Unterstützung

Musikschule: Politiker sind sich uneinig

Celia Spielmann würde sich über mehr Unterstützung für die Musikschule freuen. Auch emotional.
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Celia Spielmann würde sich über mehr Unterstützung für die Musikschule freuen. Auch emotional.
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
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Leiterin ist enttäuscht von der Reaktion der Mandatsträger auf die finanziellen Schwierigkeiten.

Wermelskirchen. Die CDU-Fraktion will die Musikschule unterstützen. Das geht aus einem Antrag hervor, den die Wermelskirchener Unions-Fraktion für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 16. Mai gestellt hat. Demnach soll im städtischen Haushalt eine Einmalzahlung von 45 000 Euro eingestellt werden. Begründung: „Durch den intensiven Austausch mit der Leitung der Musikschule und der Vorlage von konkreten Zahlen ist ersichtlich geworden, dass der Musikschule für die Jahre 2021 und 2022 ein Defizit von rund 45 000 Euro entstehen wird. Diesen Verlust gilt es nunmehr einmalig auszugleichen und der Leitung der Musikschule Zeit zu geben, etwaige weitere Fördermittel, beziehungsweise entsprechendes Einsparpotenzial bis einschließlich des Jahres 2023 zu generieren.“

In der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 2. Mai hatte die CDU um Aufschub des Tagesordnungspunktes Musikschule gebeten. Und überhaupt scheint man sich uneins, wie mit der finanziell desaströsen Lage des Musikschul-Trägervereins umgegangen werden soll. Während SPD und Grüne zuvor beantragt hatten, den jährlichen städtischen Zuschuss wieder um 30 000 Euro zu erhöhen, hatten Bürgerforum (BüFo) und Freie Wähler vorgeschlagen, für 30 000 einen externen Finanzprüfer einzuschalten, der sich einen Überblick über die finanzielle Lage des Musikschulvereins machen solle.

Dass die Musikschule ein gutes Image hat, daran zweifle ich langsam.

Celia Spielmann. Leiterin

„Dabei“, sagt Anke Schopphoff als Vorsitzende des Trägervereins, „liegt der Stadt eigentlich immer eine genaue Auflistung unserer Finanzen vor.“ Über die 45 000 Euro, die die CDU zur Unterstützung vorschlägt, wäre sie sehr froh. „Es ist ein Zeichen, dass wir gehört werden.“

Anke Schopphoff hatte in den vergangenen Jahren mehrfach auf die schlechte finanzielle Situation der Wermelskirchener Musikschule aufmerksam gemacht. Bliebe es lediglich bei der derzeitigen Unterstützung, hatte sie gemahnt, werde es die Musikschule so, wie sie jetzt in Wermelskirchen existiere, in zwei Jahren nicht mehr geben. Politik und Verwaltung hatten indes immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Mehr als die derzeitige jährliche Unterstützung von insgesamt 156 000 Euro nicht drin sei.

Anke Schopphoff berichtet, dass der Musikschule jetzt „zum Glück“ eine Landesförderung von der Musikschuloffensive zugutekommen würde. „Dadurch können wir eine Zwölf-Stunden-Kraft einstellen.“ Allerdings sei diese Stelle auch begrenzt auf genau diese Förderung der Landesstelle.
Musikschulleiterin Celia Spielmann zeigt sich auf Nachfrage enttäuscht von der Reaktion der Wermelskirchener Politiker auf die finanziell schlechte Lage der seit 70 Jahren bestehenden Musikschule: „Als ich hier anfing, habe ich fest daran geglaubt, dass die Musikschule hier ein sehr gutes Image genießt. Daran zweifle ich so langsam“, sagt sie. Weitere Einsparungen seien ausschließlich im Personalbereich möglich: „Und da laufen wir schon am Limit.“

Den Vorschlag aus der Politik, Ehrenamtler einzustellen, halte sie für eine Farce: „Das geht vielleicht im Sport zu Teilen. Aber ich kann doch auch in der Schule keine Ehrenamtler einstellen, die Kindern das Lesen und Schreiben beibringen.“ Spielmann betont, dass das Aufgabenfeld der Musikschule komplex sei.

„Gerade weil wir häufig auch Frühförderung in Schulen und Kitas machen, um möglichst weitreichende Teilhabe zu ermöglichen.“ Auch Celia Spielmann würde sich über die von der CDU-Fraktion vorgeschlagene einmalige Summe freuen, wenn sie denn tatsächlich realisiert würde. „Es steht ja aber noch nicht fest, ob sich die Politiker darüber einig werden.“

Hintergrund

Seit 2020 weist der Trägerverein auf schlechte finanzielle Bedingungen hin, weswegen bereits vieles in der Musikschule hätte umstrukturiert werden müssen. Nun heißt es: „Mehr als zwei Jahre halten wir nicht mehr durch.“

www.musikschule-wermelskirchen.de

Standpunkt von Anja Carolina Siebel: Was denn nun?

anja.siebel@rga.de

Ehrenamtler als Musikschullehrer? 30.000 Euro für einen Finanzprüfer, der die Musikschul-Bücher auf Herz und Nieren kontrollieren soll? All das klingt nicht nach wirklichem Verständnis für die prekäre Lage der Wermelskirchener Musikschule. Es sind aber Vorschläge, die aus der Wermelskirchener Kommunalpolitik gekommen sind, nachdem es einen erneuten Hilferuf des Trägervereins gegeben hatte.

Die CDU macht nun immerhin den Vorschlag, 45 000 Euro einmalig an den Verein zu zahlen, um akut zu helfen. Aber am Ende muss man sich bei all den Anträgen und Vorschlägen schon fragen: Was denn nun? Die zentrale Frage muss aber lauten: Soll es die Musikschule, wie sie jetzt existiert, auch weiter geben? Lautet die Antwort ja, sollten sich alle einig darüber sein, wie und mit welcher konkreten Unterstützung man das erreichen will. Auf die derzeitige Art schafft man sich sicher nicht nur in den Reihen der Musikschule keine Freunde.

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