Seit 2018 in Wermelskirchen

Kaffeerösterei trotzt der Pandemie

Tanja und Andreas Deus eröffneten im Sommer 2018 eine Kaffeerösterei an der Eich. Foto: Peter Klohs
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Tanja und Andreas Deus eröffneten im Sommer 2018 eine Kaffeerösterei an der Eich.

Tanja und Andreas Deus eröffneten die Kaffeerösterei „Kaffee-Teufel“.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Dieser Geruch ist einfach unglaublich! Bereits beim Eintreten in die Räume der privaten Kaffeerösterei Kaffee-Teufel an der Eich jubilieren die Rezeptoren in der Nase. Wie mag wohl der Kaffee schmecken, der solchen Duft verbreitet? Ich werde es herausfinden.

Die Kaffeerösterei von Tanja und Andreas Deus besteht seit dem Sommer 2018. „Wir sind leidenschaftliche Kaffeetrinker“, verrät Tanja Deus. „Aber unsere Mägen haben oft Probleme mit den ‚normalen‘ Kaffeesorten. Nachdem wir uns sehr intensiv mit dem komplexen Thema Kaffee auseinandergesetzt und alles zwischen dem Anbau, der Röstung und dem trinkfertigen Kaffee verinnerlicht hatten, war es für uns nur natürlich, eine eigene Kaffeerösterei zu eröffnen.“ Die lief auch sehr gut an. Dann kam der Frühling 2020 und mit ihm kam Corona. „Unser kleines Unternehmen hat sich verändert.“
In der Kaffeerösterei der Gepa entsteht fairer Kaffee

Das Ehepaar berichtet von Umbauarbeiten im Ladengeschäft, die dazu führten, dass das integrierte Café komplett abgebaut wurde. „Durch den freigewordenen Platz können aktuell vier Kunden gleichzeitig im Laden sein“, beschreibt Andreas Deus einen Vorteil der Maßnahme. Und Tanja Deus fügt hinzu, dass sie sich langsam an diesen Teilleerstand gewöhnen musste. „Es war schlimm, diesen toten Raum zu sehen.“

Der Tagesablauf des Paares hat sich in der Corona-Krise kaum verändert. Vom frühen Aufstehen („5.30 Uhr“), über das Reinigen des Rösters, das Abwiegen des Rohkaffees, das Rösten und dem Abpacken des Kaffees ist der Ablauf geblieben. „Wir haben 20 Außenstellen, die unseren Kaffee verkaufen“, berichtet Andreas Deus. „Und ich bringe unseren Kaffee auch gerne in diese Stellen, was zuweilen kuriose Auswüchse nach sich zieht. Es ist in der Corona-Krise schwieriger geworden, zu den Außenstellen zu kommen. Ich darf zwei Außenstellen, die vielleicht 20 Kilometer voneinander entfernt liegen, nicht unbedingt am gleichen Tag besuchen. Das kann nervig sein.“

Kunden aus Hamburg bestellen beim „Kaffee-Teufel“ in Wermelskirchen

Demgegenüber haben die beiden schnell zur Kenntnis genommen, dass der Kaffeekonsum während Corona zugenommen hat. „Wir beliefern auch diverse Unternehmen“, sagt Tanja Deus. „Dort ist der Konsum gesunken, während er im privaten Bereich stark angestiegen ist. Außerdem haben unsere Online-Verkäufe zugenommen. Es ist schon erstaunlich, dass sich Kunden aus der Hamburger Speicherstadt an uns wenden, einen kleinen Kaffeeröster im bergischen Wermelskirchen. Nicht, dass es uns nicht freuen würde.“

Ja, sagt Andreas Deus, der Kaffeepreis sei deutlich gestiegen in der letzten Zeit. „Mit erhöhten Preisen haben alle zu tun“, weiß er. „Das zieht sich durch die ganze Lieferkette. Wir beziehen unseren Kaffee von Kleinstbauern, das heißt: Wir sind kein Konzern, der mit ganz anderen Preisen kalkulieren kann.“ In den Ursprungsländern gebe es weniger Helfer bei Ernte und Verladung, bei der Verschiffung das Gleiche, selbst die Tüten, das Verpackungsmaterial, seien im Preis deutlich angezogen. „Wir haben nur einen Bruchteil unserer Mehrkosten an die Kunden weitergegeben, beobachten jedoch sehr wachsam die internationale Entwicklung der Preise. Wir gehen nicht auf Masse. Wir gehen auf Klasse.“

„Schließen Sie die Augen“, fordert mich Tanja Deus auf, „und stellen Sie sich Kuba vor.“ Ich gehorche und denke an Sonne, Strand, schöne Frauen und große Autos. Mittlerweile hat Tanja ein Behältnis mit geröstetem Kaffee direkt vor mir platziert und fächert mir daraus den Duft zu. Es gibt nicht viele Worte, diese Geruchsexplosion zu beschreiben: ‚Unfassbar’ trifft es vielleicht noch am ehesten. Wie mag wohl der dazugehörige Kaffee schmecken? Ich bekomme Gelegenheit, das zu überprüfen. Das Ergebnis ist: Stark. Intensiv, aber nicht säuerlich oder bitter, eher ein Hauch von Schokolade im Nachgeschmack. Einen besser schmeckenden Kaffee habe ich noch nicht getrunken: ein beinahe andächtiges Erlebnis. Tanja Deus: „Wir haben den schönsten Job der Welt.“ | Standpunkt

Das ist der „Kaffee-Teufel“

Tanja Deus stammt aus Hückeswagen und war dort lange Jahre Assistentin der Geschäftsführung eines Unternehmens. Ehemann Andreas ist 1969 in Wuppertal geboren und war leitender Angestellter bei Hoch-Tief. Woher kommt der Name „Kaffee-Teufel“? „Da sitzt er“, sagt Andreas Deus, weist auf seine Frau und lacht. „Deus heißt ja Gott, aber Kaffee-Gott wollten wir uns denn doch nicht nennen“, fügt Tanja Deus hinzu. „Und so hat der Teufel in unserem Logo zwar zwei angedeutete Hörner, aber auch Flügel und einen Heiligenschein.“

Kaffee-teufel.de

Standpunkt: Ein mutiger Schritt

Kommentar von Susanne Koch

susanne.koch@rga.de

Als Tanja und Andreas Deus ihre Kaffeerösterei „Kaffee-Teufel“ im Sommer 2018 mit angeschlossenem kleinen Café an der Eich eröffneten, war die Welt noch in Ordnung. Im Frühjahr 2020 brach das Corona-Virus auch in das kleine Unternehmen herein und die Welt veränderte sich. Doch das Ehepaar gab nicht auf, sondern veränderte sein Geschäft so, dass die beiden es auch unter Corona-Bedingungen weiterfortführen konnten. Getrennt haben sie sich vom Café, das in den Laden integriert war. Geblieben ist ihnen die private Kaffeerösterei. Und die wird wohl auch unter Corona-Bedingungen sehr gut angenommen. Sogar aus Hamburgs Speicherstadt gibt es Kunden, die in Wermelskirchen ihren Kaffee bestellen. Neben der Corona-Pandemie haben die Deus jetzt auch noch mit etwas anderem zu kämpfen – die Preise steigen: die Kaffee-Preise, die Energie-Preise, die Preise der Verpackungen und und und. Bisher haben die beiden nur einen kleinen Teil an ihre Kunden weitergegeben. Ich wünsche dem Ehepaar, dass die Kaffeerösterei weiter besteht und dass es seinen magenschonenden, selbst gerösteten Kaffee weiterverkaufen kann.

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