Simulierte Bundestagswahl

Gymnasiasten wählen FDP und Grüne

Alexa Maren Grote (v. l.), Lehrer Andreas Osterkamp und Grete Guntermann analysieren die Ergebnisse. Foto: Alexandra Dulinski
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Alexa Maren Grote (v. l.), Lehrer Andreas Osterkamp und Grete Guntermann analysieren die Ergebnisse.

Schüler simulierten die Bundestagswahl – Volksparteien schneiden schlecht ab.

Von Alexandra Dulinski

Wermelskirchen. Wählen durften die meisten von ihnen zwar noch nicht, dennoch haben die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis Q2 des Gymnasiums Wermelskirchen eine eindeutige politische Meinung. 35,6 Prozent der Schüler aus den Politikkursen wählten in einer simulierten Bundestagswahl die FDP und wünschen sich damit, wie berichtet, Christian Lindner als neuen Bundeskanzler. 25,7 Prozent der Stimmen fielen auf die Grünen – ein Ergebnis, das zwar den Zahlen der richtigen Wahl widerspricht, aber deutlich den Trend in der Wählerschaft der 18- bis 24-Jährigen widerspiegelt.

„Dass die Volksparteien bei uns so schlecht abgeschnitten haben, ist auffallend“, sagt der 16-jährige Silas, Schüler der Q1. Lediglich 16,6 Prozent der Stimmen bekam die SPD, die CDU rangierte mit 13 Prozent auf dem vierten Platz. Eine große Rolle hat für die Schüler die Medienpräsenz der Grünen und der FDP gespielt. „Die FDP macht viel auf Tiktok. Da bekommt man als Jugendlicher viel mit. Christian Lindner wird dabei fast zum Idol“, erklärt Lena (16). Und deutlich wird: Die anderen Parteien müssen in diesem Bereich noch einiges nachholen.

Wer das nicht will, geht zur FDP.

Grete Guntermann, Schülerin, über die Verbotspolitik der Grünen

Nicht ganz ohne Lokalkolorit werden die Wahlen am Gymnasium abgelaufen sein, geben die Schüler zu – ist Christian Lindner doch zur selben Schule gegangen wie sie.

Noch ein Punkt spielt für die Jugendlichen eine Rolle. „Die Grünen wollen recht viel verbieten“, sagt Linus (16). So erscheint ihm die FDP als die bessere Wahl. Zudem stärke sie das Thema Digitalisierung – ein wahrer Magnet für die jungen Menschen.

Die Tendenz von den Volksparteien weg hin zu den Grünen und der FDP, so schätzt Silas, werde vermutlich stark steigen, wenn die Schüler in wenigen Jahren selbst wählen dürfen. Ein Grund für ihn, über das Wahlrecht mit 16 Jahren nachdenken. „Wir haben schon eine politische Meinung und sind reif genug“, sagt er.

Fakt ist: Die meisten Wählerstimmen bekommen bei der richtigen Bundestagswahl hat die SPD – ohne Grüne und FDP sind die Chancen, zu regieren, aber gering. Gleiches gilt für die CDU. Die Schüler wünschen sich nun eine Ampelkoalition. „Allein von der Tendenz her, wer bei der Wahl Prozente hinzugewonnen hat“, sagt Silas. Weil die GroKo in seinen Augen unwahrscheinlich ist, wäre die FDP auf jeden Fall in der Regierung mit im Boot. „Die FDP ist Königsmacher“, sagt Silas.

Die FDP werde eine Anpassungsrolle spielen müssen, schätzt Lena, weil sie in einigen Punkten nicht mit den Grünen und der SPD übereinstimmt. „Es wäre der Wählerschaft gegenüber nicht fair, wenn die Union regiert“, fasst sie zusammen.

Auch Grete Guntermann (19) und Alexa Maren Grote (18), die beide schon wählen durften, fürchten die Verbotspolitik der Grünen. „Wer das nicht will, geht zur FDP“, sagt Guntermann.

Die beiden Schülerinnen siedeln die Grünen-Wähler unter den Schülern in den jüngeren Jahrgangsstufen an. „Bei der Erhöhung der Spritpreise haben die Jüngeren keine Vorstellung davon, wie teuer das wirklich ist, weil sie noch keinen Führerschein haben“, sagt Alexa Maren Grote.

Das Ergebnis überraschte das Kollegium

Das Ergebnis der simulierten Wahl überraschte Andreas Osterkamp, Lehrer für Politik und Geschichte. „Wir hatten erwartet, dass die FDP stark abschneiden würde“, sagt er. So stark, mit mehr als einem Drittel der Stimmen, aber nicht. Und seine Zahlen widerlegen die Vermutung der beiden Schülerinnen. In der zehnten Klasse (EF) bekam die FDP ganze 49 Prozent der Stimmen. Die Grünen standen nicht bei den Jüngeren, sondern bei den ältesten Schülern ganz weit vorne – mit 40 Prozent der Stimmen in der Q2.

Hintergrund

In Vorbereitung auf die simulierte Bundestagswahl haben sich die Schüler des Gymnasiums mit den Wahlprogrammen der Parteien beschäftigt und einzelne Punkte untereinander in Präsentationen verglichen. Besonders das Thema Digitalisierung sei dabei häufig zur Sprache gekommen, berichtet Andreas Osterkamp. Die Ergebnisse der schulinternen Wahl, sowie die sich daraus ergebende Sitzverteilung und die möglichen Koalitionsvarianten sind auf der Schulhomepage einzusehen.

https://t1p.de/80ak

Standpunkt

Kommentar von Alexandra Dulinski

alexandra.dulinski@rga.de

Dass die Schüler des Gymnasiums Wermelskirchen FDP und Grüne an der Spitze der Regierung sehen, ist mehr als spannend. Spiegeln die Ergebnisse doch das wider, was sich bei der Bundestagswahl in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen gezeigt hat. Gelb und Grün sind bei ihnen unheimlich gefragt. Noch beeinflussen sie das Gesamtergebnis nur wenig, gibt es doch viele Ältere, die auf die alteingesessenen Parteien wie SPD und CDU setzen. Aber mit der Zeit werden die jungen Menschen das Zepter in die Hand nehmen. Die Tendenz zum Machtwechsel in der Politik ist da. Wie und wann genau der Umbruch geschieht, ist aller Voraussicht nach nur eine Frage der Zeit. Und noch etwas zeigt die simulierte Bundestagswahl der Schüler: Über die Medien und die sozialen Netzwerke, seien es Facebook, Instagram oder Tiktok, können Politiker die Jugendlichen erreichen. Hier besteht deutlicher Nachholbedarf, wenn die anderen Parteien in der Entscheidung der jungen Wähler weiterhin mitmischen wollen – und sich nicht von Grüne und FDP überholen lassen möchten.

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