Schule

Luftfilter: Ein Erfolgsrezept gibt es nicht

In Klassenzimmern ist zurzeit Lüften das Mittel der Wahl. Spezielle Lüftungsanlagen sind aber im Gespräch. Symbolfoto: Christian Beier
+
In Klassenzimmern ist zurzeit Lüften das Mittel der Wahl. Spezielle Lüftungsanlagen sind aber im Gespräch. Symbolfoto: Christian Beier
  • Anja Carolina Siebel
    VonAnja Carolina Siebel
    schließen

Das Thema erhitzt nach wie vor die Gemüter.

Wermelskirchen. Dass ihre Schule zwei Luftfilteranlagen für Klassenzimmer bekommen soll, davon hat Marion Klein, Schulleiterin der Grundschule Am Haiderbach, aus der Zeitung erfahren. „So recht glauben, kann ich es noch nicht, aber wir würden uns natürlich freuen“, sagt sie verhalten optimistisch.

Wie die Verwaltung diese Woche mitteilte, soll die Grundschule die Geräte deshalb bekommen, weil es dort Räume gibt, die nur schlecht zu belüften sind, weil die Fenster nur gekippt und nicht komplett geöffnet werden können. Das Umweltbundesamt hatte das zur Bedingung gemacht, um Fördersummen für die recht teuren Filter verteilen zu können.

Wie berichtet, hatten die Wermelskirchener Grünen die Anfrage gestellt, dass die Stadt prüfen möge, ob die Luftfilter nicht flächendeckend an Schulen und Kitas eingesetzt werden können. Marion Klein befürwortet das. „Es ist kaum zumutbar, dass die Schüler im Unterricht mit Jacke oder teilweise sogar mit Wolldecke sitzen müssen, weil sie bei geöffnetem Fenster so frieren“, sagt sie. Hinzu komme die Unterrichtsunterbrechung durch die vorgeschriebenen Lüftungszeiten. „Die Kollegen müssen sich den Wecker stellen und alle 20 Minuten das Fenster für drei bis fünf Minuten öffnen. Das ist eine ständige Störung.“

Ortspolitiker sehen das Problem der Lautstärke auch

Christian Schuldt, Leiter der Sekundarschule, sieht das Thema differenzierter. „Grundsätzlich kommen wir mit dem Lüften gut zurecht, weil unsere Schüler ja auch schon älter sind, sie können das selbst übernehmen“, berichtet er. „Aber klar wären auch wir solchen Geräten nicht abgeneigt. Wir wissen nur viel zu wenig darüber. Zum Beispiel über die Lautstärke, die sie verursachen.“

Auch die Ortspolitiker weisen auf die mögliche Lärmbelästigung während des Unterrichts hin. „Das kann schon sehr störend sein“, sagt beispielsweise Jochen Bilstein (SPD), Vorsitzender des Schulausschusses). „Wir hatten ja auch vor einigen Wochen eine Anfrage gestellt, in der es aber eher um mobile Geräte ging. Deren Einsatz würde uns interessieren“, so Bilstein. „Panikmache“ sei an dieser Stelle indes nicht angesagt. „Mit Lüften kann man immer noch viel erreichen, zumindest, wenn die Räume dafür geeignet sind. Und das scheinen ja die meisten zu sein.“

Etwas schärfer drückt es Henning Rehse (WNK/UWG) aus. Er stellt sich klar auf die Seite der Verwaltung, die erklärt hatte, zunächst nur acht Luftfiltergeräte für Wermelskirchen anschaffen zu wollen, zwei für die Schule Am Haiderbach und sechs für städtische Kitas. Grund sei die Vorgabe des Umweltbundesamtes, das immer noch vorgibt, dass die Geräte nur mit Fördergeld bedacht werden, wenn die entsprechenden Räume schlecht belüftbar sind.

Lüftungsgeräte in Wermelskirchen sind nur ein Pflaster

„Treffender und passender zum Thema als mit dem Satz ,Operative Hektik ersetzt geistige Windstille‘ lässt sich der Aktionismus der Grünen nicht beschreiben“, sagt Rehse.

Der WNK/UWG-Fraktionsvorsitzende unterstütze ausdrücklich die Position der Verwaltung, „die auf den nachvollziehbaren Erkenntnissen des Umweltbundesamtes“ basiere. „In allen Räumlichkeiten, wo Stoßlüften möglich ist, hat es oberste Priorität. Nur in besagten acht Räumen der Kategorie 2 gibt der Einsatz von Luftfiltern bedingt Sinn: bedingt deshalb, weil die Kinder die Plätze regelmäßig in einem rollierenden System tauschen müssen, damit nicht immer dieselben Kinder im Strom belasteter Luft sitzen, die zum Gerät hingezogen wird.“

Auch Oliver Platt (BüFo) unterstützt die Ansicht der Verwaltung: „Man muss das ganzheitlich betrachten, und da stellt sich eben die Frage, ob die Luftfilter das Mittel der Wahl sein können. Wir haben mit den Kindern, die zum Großteil noch nicht geimpft sind, weil das ja zum Teil gar nicht möglich ist, das Problem, dass sie sich im Herbst und Winter bei Präsenzunterricht einer hohen Infektionsgefahr aussetzen werden. Da wären diese Geräte nur ein Pflaster, mit dem man zwar die Situation etwas abmildern, aber keine hinreichende Lösung schaffen könnte. Wichtiger ist es, dass auch die Kinder und Jugendlichen endlich ihre Impfung bekommen, um geschützt zu sein.“

Lüftungsgeräte

Das Umweltbundesamt empfiehlt die Lüftungsgeräte zurzeit nur für Räume der so genannten Kategorie 2, das heißt, jene, die nur schlecht belüftbar sind, weil Fenster nur gekippt werden können, sowie der Kategorie 3, jene, die gar nicht belüftbar sind.

Standpunkt: Nicht hinreichend geprüft

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Die Meinungen zu den Luftfilteranlagen in Klassenzimmern und Räumen von Kitas sind wie vielerorts auch in Wermelskirchen gespalten. Während einige die Vorteile sehen und die Schüler und Lehrer während des Unterrichts entlasten beziehungsweise unbedingt verhindern wollen, dass sie sich einer Infektionsgefahr wegen infektiöser Aerosole aussetzen, denken andere beispielsweise an Lärmbelästigung – und die Stadtverwaltung denkt verständlicherweise, auch ans Geld. Wie kann man denn nun zusammenkommen? Unverständlich ist diesbezüglich, warum Bund und Länder nicht viel früher die Möglichkeiten, die diese Luftfilter bieten, geprüft haben. Dazu hätten sie zum Beispiel in Klassenräumen getestet werden können. Vor dem Hintergrund der Frage: Welche eignen sich und welche nicht? Oder ist es wirklich so, dass Lüften die bessere Alternative ist? Fragen, die immer noch nicht hinreichend geklärt sind. Viele Lehrer wissen nicht einmal, ob die Geräte für ihre Räume in Frage kommen. Und wenn, ja, welche? Schade, dass ein weiterer Sommer ins Land zog, ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Medizinerin eröffnet neue Hautarztpraxis
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Veranstalter stehen weiter unter Druck
Maria in der Aue hat bewegende Historie
Maria in der Aue hat bewegende Historie
Maria in der Aue hat bewegende Historie
Stadt sucht Helfer für die Kinderstadt
Stadt sucht Helfer für die Kinderstadt
Stadt sucht Helfer für die Kinderstadt

Kommentare