Erweiterungsbau bei der Sekundarschule

Politische Mehrheit stimmt für Gesamtschule

Die Sekundarschule in Wermelskirchen ist vom Tisch. Am Standort Wirtsmühler Straße soll ein Erweiterungsbau für eine Gesamtschule entstehen. Foto: Anja Carolina Siebel
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Die Sekundarschule in Wermelskirchen ist vom Tisch. Am Standort Wirtsmühler Straße soll ein Erweiterungsbau für eine Gesamtschule entstehen.

Im Schulausschuss hielt lediglich die CDU dagegen. Sie sieht noch Beratungsbedarf.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Zeichen in Wermelskirchen stehen auf Gesamtschule. Das ergibt sich aus dem empfehlenden Beschluss, der am Donnerstagabend im Schulausschuss fiel. Dort stimmten alle Fraktionen außer der CDU für den Neubau der Gesamtschule. Der soll ein Erweiterungsbau auf dem Gelände der jetzigen Sekundarschule an der Wirtsmühler Straße werden.

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Gesamtschule“, unterstrich Ausschussmitglied Mahmut Egilmez (CDU). „Aber wir kritisieren das Vorgehen der anderen Fraktionen.“ SPD, Grüne, FDP, das Bürgerforum und die Freien Wähler hatten sich im Vorfeld der entscheidenden Schulausschusssitzung für die Gesamtschule als neue Schulform ausgesprochen – während die CDU erklärt hatte, sich vorher noch mit den übrigen Schulleitungen und Vertretern der Wirtschaft austauschen zu wollen. „Insbesondere auch das Verhalten des Schulausschussvorsitzenden Jochen Bilstein ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Egilmez. Bilstein habe vor der Sitzung einen Katalog mit Fragen aller politischen Fraktionen an die Verwaltung gegeben, sich vorher aber schon klar für die Gesamtschule ausgesprochen. Egilmez: „Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Schneider hatte aber klar geäußert, einen Schulgipfel einberufen zu wollen, im Zuge dessen sich alle Beteiligten, unter anderem die Schulleitungen von Gymnasium und Berufskolleg, sich noch einmal hätten äußern können.“

Ausschussvorsitzender ließ eine Erklärung verlesen

Weil der derzeit an Covid-19 erkrankte Schulausschussvorsitzende an der Sitzung am Donnerstag nicht teilnehmen konnte, ließ er eine Erklärung von Ausschussmitglied Ralf Weber (SPD) in Vertretung verlesen: „Wir haben im vergangenen Jahr einstimmig entschieden, in Übereinstimmung mit der Schulleitung wie Elternvertretern, die Sekundarschule, die wir vor einigen Jahren mit großen Erwartungen hier in unserer Stadt gegründet hatten, auslaufen zu lassen und eine andere Schulform zu etablieren“, hieß es darin. „Dabei waren wir von dem Gedanken geleitet, zukünftig möglichst viele der Wermelskirchener Schülerinnen und Schüler wieder in unserer Stadt unterrichten zu können. Dazu benötigen wir eine Schule, die allen die Möglichkeit bietet, ihre Laufbahn nach ihren individuellen Fähigkeiten, ihren Begabungen und angestrebten Bildungszielen von der 5. bis zur 13. Klasse in derselben Schule zu beginnen und auch zu beenden. In dieser Schule soll keine Selektion bereits nach der 4. Klasse erfolgen müssen, soll es keine Abschulungen geben, sie soll inklusiv und integrativ sein. Sie soll den Kindern mit Hauptschulempfehlung ebenso offenstehen wie denen mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung. Die Schulform, die diese Voraussetzungen erfüllt, ist die Gesamtschule.“

Als „vorschnell“ bezeichnete auch CDU-Mitglied Thorsten Schmalt die Entscheidung für die Gesamtschule: „Die Schulleitungen der beiden anderen weiterführenden Schulen mit einer Sekundarstufe 2 haben uns mitgeteilt, dass niemand außer uns auf sie zugekommen sei. Wir sehen auch noch weiteren Beratungsbedarf und bitten deshalb um Aufschub.“ Dieser Bitte kamen die übrigen Fraktionen per Abstimmung allerdings nicht nach. Sie plädierten für eine schnelle Umsetzung des Beschlusses, der später im Stadtrat fallen soll.

Dr. Bernhard Meiski von der CDU konstatierte: „Die Sekundarschule wurde von den Familien in Wermelskirchen nicht angenommen; das gleiche Schicksal wird wohl die Gesamtschule ereilen, denn der Unterschied ist ja nur die Oberstufe, die die Gesamtschule vorhalten kann.“

Dem widersprach Pädagogin Ulrike Schorn-Kussy (Grüne) vehement: „Wenn wir in die umliegenden Städte schauen, sind die Gesamtschulen randvoll. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass die zwei Klassen mit Realschülern, die in die umliegenden Städte abwandern, nur dadurch zustande gekommen sind, weil sie an einer der Gesamtschulen nicht aufgenommen werden konnten.

Hintergrund

Konzept: Die Gesamtschule nimmt Schülerinnen und Schüler auf, die dort den Haupt-, den Realschulabschluss oder das Abitur machen können. So haben auch Spätentwickler eine Chance.

Zeitplan: Bis November 2022 kann Wermelskirchen in Düsseldorf einen Antrag stellen, um eine Gesamtschule genehmigt zu bekommen. Der Schulbeginn für die Klassen 5 könnte dann ab dem Schuljahr 2023/2024 sein.

Standpunkt: Mehrheit hat entschieden

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

In einer Demokratie wird demokratisch entschieden – so geschehen auch am Donnerstagabend in der Schulausschusssitzung. Die Mehrheit der Fraktionen hat sich für den Erweiterungsbau einer Gesamtschule in Wermelskirchen ausgesprochen. Und das sollte man akzeptieren. Der Wunsch nach weiterem Beratungsbedarf vonseiten der CDU ist deshalb eher unverständlich. Ebenso die Kritik an den übrigen Fraktionen und dem Schulausschussvorsitzenden Jochen Bilstein. Denn: Eine offene Diskussion während der Beratungszeit über die Schulentwicklung war bereits im Vorfeld von allen politisch Beteiligten als durchaus erwünscht deklariert worden. Und nichts anderes haben sie getan. Dass sich im Zuge dessen bereits eine deutliche Mehrheit für die Gesamtschule als neue Schulform gebildet hatte, ist dabei hinzunehmen. Die Wermelskirchener CDU, das hatte sich seit deren Klausurtagung Anfang Februar herauskristallisiert, scheint sich in ihren eigenen Reihen nicht einig zu sein über eine für die geeignete Schulform. Diese fraktions- und parteiinternen Unstimmigkeiten sollten aber nicht den übrigen Beteiligten angelastet werden.

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