Rheinisch-Bergischer-Kreis will Terminshopping

Shoppen soll mit Tests möglich bleiben

Shoppen mit Termin: Wenn die Kunden einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen, soll das weiter möglich sein. Foto: Roland Keusch
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Shoppen mit Termin: Wenn die Kunden einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen, soll das weiter möglich sein.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Die Bürgermeister des Kreises wollen eine Allgemeinverfügung erwirken

Wermelskirchen. Ein bisschen verwirrend war das schon, was die Kreisverwaltung im Laufe der Woche bezüglich möglicher Öffnungen kommunizierte: Noch am Dienstag kündigte Landrat Stephan Santelmann an, im Falle einer über drei Werktage währenden Sieben-Tages-Inzidenz von über 100 Corona-Fällen eine „harte Notbremse“ ziehen zu wollen. Würde heißen: Alle Öffnungen, die im Kreis seit dem 8. März wieder gelten, vor allem das Einkaufen mit Termin in den Geschäften, würden dann wieder entfallen.

Die Bürgermeister des Kreises hatten da offenbar ein Veto eingelegt. Denn am Donnerstagabend korrigierte der Kreis die ursprüngliche Fassung der Verfügung in einem Schreiben: Landrat Stephan Santelmann und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte und Gemeinden hätten in einem „sehr kollegialen und konstruktiven Gespräch ein Einvernehmen über den Umgang mit der sogenannten Notbremse nach der Coronaschutzverordnung erzielt“, heißt es darin:

Kreis prüft Testkapazitäten

Demnach soll es für den Fall des Überschreitens der 100er-Inzidenz wie bereits in anderen Kreisen und kreisfreien Städten auch im Rheinisch-Bergischen eine Allgemeinverfügung geben, die die Nutzung der dann ansonsten nicht zulässigen Angebote in Handel, Gewerbe, Kultur und Sport bei Vorlage eins tagesaktuellen bestätigten negativen Ergebnisses eines Schnell- oder Selbsttests weiter ermögliche.

„Wir prüfen gerade die dafür erforderlichen Testkapazitäten, die Bürgermeister werden dann sicherstellen, dass die in den einzelnen Städten und Gemeinden vorhanden sind“, sagt Krisenstabssprecherin Birgit Bär auf Nachfrage.

Die konkrete Ausgestaltung der Allgemeinverfügung werde kurzfristig abgestimmt. Städte, Gemeinden und der Kreis seien sich zudem darüber einig, dass – mit Umsicht und Sorgfalt – alle verantwortbaren Maßnahmen ergriffen werden müssten, damit Handel und Gewerbe, aber auch Kultur und Sport nur im wirklich unverzichtbaren Maß eingeschränkt werden und ihnen „Luft zum Atmen“ bleibe.

Bürgermeisterin Marion Lück unterstützt dieses Konzept: „Wir machen das alles mit Augenmaß“, betont sie. Und erklärt, dass es sich bei den möglichen Öffnungen mit Schnelltests im Augenblick nur um jene Öffnungen handele, die ohnehin seit dem 8. März gelten.

Wir können uns im Falle sinkender Infektionszahlen auch noch mehr vorstellen.

Marion Lück, Bürgermeisterin

„Wir haben ja die notwendigen Testkapazitäten vor Ort“, sagt die Bürgermeisterin. „Und bei uns klappt das „Click & Meet“-Prinzip in den Geschäften sehr gut. Warum sollte es im Falle einer Inzidenz-Überschreitung dann nicht mit Test möglich sein.“ Lück betont indes auch: „Wir müssen natürlich immer die Krankenhäuser im Blick halten. Und selbstverständlich die Verfügungen, die von Bund und Ländern kommen.“ Sie und die Bürgermeister der übrigen Städte im Kreis könnten sich aber vorstellen, dass zum späteren Zeitpunkt, wenn sich die Infektionslage etwas entspannt hätte, dann auch mehr Öffnungen mit Unterstützung der Schnelltests möglich sein könnten. „Wir haben in Wermelskirchen einige Testzentren und sind da gut aufgestellt. Ich sehe das als große Chance, um in absehbarer Zeit und natürlich mit Blick auf die Infektionslage in unserer Stadt wieder mehr ermöglichen zu können.“

Christian Madsen, Geschäftsführer des Wermelskirchener Krankenhauses, kann bezüglich der Situation im Krankenhaus gerade indes keine wirkliche Entwarnung geben. „Es ist gerade ganz aktuell wieder etwas voller bei uns, auch auf der Intensivstation“, sagt Madsen. Wie schon im Dezember sei das „kein Grund zur Panik und für das Personal stemmbar, aber wir bemerken gerade, dass wir auch wieder mehr Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, zu behandeln haben.“ | Standpunkt

Notbremse

Aufgrund der landesweiten 7-Tages-Inzidenz von 121,6 (Stand: 26. März 2021) in Nordrhein-Westfalen greift seitdem auch in NRW die bundesweit vereinbarte Notbremse. Die neue Corona-Schutzverordnung verbindet Notbremse-Regelung mit einer Stärkung der Teststrategie. Zum Beispiel ist es für alle Bürger möglich, sich mindestens einmal pro Woche kostenlos auf das Virus testen zu lassen.

Standpunkt: Klare Strategien bitte

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Die Pandemie-Müdigkeit nimmt zu. Wo man auch hinhört: Durchhalteparolen helfen kaum noch. Die Menschen sind es leid, sich abzuschotten, soziale Kontakte drastisch zu beschränken, auf Sport und Kultur zu verzichten und Veranstaltungen abzublasen. Im besten Fall. Im schlechteren bangen sie um ihre Existenz, befürchten, ihre Selbstständigkeit aufgebe zu müssen oder haben ihre Arbeitsstelle bereits verloren. Was allen jetzt helfen würde, wäre eine klare Strategie. Eine Marschroute hinaus aus dieser scheinbar ausweglosen Situation, und vor allem: eine Perspektive. Stattdessen gibt es noch mehr Verwirrung. Nicht nur auf Bundes- und Landesebene, sondern jetzt auch im Rheinisch-Bergischen Kreis. Während der Landrat zunächst für eine strenge Notbremse im Falle einer mehrere Tage währenden Inzidenz von über 100 plädierte, haben die Bürgermeister andere Ideen. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar und richtig. Aber eine einheitlichere Kommunikation würde helfen, nicht noch mehr öffentliche Verwirrung zu stiften. Denn die ist ohnehin gerade zu groß.

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