Ruhestand

Jürgen Scholz: Seine „große Liebe“ war die Schularbeit

Jürgen Scholz geht nach 44 Jahren Anfang Oktober in den Ruhestand. Foto: Doro Siewert
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Jürgen Scholz geht nach 44 Jahren Anfang Oktober in den Ruhestand.

Jürgen Scholz wechselt nach 44 Berufsjahren bei der Stadt Wermelskirchen in den Ruhestand.

Von Anja Carolina Siebel

Wie das „Danach“ aussehen wird, das weiß Jürgen Scholz heute noch nicht. „Ich bin ja noch mitten drin“, sagt der 63-jährige Wermelskirchener. Aber nicht mehr lange wird er im Amt des Haupt- und Personalamtsleiters sein. Einen Tag Büro noch, eine Ratssitzung, aufräumen und den Ausstand geben. Und dann ist für den Wermelskirchener „Innenminister“, wie ihn Alt-Bürgermeister Heinz Voetmann einmal getauft hatte, Schluss mit der Arbeit. Er wechselt nach 44 Berufsjahren in den Ruhestand.

„Genauer in die passive Altersteilzeit“, erklärt Scholz in seiner gewohnt korrekten Art. Geplant hat er noch nichts Genaues für die nächste Zeit. „Erstmal auf mich zukommen lassen“, lautet seine Devise. Er freut sich aber auf einen Urlaub in Südtirol mit seiner Partnerin. Bei dieser Reise wird er einem alten Wermelskirchener Weggefährten wieder begegnen, der dort zur gleichen Zeit seinen Urlaub verbringt: Herbert Schiffmann, einst Leiter der Schwanenschule, zuletzt Schulamtsdirektor beim Rheinisch-Bergischen Kreis. „Auf dieses Treffen freue ich mich sehr“, sagt Jürgen Scholz. Der sich mit etwas Wehmut erinnert: „Die Arbeit im Schulverwaltungs- und Sportamt, die ich Mitte der 1980er Jahre übernahm, das war für mich die große Liebe.“

Jürgen Scholz begann 1977 bei der Stadt zu arbeiten. Damals noch im alten Rathaus. Ehrenamtlicher Bürgermeister war zu dieser Zeit noch Heinz Voetmann. Begonnen hat er als Sachbearbeiter bei der Kämmerei, wechselte dann schnell zum Standesamt und wurde Amtsleiter. Bis er ins damalige Schulverwaltungsamt wechselte. „Das war mein Ding. Die Arbeit mit und für Schule hat mir gefallen. Zu einigen ehemaligen Schulleitern habe ich bis heute Kontakt. Da war immer ein großes Vertrauensverhältnis. Eine wunderbare Arbeit.“

Als das Amt Anfang der 2000er Jahre umstrukturiert wurde, wechselte er indes. „Der damalige Bürgermeister Eric Weik wollte mich zum Hauptamtsleiter machen. Eigentlich war mir das zu trocken.“ Als Weik ihm aber versprochen habe, das Amt völlig neu zu gestalten, griff er zu. Und habe es bis heute nicht bereut, wie er versichert.

„Meine Arbeit hat mir auch in schwierigen Zeiten meines Lebens Halt gegeben.“

Jürgen Scholz

Zwei Jahre, nachdem ihm der damalige Bürgermeister die Leitung des Hauptamtes übertragen hatte, kam das Personalamt hinzu. „Und da erwarteten mich dann auch wieder viele Schulaufgaben“, erinnert sich der Mann, der in Buchholzen aufwuchs und bis heute dort lebt, gern. Den Aufbau der Waldschule, die Entwicklung der Sekundarschule, die PCB-Debatte an der Realschule – all das hat Scholz mit begleitet. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er.

Jürgen Scholz ist kein Mann der großen Worte. Aber es ist ihm anzumerken, dass ihm der Abschied aus dem Rathaus alles andere als leicht fällt. „Ich habe meine Arbeit immer gern gemacht“, sagt er aus tiefer Überzeugung. „Und sie hat mir auch in schwierigen Zeiten Kraft und Halt gegeben.“ Deshalb, das gibt der „Innenminister“ des Rathauses gern zu, gehe er auch mit mehr als einem weinenden Auge. Verändert habe sich im Laufe der 44 Jahre, die er für die Stadtverwaltung arbeitete, vieles. „Eigentlich alles“, sinniert Scholz. „Ich habe ja angefangen, als noch gar nicht digital gearbeitet wurde. Das allein ist ja schon ein Unterschied zu heute.“

Mit sechs Bürgermeistern sowie der ehrenamtlichen Interimsbürgermeisterin Helga Loepp hat er zusammengearbeitet. „Mit manchen verstand man sich mehr, mit anderen weniger“, bleibt er diplomatisch. „Aber der Zusammenhalt unter den Kollegen, der war immer da.“ Und sein Wunsch sei es, dass das auch in Zukunft so bleibe.

Stellenausschreibung

Eine Stellenausschreibung, wonach die Position in der Verwaltungsspitze zum 1. Oktober dieses Jahres zu besetzen ist, hat die Verwaltung seit einigen Wochen schon auf ihrer Homepage veröffentlicht. „Für die Leitung des Haupt- und Personalamtes suchen wir eine erfahrene und verantwortungsbewusste Führungspersönlichkeit, die uns auf dem Weg zur modernen, serviceorientierten und bürgernahen Verwaltung mit fachlicher Kompetenz und Engagement unterstützen möchte.“

www.wermelskirchen.de

Standpunkt: Große Fußstapfen

anja.siebel @rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Jürgen Scholz hat eine seltene Karriere bei der Stadt Wermelskirchen hingelegt. 44 Jahre war der gebürtige Wermelskirchener dort beschäftigt. Eine lange Zeit, die heute kaum noch jemand in ein und demselben Betrieb verbringt. Scholz gibt zu, dass er seine Arbeit geliebt und gelebt hat. Auch das ist in einer Gesellschaft, in der die „Work-Life-Balance“ in aller Munde ist und viele Menschen während ihrer Arbeitszeit eher den Wochenenden und den nächsten Ferien entgegenfiebern, als sich motiviert in die Arbeit zu stürzen, selten geworden. All das macht Jürgen Scholz zu etwas wie einem sympathischen Exoten. All das zeigt auch, dass sein Nachfolger in große Fußstapfen treten wird. Und dabei geht es nicht nur um die fachliche Seite. Was das angeht, gibt es schon eine lange Liste an Anforderungen, die der oder die Neue im Haupt- und Personalamt des Rathauses erfüllen muss. Es geht auch um die Menschlichkeit, die Jürgen Scholz verbreitet hat. Das war ihm immer wichtig, das Miteinander unter den Kollegen im Rathaus. „Wir werden ihn vermissen“, sagt auch die Bürgermeisterin. Und sie wird nicht die Einzige sein.

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