Die Entscheidung fürs Studium fiel in der Oberstufe

Warum sie Theologie studiert hat? „Die Entscheidung fiel während der Oberstufenzeit auf dem Gymnasium“, erinnert sie sich. „Ich hatte einen Religionslehrer, der gleichzeitig auch Philosophie und Geschichte gelehrt hat“, sagt die 33-Jährige. „Durch ihn habe ich meinen Glauben hinterfragen gelernt, Religionskritik und exegetische Methoden. Das wollte ich gerne weiterverfolgen.“ Dass sie Pfarrerin werden würde, stand da noch gar nicht fest. „Obwohl ich durch meinen Großvater und einige meiner Großonkel und -tanten schon immer mit diesem Beruf sehr nah konfrontiert war.“

Ihr Beruf sei genau der richtige. Das weiß sie jetzt. „Ich liebe es gemeinsam mit Menschen, mich mit Bibeltexten zu befassen, sie zu hinterfragen, ich mag aber auch Gottesdienste in Kindergärten abhalten und finde die Gespräche, die ich mit Menschen anlässlich eines freudigen Ereignisses wie einer Hochzeit führe, genauso wie die anlässlich einer Beerdigung immer sehr intensiv und oft nah“, betont sie. „Da brauche ich viel Fingerspitzengefühl, um schließlich den richtigen Ton zu treffen.“ Sie freut sich auf das, was ihr die Zukunft noch an Herausforderungen bringt. „Es ist ein sehr lebendiger Beruf.“

Zeit für eigene Hobbys hat sie nicht mehr so viel. „Mein Mann und ich tanzen gerne zusammen, das ist jetzt auch durch Corona zu kurz gekommen“, sagt sie. „Ich lese gerne, spiele Gitarre und singe.“ Letzteres kommt ihr in ihrem Beruf sehr gelegen. „Es kommt selten vor, aber ich habe während einer Beerdigung schon mal ein Lied ganz alleine gesungen“, sagt Sarah Kannemann. „Hier habe ich während meines Vikariats schon viel gelernt und habe mich persönlich sehr weiter entwickelt.“

Ordination

Ordination (lat. ordinatio: „Bestellung, Weihe“) ist eine gottesdienstliche Handlung im Christentum. Die Frauen und Männer in der evangelischen Landeskirche werden zum geistlichen Amt gesegnet, ausgesondert und gesandt. Eine besondere Ordinationspraxis hat die Evangelische Kirche im Rheinland: Sie versteht das Priestertum in der Weise, dass auch Prädikanten und nicht-theologische Mitarbeiter (zum Beispiel Jugendreferenten) ordiniert werden können.

Gottesdienst

Er findet am 5. Dezember um 14 Uhr in der Stadtkirche statt. Es herrscht die 3G-Regel.

Standpunkt

Kommentar von Susanne Koch

susanne.koch @rga.de

Sarah Kannemann versteht ihren theologischen Dienst auf jeden Fall darin, alles dafür zu tun, um die Schöpfung zu bewahren, sich engagiert für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Dazu gehört für sie auch, sich für Flüchtlinge zu engagieren und dafür, dass sie nicht mehr in den Meeren dieser Welt ertrinken. Die evangelischen Gemeinden in Wermelskirchen unterstützen die Aktion „Sichere Häfen“. Die Gemeindeglieder würden sich wünschen, dass auch Wermelskirchen diesem Bündnis beitritt, wie es andere Kommunen auch schon getan haben. Das Amt als Pfarrerin wird Sarah Kannemann in der Zukunft genug Gelegenheit geben, gemeinsam mit ihren Gemeindemitgliedern an einer gerechteren Welt mitzuwirken. In Wermelskirchen hat sie erlebt, dass sich die Gemeindeglieder mit Einkaufsverhalten, mit Konsum, mit Plastikmüll und vielen anderen Themen auseinandergesetzt haben, die die Zukunft auf dieser Erde mit beeinflussen. Es sind die kleinen Dinge, die man als Pfarrerin bewegen kann. Ich wünsche ihr, dass ihre Predigten viele Menschen erreichen. Und sie an aktive Gemeinden gerät, die Gottes Wort auf Erden umsetzen wollen.

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