Die Natur bewusst wahrnehmen

Ricarda Greger möchte fürs Waldbaden werben

Ricarda Greger hat die Vorzüge des Waldes schätzen gelernt. Foto: Peter Klohs
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Ricarda Greger hat die Vorzüge des Waldes schätzen gelernt.

Ricarda Greger hat in der Vergangenheit viel Kraft aus der Natur gezogen

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Der Wanderparkplatz Neumühle, am nordöstlichsten Punkt der Großen Dhünn zwischen Wipperfürth und Bergisch Gladbach, jedoch auf Wermelskirchener Stadtgebiet gelegen, befindet sich inmitten eines großen Waldgebiets. Die L 409, eine beliebte Motorradstrecke, schneidet das Idyll, was hin und wieder deutlich zu hören ist.

Doch hier fühlt sich Ricarda Greger wohl; unweit vom Parkplatz wohnt sie, in der üppigen Natur rundum praktiziert sie das Waldbaden und lässt andere Menschen gerne an ihrem Wissen teilhaben. Bis es allerdings so weit war, hatte Ricarda Greger einen zuweilen sehr beschwerlichen Weg zu gehen.

Greger war in der Finanzbuchhaltung eines IT-Unternehmens beschäftigt und seit der Geburt ihrer zweiten Tochter im Jahr 2017 im Homeoffice tätig. Die junge Mutter wurde mit immer mehr Arbeit bedacht, bis der Punkt erreicht war, an dem diese Arbeit schlicht nicht mehr zu leisten war. „Die fehlende Wertschätzung hat mir sehr zu schaffen gemacht“, erzählt Greger, die auch auf steinigen Nebenwegen sehr gerne barfuß unterwegs ist. Die Folge war ein Burnout und die Trennung vom Unternehmen.

Durch die Corona-Pandemie das Leben umgestellt

Den Anfang der Corona-Pandemie hat die Familie Greger für sich dankbar aufgenommen und ihr Leben komplett umgestellt. „Ich habe unter anderem begonnen, mich mit Kräutern zu beschäftigen“, berichtet Greger, „und mit so einer einfachen Pflanze wie der Brennnessel angefangen.“ Das war der Anfang vom Unternehmen „AllerleiRau“, einem Lebenskonzept, das Nachhaltigkeit, Achtsamkeit, Gesundheit und Naturverbundenheit miteinander verbindet.

Workshops zum Selbstherstellen von Pflegemitteln, Betreuung von Menschen, die unter einem Burnout leiden und Waldbaden werden von „AllerleiRau“ angeboten. Wobei Ricarda Greger sich auf Mütter spezialisiert hat. „Weil viele Mütter oft in diesen verhängnisvollen Burnout rutschen, ohne es zu merken.“ Sie weiß, wovon sie spricht.

Das Waldbaden liegt ihr am Herzen. „Es geht darum, die Kunst zu erlernen, sich mit dem Wald auf allen Sinnesebenen zu verbinden“, erzählt Greger. „Das bedeutet fühlen, hören, riechen, betasten, schmecken. Sich ganz bewusst in den Wald zu setzen, Bäume ansehen, dem Alter der Bäume nachspüren, versuchen sich vorzustellen, was die großen, alten Bäume schon alles erlebt haben, die Beschaffenheit der Rinde ertasten, auf Tiergeräusche lauschen, auf das Vorbeieilen eines Bachlaufs, auf das Brummen einer vorbeitaumelnden Hummel, auf das Fuchsgebell – und irgendwann stellt sich die Frage: Wofür kann ich dankbar sein?“

Beim Waldbaden ist der Weg das Ziel

Greger sagt: „Man wird sich gerade beim bewussten Erleben des Waldes darüber klar, dass es eben nicht selbstverständlich ist, jeden Morgen gesund aufzuwachen, ein Dach über dem Kopf zu haben, mit Menschen zu leben, die man liebt.“ Einige Praktiken des Chigongs werden von Greger gerne in das Waldbaden integriert. „Dadurch wird alte Energie vom Körper abgegeben und neue Energie aufgenommen. Das funktioniert hauptsächlich über die Atmung.“

Natürlich ist ihr klar, dass es viele Menschen gibt, „die blind durch den Wald laufen, von A nach B, ohne auf den Weg zu achten. Da sind die Waldbadenden ganz anders: Der Weg ist das Ziel.“

Dabei werden die im Wald geltenden Regeln streng eingehalten: Man redet in angemessener Lautstärke und verlässt den Wald nach vier Stunden genau in dem Zustand, in dem er betreten wurde.

„Im Prinzip ist das Waldbaden auch im Winter möglich“, weiß Ricarda Greger. „Mit einer leichten Schneedecke ist das besonders toll. Auch leichter Regen ist gut. Dann sind besonders viel Anionen, negativ geladene Sauerstoffverbindungen, die das Atmen positiv beeinflussen, in der Luft.“

Apropos Winter: Dann muss die Waldbaderin natürlich schon aufpassen, dass sie sich mit ihren unbedeckten Füßen keine Erfrierung zuzieht. „Wenn es richtig kalt ist“, sagt sie, „dann ziehe ich auch Schuhe an.“ | 5tandpunkt

Termine

Durch die Starkregenfälle ist es rund um die Große Dhünntalsperre zu Überschwemmungen gekommen. Deshalb ist das Waldbaden mit Ricarda Greger zur Zeit nicht möglich ist. Auch an diesem Wochenende waren punktuell Starkregenereignisse möglich, weshalb die geplante Aktion abgesagt wurde. Die Wiederaufnahme des Waldbadens ist für den 21. August geplant.

Allerleirau-kraeuterwerkstatt.info

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Da mag manch einer ein Schmunzeln auf dem Gesicht haben, wenn er den Begriff „Waldbaden“ hört. Vor allem die vermeintlich harten Realisten tun solche Lebensphilosophien ja gern mit den Worten „Spinnerei“ ab. Aber bei näherem Hinsehen ist es das nicht. Nicht das Waldbaden und auch viele andere Dinge nicht, die mit Achtsamkeit und einem bewussten Umgang mit sich und der Natur zu tun haben. Längst ist wissenschaftlich erwiesen, das beispielsweise Meditation wirksam gegen Stress und diverse stressbedingte Erkrankungen hilft, nachweislich Puls und Blutdruck senkt und somit auch vielen Zivilisationskrankheiten vorbeugen kann. Das Waldbaden ist zwar keine Meditation im direkten Sinne, verleitet aber dazu, sich auf die Natur einzulassen und im Moment zu sein. Nicht daran zu denken, was morgen bei der Arbeit wichtig ist oder gestern in der Familie los war. Sondern einfach mal das Jetzt zu erleben. Vielleicht sollten es Skeptiker einfach mal ausprobieren, wenn es schon ein Angebot ganz in der Nähe gibt. Möglicherweise wächst durch das Erlebnis dann auch wieder der Respekt vor der Natur.

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