Impfärzte leisten gesellschaftlichen Beitrag

Impfmobil des Kreises wird gut angenommen

Dr. Kaschoz Fariq-Spiegel impft Jill Carsen im Impfmobil am Rathausvorplatz. Foto: Anja Carolina Siebel
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Dr. Kaschoz Fariq-Spiegel impft Jill Carsen im Impfmobil am Rathausvorplatz.
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Eine Ärztin und zwei Feuerwehrmänner waren am Rathaus im Einsatz.

Von Anja Carolina Siebel

Es ist Mittwoch, gegen 14 Uhr am Rathaus. Ärztin Dr. Kaschoz Fariq-Spiegel klärt gerade Jill Carsen über ihre Impfung mit dem Serum von Biontech-Pfizer auf. Die junge Mutter hatte sich spontan entschieden, sich an diesem Tag gegen das Coronavirus impfen zu lassen. „Ich habe bis vor kurzem gestillt, da war ich mir noch unischer. Jetzt wollte ich das aber unbedingt machen.“ Der Piks, den die Ärztin Jill Carsen im Impfmobil verpasst, ist unspektakulär und nicht schmerzhaft. In drei Wochen darf sie sich ihre Zweitimpfung verabreichen lassen. Entweder im Impfzentrum, beim Haus- oder Facharzt – oder wieder im Impfmobil. „Falls wir wieder vor Ort sind, derzeit stehen die Termine noch nicht genau fest“, sagt Dr. Fariq-Spiegel.

Das Impfmobil des Rheinisch-Bergischen Kreises tourt derzeit durch die bergischen Städte. Am Dienstag machte es in Kürten-Dürscheid Halt, heute ist es in Odenthal zu Gast. Das Impfmobil ist ein Rettungswagen der Feuerwehr Bergisch Gladbach. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Felix Hübel von der Feuerwehr der Kreishauptstadt.

In Wermelskirchen hatten nach zwei Stunden schon 20 Leute das Impf-Angebot angenommen.

Zusammen mit Hans-Walter Franken (Feuerwehr Bensberg), der das Impfmobil fährt, und anderen Kollegen ist Felix Hübel im ehrenamtlichen Einsatz unterwegs. „Für mich ist das Ehrensache“, sagt der junge Feuerwehrmann. „Mein Vater ist Mediziner und erzählt mir oft, wie schwer die Menschen teilweise an Covid-19 erkranken. Ich bin selber schon zwei Mal geimpft und wünsche mir, dass so viele Menschen wie möglich sich auch davon überzeugen lassen.“

50 Impfwillige kamen nach Kürten, in Wermelskirchen hatten nach zwei Stunden schon 20 das Angebot angenommen.

Auch für Hans-Werner Franken ist das Impfen mehr als persönlicher Gesundheitsschutz, nämlich auch eine Frage der Solidarität. „Gerade jetzt, wo die Zahlen wieder Fahrt aufnehmen und wir mit dem Hochwasser eine neue Katastrophe erleben mussten, ist Impfschutz umso wichtiger“, sagt er. Er glaube, dass durch die persönliche Nähe bei den vielen Hilfsaktionen gegen das Hochwasser die Infektionsgefahr noch einmal höher sei.

Ärztin kennt Risiken einer Corona-Erkrankung

Auch Dr. Kaschoz Fariq-Spiegel ist es wichtig, mit dem Einsatz als Impfärztin im Impfzentrum Bergisch Gladbach und jetzt im Impfmobil einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. „Ich bin zurzeit in Elternzeit und arbeite ansonsten als Ärztin im Krankenhaus“, berichtet sie. Als solche habe sie schon viele Schicksale gesehen – auch solche von Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren. „Die Erkrankung ist einfach tückisch, weil sie jeden treffen kann“, sagt die Medizinerin.

„Manchmal sind es junge Menschen, die von einer Vorerkrankung vielleicht nicht wussten, weil sie lange nicht beim Arzt waren. Und die liegen dann plötzlich auf der Intensivstation oder versterben.“ Auch die Folgen von Long-Covid als Komplikation einer Infektion mit dem Virus seien nicht zu unterschätzen. „Das sind fitte Leute, die dann auf nicht absehbare Zeit keine Treppen mehr steigen können oder dauermüde sind.“

Als Ärztin hat sie kaum Verständnis für jene, die sich gegen eine Impfung aussprechen. „Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie solidarisch er ist und ob er mit der Entscheidung nachts noch ruhig schlafen kann. Natürlich sind die Impfstoffe noch nicht bewährt und lange Jahre auf dem Markt. Aber wir wissen, dass sie wirksam gegen die Krankheit helfen, die uns wirklich derzeit Probleme bereitet.“

Das dezentrale Impfangebot wird in Kooperation mit der Stadt Bergisch Gladbach durchgeführt, die ihre Feuerwehr mit der Organisation betraut hat. Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren können sich dort impfen lassen. Kinder werden grundsätzlich nicht geimpft. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Termine

Am Donnerstag, 22. Juli, steht das Impfmobil in Odenthal, Penny Markt, In der Hofer Aue; am Freitag, 23. Juli, in Rösrath, Edeka Breidohr, Hauptstraße 104; und am Samstag, 24. Juli, in Overath, Hagebaumarkt Quintus, Probsteistraße 18. Geplant ist zudem ein Impfangebot in Leichlingen, das sich wegen der Unwetterlage noch in Klärung befindet. In den mobilen Impfzentren werden die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna verimpft.

Standpunkt: Jetzt kommt es drauf an

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Natürlich ist es jedem selbst überlassen, sich impfen zu lassen oder eben nicht. Und das sollte auch eine individuelle Entscheidung bleiben. Allerdings sollte sich jeder, der noch mit sich hadert, ob er sich gegen das Coronavirus immunisieren lassen soll oder nicht, auch im Klaren darüber sein, dass es nicht nur eine individuelle Entscheidung mit Konsequenzen für den Einzelnen, sondern auch eine für das Wohl der Gemeinschaft ist. Denn gerade derzeit geht es darum, eine breite Immunisierung zu erwirken. Die Delta-Variante des Corona breitet sich auch in Deutschland spürbar aus. Die Nachbarstadt Solingen hat etwa nach dem Landkreis Birkenfeld in Rheinland Pfalz die zweithöchste Inzidenz bundesweit. Nach einer Feier zur Fußballeuropameisterschaft hatte es ein größeres Ausbruchsgeschehen gegeben. Das wird sicher nicht das einzige bleiben. Umso wichtiger ist es, dass auch jene, die zurzeit noch unschlüssig sind, sich jetzt impfen lassen. Je flächendeckender es Impfschutz gibt desto weniger Krankenhausaufenthalte wird es vor allem zum Herbst geben. Und entsprechend weniger Einschränkungen für alle.

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