Ist der Neubau für Wermelskirchen sinnvoll?

Politik will Planung der Sekundarschule stoppen

Derzeit findet an der Rot-Kreuz-Straße der Abriss der ehemaligen Realschule statt. Dort sollte dann der Sekundarschul-Neubau entstehen. Archivfoto: Doro Siewert
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Derzeit findet an der Rot-Kreuz-Straße der Abriss der ehemaligen Realschule statt. Dort sollte dann der Sekundarschul-Neubau entstehen. Archivfoto: Doro Siewert
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Bürgermeisterin Marion Lück hält ein vorläufiges Aussetzen für sinnvoll.

Wermelskirchen. Einen sofortigen Stopp der Planungen für den Sekundarschul-Neubau – das fordern sechs Ratsfraktionen für die Sitzung des Stadtrats am kommenden Montag. „Wir wollen damit aber keinesfalls sagen, dass wir die Sekundarschule als Schulform schon aufgegeben haben“, unterstreicht SPD-Fraktions- und Schulausschussvorsitzender Jochen Bilstein. Das komme im Antrag ein wenig missverständlich rüber und müsse vor Ort in der Sitzung noch anders formuliert werden. „Fest steht aber, dass wir jetzt prüfen müssen, welche Schulform für Wermelskirchen tatsächlich sinnvoll ist.“

Zuletzt waren die Anmeldezahlen an der 2015 an den Start gegangenen Sekundarschule deutlich zurückgegangen. Immer mehr Schüler wandern inzwischen zu weiterführenden Schulen in umliegenden Städten ab. Ein Effekt, dem Politik und Verwaltung mit dem Beschluss für die Sekundarschule im Jahr 2012 eigentlich gerade entgegenwirken wollten. Nun soll es einen neuen Schulentwicklungsplan geben, der auch den Bedarf der Familien mit einschließen soll. „Vor dem Ergebnis dieser Analysen und einer Elternbefragung sollten wir mit den teuren Planungsschritten für eine neue Schule keinesfalls weitermachen“, unterstreicht Jochen Bilstein. Denn jeder weitere Planungsschritt des beauftragten Architekturbüros koste auch weiteres Geld.

Ähnlich sieht das Michael Schneider (CDU): „Eine Entscheidung pro oder contra haben wir noch lange nicht getroffen. Jetzt geht es nur darum, die Planung zu stoppen.“

„Die Diskussion muss in jedem Fall weitergehen“, findet Marco Frommenkord (FDP). „Und wir müssen mit Bedacht die nächsten Schritte vornehmen.“

Alle sechs Fraktionen sind sich einig

Stefan Janosi (Grüne) fände einen Umbau im Bestand einer neuen Schule kritisch. „Wir müssen jetzt möglicherweise einen anderen Neubau planen, wen es denn gewünscht ist. Und deshalb ist es wichtig, dass wir die Planung erst einmal aussetzen.“

„Wir konnten jetzt nicht munter weiter eine fünfzügige Sekundarschule entwerfen lassen, deren Zahlen wahrscheinlich gar nicht mit denen übereinstimmen würden, die wir damals erwartet hatten“, betont Oliver Platt (BüFo). Darüber seien sich alle sechs Fraktionen auch völlig einig. „Wir stehen in engem Kontakt, und genau so werden wir auch akribisch und eng abgestimmt die nächsten Schritte angehen.“

Henning Rehse (WNK/UWG) denkt schon etwas weiter. „Viele Zeichen deuten ja jetzt schon auf eine Gesamtschule hin und meiner Ansicht nach wäre diese Lösung auch nicht schlecht“, sagt er. Seiner Meinung nach fehle der Sekundarschule zum einen die optimale Inklusionsmöglichkeit für Schüler mit Förderbedarf, zum anderen der „Zug nach oben“ für die gymnasiale Oberstufe.

Die Rot-Kreuz-Straße könnte unbedeutend werden

„Würden wir jetzt mit einer Oberstufe planen, müsste die ja mit der gymnasialen Oberstufe kooperieren“, denkt Rehse weiter. Er könne sich deshalb vorstellen, dass die Oberstufenschüler der Sekundarschule im Gebäude der ehemaligen Dörpfeldschule untergebracht werden könnten und die Schüler der Sekundarstufe 1 weiterhin am Weyersbusch. „Dort haben wir mit den Containern ja hochwertige Klassen- und Schulräume, die man durchaus auch weiter nutzen könne“, schlägt Rehse vor. Die Planung einer neuen Schule an der Rot-Kreuz-Straße wäre, würde diese Idee irgendwann eine Mehrheit finden, vom Tisch. Rehse: „Wichtig ist aber jetzt erst mal, dass wir nicht unnötiges Geld für weitere Schritte in die eine Richtung ausgeben. Das wäre Verschwendung.“

Bürgermeisterin Marion Lück begrüßt den Antrag der genannten Fraktionen ausdrücklich. „Ich halte das für eine gute Entscheidung, denn weiterzumachen wie bisher, das würde nur zu unnötigen Kosten führen.“ An der Rot-Kreuz-Straße müsse der Abriss wegen der Schadstoffe im Gebäude ohnehin erst abgewickelt werden. Das sei völlig unabhängig von einem eventuellen Neubau an diesem Standort.

Hintergrund

Fest steht jetzt schon: Es wird einen neuen Schulentwicklungsplan geben, um den Bedarf der Familien für eine neue Schule zu ermitteln. Nötig ist die neue Version vor allem, weil die Sekundarschule, so wie sie ursprünglich geplant war, in Wermelskirchen offenbar gescheitert ist. Waren es seinerzeit noch 17 Prozent von Schülern, die nicht mehr in Wermelskirchen zur weiterführenden Schule gehen, sind es jetzt 32.

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