Corona

Hausärzte: Wir sind schneller beim Impfen

Würde sich wie viele seiner Kollegen mehr Tempo beim Impfen wünschen: Mediziner Tobias Hopff. Foto: Anja Carolina Siebel
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Würde sich wie viele seiner Kollegen mehr Tempo beim Impfen wünschen: Mediziner Tobias Hopff.
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Mediziner fragen sich, warum die Impfstoffe nicht bald komplett in die Praxen kommen

Wermelskirchen. Wenn er die Wahl hätte, dann würde er „von morgens bis abends impfen“, sagt Dr. Heinrich-Otto Wiemer. Der Odenthaler Hausarzt und Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rhein-Berg macht keinen Hehl daraus, dass er sauer ist. Sauer auf die Impfpolitik, sauer auf die zögerliche Lieferung von Impfdosen. „Wir können nie sicher sein, wie viel wir in einer Woche bekommen, wenn wir auch eine uns zustehende Menge bestellt haben“, nennt der Mediziner ein Beispiel.

Auch die Zusage, eine größere Menge an Astrazeneca-Vakzin zu erhalten, um die über 60-jährigen Patienten damit gegen das Coronavirus zu impfen, habe sich zumindest für die kommende Woche schon wieder nicht bestätigt. „Mit der Aussage, es werde in den Impfzentren benötigt“, sagt Wiemer. Dabei, berichtet er aus seiner Praxis, gebe es viele Menschen, auch unter 60-Jährige, die nach Aufklärung über die Risiken durchaus bereit wären, sich auch mit Astrazeneca impfen zu lassen.

Hausärzte zeigen großes Engagement beim Impfen gegen das Coronavirus

Wiemer sieht in den Impfzentren durchaus eine Berechtigung. „Aber jetzt langsam könnten wir doch die gesamte Impfkampagne in die Praxen verlagern. Ein Kollege von mir sagte jüngst: Wir verimpfen einfach noch das, was in den Zentren lagert, dort, machen eine große Abrissparty und dann können wir endlich richtig loslegen. Leider scheint das in Deutschland nicht so einfach möglich zu sein.“

Bei den meisten Hausärzten indes schon. Wiemer berichtet von „einer großen Bereitschaft und großem Engagement beim Impfen“. Und das bestätigt auch Tobias Hopff, Sprecher der Wermelskirchener Hausärzte. „Bei mir ist Samstag Impftag“, sagt der Mediziner aus Dabringhausen. Seinen freien Tag opfert er dafür gern. „Das machen aber auch andere Kollegen“, sagt Hopff. Auch er leidet unter der Unsicherheit, was die Lieferungen der Impfstoffe angeht. „Allein vorige Woche hatten wir mehr bestellt, als letztlich angekommen ist. Wir lassen uns überraschen, wie es weitergeht.“

Logistik des Impfens sollte in der Politik die oberste Rolle spielen

Dr. Heinrich-Otto Wiemer würde sich wünschen, dass mit der vom Unternehmen Biontech und Pfizer angekündigten Lieferung von 50 Millionen zusätzlichen Impfdosen für die Europäische Union die Sache endlich Fahrt aufnimmt. „Wenn man bedenkt, welcher logistische Aufwand in den Impfzentren steckt“, merkt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung an. „Es muss vor allem eine Menge Personal bereitgestellt werden. Wir Hausärzte sind ohnehin da und kennen unsere Patienten, deren Vorgeschichte und mögliche Erkrankungen, häufig ganze Familien. Bei uns sollte das Impfen seinen Platz haben.“

Zudem verstehe er nicht, „warum sich die Politiker jetzt nicht wirklich verstärkt um die Logistik des Impfens und die Beschaffung von mehr Impfstoff kümmern, sondern stattdessen endlos über Verbote und Gebote diskutieren.“

Rund 2 Millionen Erstimpfungen im Rheinland

Die Zahl der Erstimpfungen gegen das Coronavirus im Rheinland hat trotz Verzögerungen inzwischen die Zwei-Millionen-Marke erreicht. Das teilte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein diese Woche mit. Seit dem Beginn der Schutzimpfungen in den stationären Alten- und Pflegeheimen Ende Dezember 2020 wurden demnach in den Impfzentren, in Arztpraxen und durch mobile Impfteams bis zum 19. April insgesamt über 2,5 Millionen Impfungen durchgeführt, darunter über 1,9 Millionen Erst- und bereits rund 616 000 Zweitimpfungen.

„Ich freue mich über die große Zahl an Impfungen, die unser wichtigster Schlüssel zur Überwindung der Pandemie sind. Die Impfbereitschaft unter der Bevölkerung ist immens, gleichzeitig leisten die impfenden Ärztinnen und Ärzte im Rheinland herausragende Arbeit. Durch den Einstieg der Praxen in das Impfgeschehen und die großen, für Mai erwarteten Mengen an Impfstoffen werden wir bis zum Sommer noch wesentlich mehr Tempo bei den Impfungen machen können“, sagt Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. | Standpunkt

Termine

Gestern startete in Nordrhein die Terminvergabe für die Corona-Schutzimpfungen für die Jahrgänge 1948 und 1949. Ab Freitag, 23. April 2021, sind dann auch Terminbuchungen für die Jahrgänge 1950 und 1951 möglich. Die Terminbuchungen können unter der Hotline Tel. (08 00) 11 61 17 01 oder über das Terminportal der KV Nordrhein erfolgen: https://termin.corona-impfung.nrw/home

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