Stadt plant einen integrativen Spielplatz

Nur acht Prozent der Spielplätze bundesweit bieten Spielerlebnisse für alle Kinder. Symbolfoto: Roland Keusch
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Nur acht Prozent der Spielplätze bundesweit bieten Spielerlebnisse für alle Kinder. (Symbolfoto)

Ein schon bestehender Spielplatz wird nun zu einem, auf dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam spielen können. Den Standort möchte die Stadt noch nicht verraten.

Von Anja Carolina Siebel und Theresa Demski

Wermelskirchen. Den Standort des neuen Integrativen Spielplatzes in Wermelskirchen möchte Stefan Görnert noch nicht verraten. „Aber wir haben ihn schon ausgewählt“, sagt der Erste städtische Beigeordnete. Damit stehe fest: Ein schon bestehender Spielplatz wird nun zu einem, auf dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam spielen können – ohne Hürden. „Wir haben erst einmal ein neues Spielgerät geplant“, sagt Görnert. Ansonsten solle der Platz aber so gestaltet werden, dass er sowohl für Kinder mit Handicap als aber auch für Senioren oder Begleitpersonen barrierefrei ist.

Die Idee, berichtet Stefan Görnert, sei bereits im Jahr 2019 geboren. „Mit dem Jugendamt haben wir schon damals zusammengesessen und Ideen für einen inklusiven Spielplatz in unserer Stadt gesammelt“, berichtet der Beigeordnete. Die Corona-Pandemie habe dann sozusagen dazwischen gegrätscht. Und das Ganze geriet erstmal in Vergessenheit. „Im Beirat für Menschen mit Behinderung flammte es dann wieder auf.“ Vorsitzende Petra Sprenger hatte bereits Kontakt zu einem Unternehmen aufgenommen, das entsprechende Spielflächen baut. „Wir hatten auch schon einen Referenten bei uns und wollen ihn auch nochmal einladen“, sagt Sprenger. „Er ist für das Unternehmen unterwegs und kann ganz gut vermitteln, was die inklusiven Spielplätze ausmacht.“ Balancegeräte, Spiele zur Förderung der Feinmotorik oder Trichtertelefone, die jenen, die es nicht bis oben aufs Klettergerüst schaffen, die Möglichkeit bieten, mit den Kletterern in Kontakt zu bleiben, sind nur wenige Beispiele.

Weil Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderung aber rechtlich keinen Antrag für die Gremien oder den Stadtrat stellen können, übernahmen das Michael Schneider (CDU) und Stefan Janosi (Grüne) für den Jugendhilfeausschuss. Sie schreiben darin: „In Wermelskirchen ist bisher kein Spielplatz inklusiv.“ Im Gegenteil müssten Eltern und Kinder häufig größere Hürden auf dem Weg zur Spielfläche überwinden. „Großeltern schaffen es mit einem Rollator gar nicht erst bis zur Spielfläche, Kinder mit Behinderung scheitern spätestens an der Schaukel“, meinen die Antragssteller. Deswegen werde es höchste Zeit für den ersten inklusiven Spielplatz in Wermelskirchen, erklären beide.

Wir gehen davon aus, dass es mehr integrative Spielfläche geben wird.

Petra Sprenger, Vorsitzende Behindertenbeirat

Den Weg zur Umsetzung des Projekts könnte eine Initiative der Aktion Mensch ebnen, in deren Rahmen seit vergangenem Jahr inklusive Spielplätze in Deutschland gebaut werden – eine Anlage in Köln-Porz ist das erste umgesetzte Projekt. „Es geht um eine 100 Prozent-Förderung“, erklärte Andreas Willinghöfer (Lebenshilfe) im Ausschuss. Allerdings ist die Stadt als Behörde nicht selbst berechtigt, einen Antrag bei der Aktion Mensch zu stellen – es braucht einen gemeinnützigen Projektpartner, der sich auch für den Spielplatz verantwortlich fühlt. Sowohl Willinghöfer als auch der Erste Beigeordneter Stefan Görnert haben deswegen bereits Kontakt mit der Lebenshilfe Bergisches Land aufgenommen. Der Geschäftsführer Axel Pulm habe die Lebenshilfe als Kooperationspartner angeboten, berichteten beide nach den Gesprächen. „Wir arbeiten an einem gemeinsamen Konzept“, erklärte Görnert.

Petra Sprenger ist erleichtert, dass der Weg für den ersten integrativen Spielplatz nun geebnet ist. Die Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderung hofft aber auf mehr: „Wir gehen davon aus, dass künftig mehr solcher integrativer Spielflächen gebaut werden. Nicht nur durch Umwidmung. Es sollte selbstverständlich sein, dass bei Neubauten von Spielplätzen darauf geachtet wird, dass die Plätze und zumindest einige Spielgeräte barrierefrei sind.“ Stefan Görnert macht Hoffnung: „Das sollte auf jeden Fall unser Ziel sein.“

Hintergrund

Laut Aktion Mensch bieten nur rund acht Prozent aller Spielplätze bundesweit Spielerlebnisse für alle Kinder. Gemeinsam mit Rewe und dem Unternehmen P&G hat die Aktion Mensch das Programm „Stück zum Glück“ ins Leben gerufen – und innerhalb von zwei Jahren eine Million Euro Spenden gesammelt. Insgesamt 27 inklusive Spielplätze wurden von der Initiative inzwischen umgesetzt. www.aktion-mensch.de

Standpunkt

Von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga-online.de

Eigentlich wurde es höchste Zeit dafür, dass Wermelskirchen einen inklusiven Spielplatz bekommt, auf dem behinderte und nicht behinderte Kinder barrierefrei zusammen spielen, auf dem sich aber auch Eltern und Großeltern wohlfühlen können. Leider gibt es bundesweit nur sehr wenige dieser Spielplätze, so dass Kinder mit Handicap auf den Spielflächen häufig das Nachsehen haben. In einer Zeit, in der Inklusion so viel diskutiert und vielfach auch schon umgesetzt wird, eigentlich undenkbar. Umso besser, dass es in Wermelskirchen jetzt erstmals einen solchen Spielplatz geben wird. Wenn es auch erstmal nur ein zusätzliches Spielgerät sei wird, aber es geht ja auch darum, den Boden ebener und die Fläche einfach begehbarer und bespielbarer zu machen. Und: Es könnte ein Projekt werden, das Schule macht. Nicht nur für andere Städte, die sich möglicherweise ein Beispiel nehmen, sondern auch erneut für Wermelskirchen. Stefan Görnert deutete es an: Es wäre wünschenswert, wenn künftig alle Spielplatzneubauten inklusiv und integrativ wären. Schlicht: gebaut für alle.

Momentan wird in Wermelskirchen der Jugendfreizeitpark in Zenshäuschen gebaut.

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