Fahrradfahren

Sie ruft zur Verkehrswende auf

Sabine Krämer-Kox gibt der Region insgesamt passable Noten in Sachen Fahrradfreundlichkeit. „Es geht aber noch mehr“, sagt sie. Foto: ADFC
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Sabine Krämer-Kox gibt der Region insgesamt passable Noten in Sachen Fahrradfreundlichkeit. „Es geht aber noch mehr“, sagt sie.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Die ADFC-Vorsitzende Sabine Krämer-Kox wünscht sich mehr Radfahrer und weniger Autos.

Wermelskirchen. Ein eigenes Auto hat sie noch. Aber eigentlich nur deshalb, um im Raiffeisenmarkt Bergisch Born Futter für ihre Kaninchen zu kaufen oder mit den felligen Vierbeinern zum Tierarzt zu fahren. „Und“, sagt Sabine Krämer-Kox, „für den Fall, dass die Trasse mal vereist ist oder es in Strömen regnet.“ Die ADFC-Vorsitzende für Wermelskirchen und Burscheid fährt mit ihrem Pkw nur etwa drei Mal im Jahr zur Tanksäule. „Und ständig ist die Batterie leer, weil ich so wenig fahre“, erzählt sie lachend.

Die Trassen, die sich mit den Jahren in der bergischen Region entwickelt haben und viele Radrouten miteinander verbinden, sind für sie „ein Geschenk“. Am liebsten ist sie am Wochenende im Oberbergischen unterwegs. Entlang der malerischen Kirchdörfer.

„Wo ich mit dem Rad nicht hinkomme, da muss ich auch nicht hin“, sagt Sabine Krämer-Kox. Und sie würde sich wünschen, dass mehr Menschen so denken würden. „Wir müssen umdenken“, betont die passionierte Radfahrerin. „Die Straßen sind proppevoll, es werden Parkflächen in Masse gebaut und so immer mehr natürlicher Lebensraum zerstört.“

Wo ich nicht mit dem Rad hinkomme, da muss ich auch nicht hin.

Sabine Krämer-Kox

Aber Krämer-Kox weiß auch: „Wir sind hier in der Region zwar schon ganz gut aufgestellt in Sachen Fahrradfreundlichkeit, es geht aber noch mehr.“ In Wermelskirchen zum Beispiel lobt die Radlerin das Trassenteilstück, das mit der Eröffnung des Jugendfreizeitparks freigegeben wurde. Sie sagt: „Ein Lückenschluss und eine Erleichterung für die Radfahrer. Allerdings müssen die Radfahrer an der Thomas-Mann-Straße auf eine Aufstellfläche fahren, um die Ampel zu überqueren. Das gestaltet sich dann schwierig, wenn rechts Autos stehen. Dann kommt man auf die Fläche überhaupt nicht drauf. Und: Die Grünphase ist recht kurz.“

Auch in Burscheid muss sie als Radlerin diverse Hürden umschiffen. „Zwar gibt es dort ja jetzt an der Hauptstraße den gegenläufigen Radverkehr, allerdings stehen dort so viele parkende Autos, dass es für uns schwierig ist, überhaupt durchzukommen.“ Und doch: „Wenn abends kein Verkehr herrscht, ist es eigentlich sehr schön, die mittlere Hauptstraße gegenläufig runterzurollen, besonders ein italienisches Restauraunt lockt mit einer kleinen Außengastronomie direkt im Städtchen.“

Insgesamt gibt die ADFC-Vorsitzende Wermelskirchen und Umgebung passable Noten für die Fahrradfreundlichkeit. „Vor allem die Trassen, allem voran die Balkantrasse, sind ja eine hundertprozentige Bereicherung für uns Radfahrer.“ Sie habe oft erlebt, dass Menschen aus anderen Regionen sich gerade wegen des attraktiven Radwegenetzes für das Bergische interessieren. „Ich war schon mit Leuten aus Brandenburg oder den Niederlanden auf der Trasse unterwegs.“

Wenn man sich dort auch noch mit Rücksicht begegnet, dann hat sie gar nicht viel zu meckern. Ihrer Ansicht nach könne das Miteinander dort funktionieren, wenn Radfahrer und Fußgänger einfach freundlich miteinander kommunizieren: „Sich bedanken, wenn jemand zur Seite geht, als Radfahrer kurz klingeln. Einfache Verhaltensregeln, die auf der Trasse das Leben leichter machen. Ich praktiziere das und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Es muss ja nicht jeder immer der Schnellste sein.“

Wünsche hat Sabine Krämer-Kox auch noch ein paar für ihre Touren auf den umliegenden Trassen und Radrouten. „Die Rastmöglichkeiten könnten attraktiver gestaltet werden. Überdachte Hütten zum Beispiel zum Picknicken oder Sonnenanbeterliegen an verschiedenen Stellen wären toll. Aber ansonsten kann man sich als Radfahrerin hier jetzt schon sehr wohlfühlen.“

Trassentreffen

Der ADFC lädt ein, am 1. Mai von 11–17 Uhr das Bergische Trassen-Treffen zu feiern . Entlang der Strecken gibt es in Burscheid, Hückeswagen, Radevormwald, Remscheid, Solingen, Wermelskirchen, Wipperfürth und Marienheide Veranstaltungen rund um das Thema „Fahrradfahren“. In Wermelskirchen ist der ADFC mit einem Stand in Zenshäuschen vor Ort, um Fahrräder zu codieren. Auch für Gespräche ist Zeit.

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Vorbildliches Engagement

anja.siebel@rga.de

Wer Sabine Krämer-Kox zuhört, der möchte sich am liebsten gleich selbst aufs Rad schwingen und die bergische Region erkunden. Mit so viel Leidenschaft spricht die ADFC-Vorsitzende von ihrer Passion. Sie weist aber gleichzeitig darauf hin, dass noch einiges fehlt, um die Region als wirklich fahrradfreundlich zu bezeichnen. Viele Dinge werden nur halb gedacht, wie beispielsweise der gegenläufige Radverkehr in Burscheid, der Voraussetzung war, um Fördergelder für den Innenstadtausbau zu bekommen. Allerdings kommt er den Radlern in der Praxis eher nicht zugute.

Immerhin hat Burscheid den gegenläufigen Radverkehr. In Wermelskirchen wurde dessen Umsetzung auf der Telegrafenstraße ja nach langen, unschönen Debatten erst einmal zu den Akten gelegt. Um wirklich eine Mobilitätswende zu erreichen und mehr Menschen von der täglichen Nutzung des Pkw wegzubekommen, braucht es vermutlich mehr Menschen wie Sabine Krämer-Kox. Die nicht nur mit viel Verve für das Radeln werben, sondern sich auch für die Rechte der Radfahrer einsetzen. Chapeau dafür. Und allzeit gute Fahrt.

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