Sprachwissenschaft

Professor aus den USA forscht beim BGV

BGV-Vorsitzender Volker Ernst (li.) hilft Professor Björn Köhnlein bei dessen Recherchen im BGV-Archiv. Foto: Markus Schumacher
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BGV-Vorsitzender Volker Ernst (li.) hilft Professor Björn Köhnlein bei dessen Recherchen im BGV-Archiv.

Sprachwissenschaftler Björn Köhnlein untersucht die Entwicklung deutscher und niederländischer Dialekte.

Von Markus Schumacher

Wermelskirchen. Besuch aus den USA hat der Bergische Geschichtsverein (BGV), Abteilung Wermelskirchen: Professor Björn Köhnlein, Sprachwissenschaftler an der Ohio State University Associate, untersucht hier die Entwicklung deutscher und niederländischer Dialekte. Und dabei spielt Wermelskirchen eine wichtige Rolle.

Das liegt zum einen an Max Hasenclever: Der hat 1904 seine Inaugural-Dissertation mit dem Thema „Der Dialekt der Gemeinde Wermelskirchen“ vorgelegt, mit der er seinen Doktorgrad erlangt hat. Darin ist die Aussprache des hiesigen Dialekts umfassend untersucht und dokumentiert. „Das Buch taucht auch in den USA in der Literatur zur Sprachforschung immer wieder auf“, berichtet der Besucher. Und entstanden ist es in Zurmühle. Im BGV-Archiv befindet sich heute noch das Original. So kontaktierte der Professor vor ein paar Wochen den Verein.

Mitten durch Wermelskirchen verläuft auch die so genannte „Benrather Linie“, eine Sprachgrenze zwischen mitteldeutschen und niederdeutschen Mundarten. Einen niederländischen Einfluss gibt es auch noch. Und damit wird der hier gesprochene Dialekt auch für amerikanische Sprachforscher interessant.

Menschliche Sprache entwickelt sich, aber eben nicht beliebig.

Professor Björn Köhnlein

Professor Köhnlein gibt ein Beispiel: „Im Süden wurde aus dem „T“ ein „S“, im Norden ist es beim „T“ geblieben. Dazwischen liegt Wermelskirchen: Hier ist das „T“ nur nach langen Vokalen geblieben, bei kurzen Vokalen wurde es auch ein „S“. Beispiel „beißen“: In Wermelskirchen heißt es „bieten“, ähnlich dem englischen „bite“. Das könnte ein einzigartiger Beleg für die Änderungen vor 150 Jahren sein.“

Solche „Übergangsmundarten“ seien es, die den Sprachforschern weltweit am meisten erzählten. Volker Ernst erinnert daran, dass vor 15 Jahren schon einmal ein Sprachforscher aus den USA hier zu Besuch war.

Als wahren Schatz entpuppt sich für den Professor auch das handgeschriebene Mundart-Wörterbuch von Adolf Lenz, das dieser 1943 im Alter von 71 Jahren geschrieben hatte. „Es ist wichtig, dass es die Geschichtsvereine gibt, die solche Dokumente bewahren“, lobt Köhnlein.

Für den Sprachwissenschaftler hat der BGV ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Der heutige Samstag ist zum Beispiel vollständig für Gespräche und Aufnahmen mit Probanden reserviert. Mit einigen versierten Mundartsprechern, vor allem von den Mundartfreunden, vermittelt vom BGV, wird der Professor dann sprechen.

Er wird die Gespräche auch filmen. „Ich untersuche dann später am PC zum Beispiel die Sprachmelodie“, erklärt er, „und ich schaue mir unter anderem an, wie das E ausgesprochen wird: Weit vorne im Mund oder weiter hinten?“

Sein Thema ist die Entwicklung von deutschen und niederländischen Dialekten in den vergangenen 100 Jahren. Bis 1905 hatte sich der Wermelskirchener Max Hasenclever mit diesem Thema beschäftigt, „und das auch sehr akkurat, wie man heute weiß“, sagt Köhnlein. So musste er über kurz oder lang auf Wermelskirchen stoßen. Er selbst schaut sich nun die nächsten 116 Jahre Dialekt bis heute an.

Der Forscher erläutert: „Sprache entwickelt sich, aber eben nicht beliebig. Es gibt eine graduelle Entwicklung.“ Und die wolle er eben mit Wermelskirchener Hilfe herausarbeiten. Daraus lerne man, wie sich menschliche Sprache generell entwickeln könne. Das alles, auch den Wermelskirchen-Bezug, wird er in Aufsätzen in Fachzeitschriften veröffentlichen.

Geboren wurde Köhnlein 1977 in Darmstadt. Er studierte Sprachwissenschaften in Marburg, später für einige Jahre auch in den Niederlanden. 2011 schrieb er dort auch seine Doktorarbeit. Seit 2015 arbeitet er als Professor in Columbia.

Zurzeit hat er ein Forschungssemester eingelegt. Gut möglich, das ihn seine Forschung in ein paar Jahren wieder einmal nach Wermelskirchen führen wird. Dann vielleicht nicht mehr alleine: Er will nämlich bald heiraten.

BGV-Vortrag

Am Donnerstag, 18. November, 19 Uhr, wiederholt Frank Schopphoff seinen Vortrag über den „Freizeitpark Eifgen“ als Online-Veranstaltung. Vor mehr als 100 Jahren wurde dieser Park für die Wermelskirchener Bürger mit Sport- und Parkanlagen rund um das Haus Eifgen angelegt. Wer genau hinschaut, findet neben den bekannten Einrichtungen auch heute noch Relikte jener Zeit. Auch auf die Aktivitäten der IG Eifgen und die aktuellen Entwicklungen wird eingegangen. Anmeldung per E-Mail: info@bgv-wermelskirchen.de.

Standpunkt: Mut zur Planung

Kommentar von Markus Schumacher

markus.schumacher@rga.de

Kann man jetzt schon große Veranstaltungen für 2022 planen? Die Stadt Wermelskirchen tut es jedenfalls und ruft schon nach Helfern für die „Kinderstadt“, die im kommenden Jahr wieder veranstaltet werden soll. Doch wer kann den jetzt seriös vorhersagen, wie sich die weltweite Pandemie bis dahin entwickelt? Bislang sieht es ja nicht so aus, als gebe es schon bald wieder ein Leben wie vor Corona. Tatsächlich steigen die Inzidenzzahlen immer wieder mal leicht: im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Land NRW und auch bundesweit. Die Ursachen sind meist unbekannt. Immer noch drohe eine weitere Welle, sagen Experten. Und dann ist da noch die „normale“ Grippe, die in diesem Jahr auch schlimmer als sonst wüten soll. Anderseits muss natürlich jetzt schon geplant werden. Denn ein Spektakel mit mehr als 200 Kindern kann nun mal nicht von einem auf den anderen Tag auf die Beine gestellt werden. Auch genügend qualifizierte Helfer zu finden, ist kein Selbstläufer. Seien wir also optimistisch: Die „Kinderstadt 2022“ wird laut, bunt und fröhlich. Und Corona ist nur noch eine böse Erinnerung.

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