Coronavirus

Impfen: Hausarztpraxen schaffen das Pensum

Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer sagt: „Die Verantwortung fürs Impfen liegt bei den Hausärzten“. Archivfoto: Doro Siewert
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Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer sagt: „Die Verantwortung fürs Impfen liegt bei den Hausärzten“.

Drittimpfungen bei über 70-Jährigen sind in vollem Gange. Die Rückkehr der Impfzentren ist laut Hausärzten nicht nötig.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Dr. Heribert Wiemer hatte am Mittwoch einen vollen Tag. 130 Menschen ab 70 Jahren kamen in die Praxis des Kreis-Sprechers der Kassenärzte, um sich ihre dritte Impfung gegen das Coronavirus abzuholen. „Deshalb haben wir die Praxis an diesem Tag für den Normalbetrieb geschlossen und uns ausschließlich auf die Impfungen konzentriert“, berichtet der Mediziner.

Die Hausärzte im Kreis, das betont Wiemer auf Nachfrage, könnten das Pensum aber gut schaffen. Eine Wiedereröffnung der Impfzentren, wie es beispielsweise der noch amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jüngst vorgeschlagen hatte, halte er nicht für notwendig.

„Der organisatorische Aufwand wäre auch viel zu hoch“, ergänzt Dr. Hans-Christian Meyer, leitender Impfarzt im Nordkreis und Hausarzt in Wermelskirchen. „Ich hielte das für Aktionismus, wenn man das ernsthaft in Erwägung ziehen würde. Wir Hausärzte können das nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission stemmen.“

Zurzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Dritt- oder so genannte Booster-Impfung für Personen über 70 Jahre. „Die gesunden jüngeren Menschen dürften nach zwei Impfungen mit einem der in Deutschland verwendeten Impfstoffe noch ausreichend Antikörper haben“, sagt Meyer. Selbst wenn ein Antikörper-Schnelltest, der inzwischen frei verkäuflich ist, eine geringe oder keine Anzahl an Antikörpern anzeige, bedeute das nicht, dass die Testperson nicht noch ausreichend davon im Blut habe: „Es gibt viele verschiedene Antikörper gegen das Virus. Einige werden durch die Tests angezeigt, andere wiederum nicht.“

Auch Birgit Bär, Sprecherin des Corona-Krisenstabes im Kreis, hält eine Wiederöffnung des Impfzentrums derzeit für „völlig abwegig“. Und weiter: „Wir haben unser Impfzentrum auf Anweisung des Landesministeriums für Gesundheit am 30. September geschlossen und das ist unsere Maßgabe zurzeit“, sagt Bär auf Nachfrage. „Erste Anlaufstelle für Impfwillige sind zurzeit die Hausärzte.“ Angeboten vom Kreis werde aber derzeit das mobile Impfen. Vor allem für jene, die keinen Hausarzt haben – oder sich spontan dazu entschließen.

In Wermelskirchen steht das Impfmobil am Rathaus

Das mobile Impfen in den Kommunen des Kreises findet an geänderten Standorten statt. Bürgerinnen und Bürger können sich beispielsweise mittwochs in der Zeit von 14 bis 18 Uhr im Foyer des Bürgerzentrums oder montags, von 14 bis 18 Uhr im Jugendzentrum Megafon in Burscheid impfen lassen.

Die mobilen Impfungen seien ein niederschwelliges Angebot, das die Impfangebote der niedergelassenen Ärzte lediglich ergänzen solle. Die so genannten Auffrischungsimpfungen sind zurzeit nur für bestimmte Personengruppen vorgesehen. Darunter fallen unter anderem Personen in Pflegeeinrichtungen oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Außerdem erhalten Personen mit Immunschwäche und Pflegebedürftige, die zu Hause versorgt werden, eine Auffrischungsimpfung.

Nach Empfehlung der Stiko können sich auch über 70-Jährige ein drittes Mal impfen lassen, wenn die zweite Impfung bereits sechs Monate zurückliegt. Die Auffrischungsimpfungen bei Menschen ab 70 Jahren erfolgen generell über die ambulanten Arztpraxen. Personen, die bisher vollständig mit den Impfstoffen Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft worden sind, können unabhängig vom Alter eine Auffrischungsimpfung bekommen. Auch hier muss die zweite Impfung aber ein halbes Jahr zurückliegen. Die Auffrischungsimpfungen erfolgen immer mit einem mRNA-Impfstoff – zum Beispiel mit dem von Biontech.

Weitere Informationen und die aktuellen Termine und Standorte finden Interessierte auf der Webseite des Rheinisch-Bergischen Kreises.

https://www.rbk-direkt.de/impfung-covid-19.aspx

Krankenhaus: Team bleibt gelassen

Im Krankenhaus bereitet man sich gelassen, aber konzentriert auf die Herbst- und Wintermonate vor. „Wir sehen jetzt schon, dass die verbreiteten Impfungen eine Menge gebracht haben und gehen nicht davon aus, dass wir in diesem Winter eine annähernd hohe Anzahl an Coronapatienten sehen werden wie im vergangenen“,sagt der Ärztliche Direktor Dr. Volker Launhardt. Gleichwohl sei man gut aufgestellt, um steigende Zahlen an Corona-Patienten behandeln zu können. „Wir sind zuversichtlich“, sagt Launhardt.

Standpunkt: Nicht nur jeder für sich

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Nennen wir es doch, wie wir es wollen: vierte Welle oder ein stetiges Ansteigen der Corona-Infektionszahlen. Fakt ist: Die Pandemie hat uns noch im Griff. Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Menschen sich auch weiterhin für eine Impfung entscheiden. Das Paradoxon: Während viele bereits beim Hausarzt nach der dritten Impfung fragen, sind andere immer noch ungeimpft und wollen das auch bleiben. Sicher ist das zum einen ihr gutes Recht, denn eine Impfung tangiert immerhin den eigenen Körper, die eigene Gesundheit. So weit, so nachvollziehbar. Nun ist es bei einer Pandemie aber nun mal so, dass alle in einem Boot sitzen. Und die Maßgabe sollte heißen: so wenig Infektionen und damit so wenig Risiko für alle wie eben möglich. Das ist aber nur mit flächendeckenden Impfungen zu schaffen. Sicher können sich auch Geimpfte mit dem Virus anstecken und es letztlich auch an andere weitergeben. Die Wahrscheinlichkeit ist aber wesentlich geringer. Somit bedeutet eine Impfung nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die anderen im Pandemie-Boot. Und die sollte man übernehmen.

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