Abbrucharbeiten dauerten etwas länger als geplant

Realschul-Gebäude ist komplett abgerissen

Wo einst die Realschul-Gebäude standen, ist jetzt nur noch Brachland. Foto: Roland Keusch
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Wo einst die Realschul-Gebäude standen, ist jetzt nur noch Brachland.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Zu den Kosten kann die Stadt noch nichts sagen.

Wermelskirchen. Wo einst gelernt und getobt wurde, ist jetzt nur noch blanker Erdboden übrig geblieben. Das von der Stadt beauftragte Abrissunternehmen Lintkamp hat seine Arbeiten an der Rot-Kreuz-Straße abgeschlossen. Das berichtete Hartwig Schüngel vom städtischen Gebäudemanagement am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt und Bau.

Ursprünglich hatte die Stadt das Ende der Arbeiten für September vorgesehen. Rund sechs Wochen länger hätte es gedauert, weil es zu unerwarteten Funden kam, erläuterte Hartwig Schüngel: „Wir haben unterhalb der Bausubstanz einige bis zu 3,9 Meter starke und fünf Meter hohe Fundamente entdeckt.“ Das habe dazu geführt, dass eine viel größere Baugrube ausgehoben werden musste. Die Arbeiter hätten diese Fundamente erst gefunden, als die Bagger im Erdreich am Werke gewesen seien. Das Ausmaß der Steingebilde verdeutlichte Schüngel den Ausschussmitgliedern mit Fotos. „Wir können uns das nur so erklären, dass beim Bau der Realschule der Boden nicht tragfähig genug war und die Steine der Unterstützung dienten.“

Zudem mussten die Arbeiter einen schon bestehenden Mischwasserkanal umleiten. Der führte zu Realschul-Zeiten quer durch das Gelände an der Rot-Kreuz-Straße. Schüngel: „Für den Neubau der Sekundarschule sollte der Kanal an der Grundstützgrenze entlanglaufen, was wir jetzt geändert haben.“ Dass bisher nicht klar sei, ob der Neubau der Sekundarschule tatsächlich wie geplant entsteht, sei kein Problem. „Die jetzt geplante Führung des Mischwasserkanals ist auch für andere Bauweisen sinnvoll.“

Erst seit Dienstag liegt die Rechnung der Abrissfirma vor

Zu den entstandenen Kosten könne er derzeit noch nichts sagen, unterstrich Schüngel. Erst seit Dienstag läge die Rechnung des Abrissunternehmens der Stadtverwaltung vor. „Die füllt einen kompletten Ordner und wir müssen die Posten erst einmal prüfen.“ Er hoffe aber nicht, dass die Kosten den erwarteten Rahmen stark übersteigen würden.

Im Juni hatte das Gebäudemanagement zum letzten Mal den Ortspolitikern über den Stand der Dinge an der Rot-Kreuz-Straße berichtet. Die Anröchter Firma Lintkamp war seinerzeit über Monate täglich mit etwa zehn Mitarbeitern an der Rot-Kreuz-Straße beschäftigt.

Spektakulär, wie der Laie es sich bei einem Abriss vielleicht im ersten Moment vorstellt, wurde es an der alten Realschule aber eher nicht. Statt Sprengung oder spontanem Abbruch mit der Abrissbirne gingen die Arbeiter behutsam vor. Und das aus gutem Grund: Eine Sprengung wäre aufgrund der hohen Schadstoffbelastung gar nicht möglich gewesen. Zuerst hatten die Arbeiter die Schadstoffentfernung vorgenommen – sowohl beim Hauptgebäude als auch beim ehemaligen Pavillon.

500 Kubikmeter künstliche Mineralfaser, 50 Tonnen asbesthaltige Dämmmaterialien, neun Tonnen gebundener Asbest-Zement, 4,5 Tonnen PCB-haltige Abfälle, eine Tonne PAK-haltige Abfälle, 16 Tonnen Bitumengemische, 33 Tonnen Polystyrol und 25 Tonnen Altholz wollten erst einmal ordnungsgemäß entsorgt werden. Später ging es dann ans Trennen und recyceln der Materialien. „750 Tonnen Beton, 2250 Tonnen Bauschutt, 50 Tonnen Metall und 2,5 Tonnen Eisen und Stahl werden wir wiederverwenden lassen“, zählte Hartwig Schüngel damals auf. Zudem stehen aber auch einige Container parat, um Unrat zu sammeln. Schüngel: „Es blieben einige Holz- und Schuttreste übrig, die nicht wiederverwendbar sind.“ Da mussten die Arbeiter auch schon mal mit den Händen im Schutt wühlen, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Schüngel nutzte im Ausschuss die Gelegenheit, sich bei den direkten Anwohnern für ihre Geduld zu bedanken. „Es gab viel Lärm und Staub, das war sicher nicht angenehm. Dafür entschuldigen wir uns noch einmal bei den Anwohnern.“ | Standpunkt

Hintergrund

Ungewiss ist nach wie vor der Zukunft der Sekundarschule, deren Neubau eigentlich am Standort Rot-Kreuz-Straße entstehen sollte. Fest steht jetzt schon: Es wird einen neuen Schulentwicklungsplan geben, um den Bedarf der Familien zu ermitteln. Nötig ist das, weil die Sekundarschule, so wie sie geplant war, in Wermelskirchen offenbar gescheitert ist. Waren es seinerzeit noch 17 Prozent von Schülern, die nicht mehr in Wermelskirchen zur weiterführenden Schule gehen, sind es jetzt 32 Prozent. Das Ziel, die Zahl der Abwanderer zu minimieren, hat die Stadt nicht erreicht.

Standpunkt: Jetzt sind andere am Zug

anja.siebel @rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Das Gebäudemanagement der Stadt hat nicht nur seine Hausaufgaben – fast – im Zeitplan erledigt, sondern auch das von Politik und Verwaltung gesteckte Ziel erreicht, die Fläche an der Rot-Kreuz-Straße frei zu machen für einen Neubau. Damit ist dessen Aufgabe erst einmal erledigt. Am Zuge sind jetzt eher das Schulverwaltungsamt und die Stadtspitze. Denn schon länger zeichnet sich ab, dass ein Sekundarschul-Neubau, wie er ursprünglich am Standort geplant war, möglicherweise gar nicht mehr dem Bedarf der Familien in Wermelskirchen entspricht. Dafür gab es in der jüngsten Vergangenheit zu viele Abwanderungen von Schülern an weiterführende Schulen anderer Schulformen. Ende September gab es bereits eine Bedarfsumfrage der Stadt, die sich an Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter richtet. Deren Ergebnis ist noch offen. Es wird aber nun bald Zeit, sich zu äußern und Stellung zu beziehen, wie es weitergehen soll. Das ist vor allem für jene wichtig, die jetzt die Sekundarschule besuchen oder dort arbeiten. Die Zukunft der Schullandschaft in Wermelskirchen interessiert aber insgesamt wohl alle Bürger.

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