Diskussion

Sekundarschule: Eltern sind verunsichert

Monika Chmielecki-Drechsel (links) und Sandra Hokkeler vor dem schuleigenen Spielplatz. Foto: Peter Klohs
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Monika Chmielecki-Drechsel (links) und Sandra Hokkeler vor dem schuleigenen Spielplatz.

Beim Tag der offenen Tür wurde viel diskutiert – die Verwaltung will sich ausführlich äußern.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Die Meinung von Sandra Hokkeler von der Elternpflegschaft zum Thema „Zukunft der Sekundarschule in Wermelskirchen“ ist klar: „Man sollte einen Neubau an der Rot-Kreuz-Straße errichten“, sagt sie. „Und bitte als Gesamtschule.“ Aber das ist nicht so einfach. Die Verwaltung wird sich dazu heute noch einmal ausführlicher äußern.

Beim Tag der offenen Tür am vergangenen Samstag ist das Thema „Zukunft der Schule“ allgegenwärtig. Eigentlich sollen Eltern und Kinder, die an einem Besuch der Schule interessiert sind, dieselbe kennenlernen und die ersten Kenntnisse sammeln, wie man sich in der auf verschiedene Gebäude aufgeteilten Schule bewegt, ohne sich zu verlaufen.

Aber wo man auch geht und steht: Das Thema „Zukunft der Schule“ überdeckt alles. Im Gespräch mit Sandra Hokkeler, der Lehrerin Monika Chmielecki-Drechsel und Viola Willinghöfer, Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom, das an der Sekundarschule lernt, wird schnell vertieft. „Mit der Gründung der Sekundarschule wurde uns von Seiten der Stadt Wermelskirchen alles versprochen. ‚Ihr bekommt dieses und das, und noch viel mehr’ hat es immer geheißen.“ Aber es habe immer Probleme gegeben.

Hokkeler: „Der erste Spatenstich des Neubaus war für den Herbst 2021 geplant“, fährt sie fort. „Aber passiert ist nichts.“ Die Schule und das Areal, auf dem die verschiedenen Gebäude stehen, ist für einen Ortsunkundigen zunächst einmal verwirrend verschachtelt. Viola Willinghöfer erläutert: . „Die Sekundarschule war von der Stadt vier- bis fünfzügig geplant. Durch verschiedene Gegebenheiten, die dazu führten, dass manche Gebäude der Schule schlicht unzumutbar sind, ist die Schule zur Zeit nur dreizügig. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass von Seiten der Stadt hier bisher nichts geschehen ist.“

Willinghöfer berichtet, dass die Baupläne für die Schule bei der Stadt hinterlegt seien. „Und in diesen findet man auch die Modulbauten wieder, die als Übergangslösung gedacht waren. Dort kann aus unserer Sicht aber niemand auf Dauer unbeschwert Unterricht geben oder lernen. Die Deckenhöhe ist viel zu niedrig, die Räume sind zu eng. Unter Umständen ist der Weg zur nächsten Toilette sehr lang. Und zum Sportunterricht fahren wir unsere Kinder nach Dabringhausen.“

Stimmung der Lehrkräfte ist nach wie vor gut

Dazu komme, ergänzt Monika Chmielecki-Drechsel, dass die in direkter Nachbarschaft stehende ehemalige Grundschule Ost nicht zu benutzen sei, weil in ihr Asbest verbaut sein soll. „Aber schauen Sie, wo unsere Kleinen spielen.“ Der schuleigene Spielplatz ist höchstens einen kleinen Steinwurf von der ehemaligen Grundschule entfernt. „Das alles ist nicht schön“, sagt Sandra Hokkeler, „und führt aus unserer Sicht letztendlich dazu, dass 32 Prozent unserer Schülergemeinschaft ‚auswandert’. Über ein Drittel unserer Schülerinnen und Schüler wechseln auf eine andere Schule. Das ist im Vergleich sehr, sehr viel. Wir erfahren zum ganzen Themenkomplex sehr wenig Unterstützung. Wahrscheinlich sind die Verantwortlichen der Meinung, dass wir nicht mehr genug Schüler haben.“

Aber das Kollegium resigniert nicht, weiß Chmielecki-Drechsler, Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Musik. Eine kleine Führung durch das Lehrerzimmer beweist das: Die Stimmung der anwesenden Lehrkräfte ist gut und humorvoll. „Wir Lehrkräfte stehen zu der Schule und zu den Kindern, die sie besuchen. Die Frage ist, wie steht die Stadt dazu? Wir jedenfalls haben noch keinen konkreten Plan vorgelegt bekommen.“ Sandra Hokkeler schließt: „Man denkt oft: ‚Es wird bald besser.’ Aber zwei, in diesem Jahr drei Jahrgänge gehen von der Schule ab – und nichts ist passiert.“ Sie wisse, wie der Eltern-Tenor zur Schule in Wermelskirchen sei: „Wir schicken unsere Kinder überall hin, nur nicht zur Sekundarschule.“

Die Verwaltung hat nach WGA-Informationen bereits mit den Eltern gesprochen und will sich heute zum neuen Standort der Gesamtschule äußern.

Hintergrund

Die Sekundarschule dürfte eine der wenigen Schulen sein, die einen extra ausgebildeten Begleithund vorweisen können. Im November hat Travis die Prüfung bestanden.

Für Schulanmeldungen kann man online einen Termin buchen. Zum Anmeldegespräch sollte man Stammbuch oder Geburtsurkunde, Zeugnis, Empfehlung der Grundschule, aktuelles Passbild des Kindes, den Impfpass oder Nachweis über ausreichenden Masernimpfschutz mitbringen.

www.sekundarschule-wermelskirchen.de

Standpunkt

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

In diesen Tagen wird vielerorts klar, wie wichtig der Dialog ist, wenn es zu Unstimmigkeiten kommt. Der Frust der Sekundarschul-Eltern ist nachvollziehbar. Hatten die meisten von ihnen jedoch noch vor einigen Jahren voll hinter der Schulform gestanden und sich für deren Entwicklung eingesetzt. Dann ging es über lange Zeit um den geplanten Neubau. Und mit der Zeit schwand dann das Interesse an der Schulform bei den Familien. Woran das liegt, darüber lässt sich nur spekulieren. Nun ist alles in der Schwebe, denn es zeichnet sich ab, dass aus der Sekundarschule in Zukunft eine Gesamtschule wird. Das hatte das Gros der Eltern auch gewollt. Nur über deren Standort sind sie mit Stadt und Politik nicht einig. Da hilft nur, sich auszutauschen und alle Argumente auf den Tisch zu legen. Dazu bietet die Verwaltung den Eltern und auch der Öffentlichkeit Gelegenheit. Wichtig ist jetzt, an einem Strang zu ziehen, die Gesamtschule als Chance zu sehen und deren Zukunft in Wermelskirchen nicht zu gefährden. Denn die Stadt braucht sie. Es kann aber nur funktionieren, wenn auch Kompromisse gemacht werden.

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