Schulneubau

Grüne wollen eine große Gesamtschule

Zurzeit ist im Gespräch, den Schulstandort Wirtsmühler Straße/Weyersbusch weiter zu nutzen. Archivfoto: Lena Hogekamp
+
Zurzeit ist im Gespräch, den Schulstandort Wirtsmühler Straße/Weyersbusch weiter zu nutzen.

Gespart werden soll nach Meinung der Fraktion nicht. Es sollte ausreichend Platz geschaffen werden.

Von Anja Carolina Siebel

Wermelskirchen. Die Wermelskirchener Grünen begrüßen ausdrücklich die Empfehlung einer Gesamtschule für Wermelskirchen. Wie berichtet, hatten Experten im aktuellen Schulentwicklungsplan bereits eine solche Empfehlung ausgesprochen.

„Zurzeit wandern mehr als 30 Prozent der Schüler an weiterführende Schulen in der Umgebung ab“, erklärte Pädagogin Ulrike Schorn-Kussi von den Wermelskirchener Grünen in einem Pressegespräch. „Unser langfristiges Ziel ist es, diese Zahl zu minimieren.“ Eine dem tatsächlichen Bedarf nicht entsprechende Begrenzung der Zügigkeit, also der Klassenstärke pro Jahrgang, einer Gesamtschule, könnte nach Ansicht der Grünen Schüler auch künftig dazu zwingen, auf weiterführende Schulen in Nachbargemeinden auszupendeln.

Um das langfristige Ziel umzusetzen, sind laut Meinung der Grünen allerdings höhere Investitionen nötig, als die Stadt sie offenbar geplant hat. Denn die fasst den Schulneubau, auch den einer Gesamtschule, jetzt eher am Weyersbusch ins Auge als am ursprünglich angedachten Standort an der Rot-Kreuz-Straße. Von Jahr zu Jahr steigende Investitionskosten haben, unter anderem laut Schulentwicklungsplan, zu diesem Vorhaben geführt. Denkbar ist laut Plan auch, die Klassen in Containern unterzubringen.

Das ist nach Meinung der Grünen kein konstruktiver Vorschlag. „Gesamtschulklassen müssen möglichst ein breites Spektrum von unterschiedlichen Begabungen aufweisen“, heißt es in der öffentlichen Pressemitteilung der Grünen. Nur so könne sich die Leistungsfähigkeit der Schulform voll entfalten und auch Inklusion erfolgreich gestaltet werden.“

Zurzeit sind es 60 Schüler, die in der Stadt inklusiv betreut werden. 58 davon besuchen die Sekundarschule. „Was viele Eltern, die sich in der Befragung für eine Realschule ausgesprochen haben, vielleicht nicht wissen: Einer Realschule nach heutigem Konzept fehlt das nötige Personal für erfolgreich umgesetzte Inklusion“, sagt Viola Willinghöfer von den Grünen. In der Sekundarschule hingegen sei wie auch in einer der Personalschlüssel auf eine inklusive Beschulung ausgerichtet.

Grüne wollen die Diskussion gern öffentlich führen

Aber eine Gesamtschule, wie sie jetzt zur Debatte steht, stelle höhere bauliche Anforderungen als eine Sekundarschule. „Da gibt es für den Standort Weyersbusch von unserer Seite viele Einwände“, betont der schulpolitische Sprecher der Grünen, Frank Kaluscha. Die Qualität der Räume sei unter anderem teilweise sanierungsbedürftig, die naturwissenschaftlichen Räume seien teils nicht den Anforderungen entsprechend nutzbar.

Zudem stelle sich die Frage, wie die Abriss- und Sanierungsarbeiten während eines laufenden Schulbetriebs realisiert werden können und welche Auswirkungen diese Maßnahmen auf die Lernenden und Lehrenden hätten. Die Grünen würden den Standort Rot-Kreuz-Straße für den Schulneubau präferieren.

„Bisher wurde vieles zum Thema Schulneubau von Stadt und Politik für die Öffentlichkeit zurückgehalten“, kritisiert Frank Kaluscha. „Wir wollen die Diskussion aber öffentlich machen, weil wir finden, dass die Zukunft unserer Kinder alle angeht.“

Den Fraktionsmitgliedern sei „durchaus bewusst“, dass mit einem größer angelegten Neubau die Kosten erheblich höher werden könnten, als mit der Version, die die Stadtverwaltung offenbar im Auge hat. Und dass das möglicherweise auch Steuererhöhungen nach sich ziehen könnte. „Das müssen wir aber diskutieren“, sagt Frank Kaluscha. „Es ist uns einfach wichtig, Vor- und Nachteile nicht nur sorgsam abzuwägen, sondern auch transparent zu machen.“

Die Grünen haben deshalb einen Fragenkatalog zusammengestellt, der der Stadt bereits vorliegt und den sie in der kommenden Sitzung des Schulausschusses am 10. Januar vortragen wollen. Es geht darin um bauliche Fragen der eventuell geplanten Gesamtschule. Darin werden sowohl der Standort Weyersbusch als auch der Standort Rot-Kreuz-Straße diskutiert.

Schulausschuss

Die Auskunft auf der Vorlage der Stadtverwaltung zur Sitzung des Schulausschusses, der am kommenden Montag, 10. Januar, um 17 Uhr im Rathaus tagt, ist knapp: „Überprüfung des Standortes Weyersbusch hinsichtlich der Raumkapazität“. Allerdings dürfte die Diskussion lebendig werden. Es geht immerhin um nichts Geringeres als die schulische Zukunft in der Stadt. Eine weitere Schulausschuss-Sitzung ist schon für den darauffolgenden Donnerstag, 20. Januar, geplant.

Standpunkt: Absolut nachvollziehbar

Ein Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel@rga.de

Die Debatte ist entfacht. Und das nicht nur, weil die Grünen am Donnerstag zu einem Pressegespräch zum Thema „Zukunft der Sekundarschule“ eingeladen hatten. Schon lange schwelt vielmehr in der Stadt die Debatte – und das nicht nur bei Verwaltung und Politik, sondern auch und vor allem bei Eltern, Lehrern und älteren Schülern. Und das ist auch kein Wunder. Denn war doch ursprünglich groß mit der Sekundarschule als Schulform geplant worden. Der neue Standort sollte an der Rot-Kreuz-Straße entstehen und endlich Ruhe in die Diskussion bringen. Und nun: Kommando zurück. Rapide sinkende Anmeldezahlen und mangelndes Interesse von Eltern an der Sekundarschule haben dazu geführt, neu zu denken. Es geht nun in Richtung Gesamtschule. Und die soll, möglichst günstig, am Weyersbusch entstehen. Dass die Grünen nun dafür plädieren, die Diskussion offen zu führen und auch drängende Fragen zur Planung anführen, ist absolut nachvollziehbar und richtig. Viel zu lange wurde das Thema hinter verschlossenen Türen abgehandelt – gleichwohl es um die Zukunft der Wermelskirchener Schüler geht.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Standort fürs Taubenhaus wird gesucht
Standort fürs Taubenhaus wird gesucht
Standort fürs Taubenhaus wird gesucht
Brandstiftung in Sparkasse - Polizei nimmt 27-Jährigen Tatverdächtigen fest
Brandstiftung in Sparkasse - Polizei nimmt 27-Jährigen Tatverdächtigen fest
Brandstiftung in Sparkasse - Polizei nimmt 27-Jährigen Tatverdächtigen fest
Brandanschlag: Polizei fasst 27-Jährigen
Brandanschlag: Polizei fasst 27-Jährigen
Brandanschlag: Polizei fasst 27-Jährigen
Eben ganz die Patentante
Eben ganz die Patentante
Eben ganz die Patentante

Kommentare