Ärger rund um Freizeitpark

Fraktionen fordern konsequentes Vorgehen

Beigeordneter Stefan Görnert hofft, dass der Sicherheitsdienst zumindest in den Abendstunden am Freizeitpark etwas gegen den Lärm bewirken kann. Archivfoto: Anja Carolina Siebel
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Beigeordneter Stefan Görnert hofft, dass der Sicherheitsdienst zumindest in den Abendstunden am Freizeitpark etwas gegen den Lärm bewirken kann.
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Anwohner beschweren sich zunehmend über Lärm.

Wermelskirchen. Noch hat die Zeit des Jugendfreizeitparks gar nicht richtig begonnen. Denn offiziell ist das Gelände in Zenshäuschen wie mehrfach berichtet noch nicht eröffnet. Dennoch tummeln sich dort täglich Jugendliche und junge Erwachsene. Nicht nur zum Skaten und Biken, sondern auch zum Abhängen und Feiern. Und das oft bis in die späten Abendstunden. Wie berichtet, hat es bereits mehrere Beschwerden von Anwohnern gegeben – bis hin zur Androhung einer Klage.

Die Stadtverwaltung ist darauf hin bereits aktiv geworden. „Der Sicherheitsdienst ist zu den Abendstunden bereits im Einsatz und wir müssen jetzt schauen, was das bewirkt“, sagt Dezernent Stefan Görnert auf Nachfrage. Langfristig wolle man eine Lösung mit dem Amt für Jugend, Bildung und Sport bewirken. „Da soll dann der Streetworker dauerhaft mit den Jugendlichen in Kontakt sein“, sagt Görnert. Er betont: „Ich denke, wir müssen das strikt trennen. Der Betrieb, der tagsüber auf der Anlage herrscht, ist ja in Ordnung. Dass Jugendliche aber auch zu später Stunde noch dort feiern, sollte nicht sein. Dem wollen wir jetzt entgegenwirken.“

Die Ortspolitiker fordern verstärkte Konsequenz in Sachen Jugendfreizeitpark. „Zunächst reden wir ja über ein noch gar nicht eröffnetes Gelände“, bringt es beispielsweise Marco Frommenkord (FDP) auf den Punkt. „Also dürfte sich im Moment dort ohnehin niemand aufhalten. Wenn der Park dann eröffnet ist, muss der kommunale Ordnungsdienst verstärkt präsent sein und verhindern, dass es gerade in den Abendstunden zu erhöhter Lärmbelästigung kommt. Jetzt müssten wir aber eigentlich darüber diskutieren, dass sich schon Menschen dort aufhalten, die da noch gar nicht sein dürften.“

Rehse findet das Verhalten der Jugendlichen respektlos

Ähnlich sieht das Henning Rehse (WNK/UWG). „Ich bin seit Monaten darüber fassungslos, was dort passiert“, sagt der Fraktionsvorsitzende. „Während beispielsweise Gastronomen zum Teil härteste Corona-Auflagen hinnehmen mussten, tobt dort schon seit Monaten das Leben. Ich finde das Verhalten der Jugendlichen respektlos allen Beteiligten gegenüber. Dass das Gelände fast fertig ist, ist noch lange kein Freibrief dafür, sich ungehemmt dort aufhalten zu können und obendrein nachts zu lärmen. Und ich verstehe auch nicht, wieso darüber hinweggesehen wird, dass das Gelände eben noch gar nicht eröffnet ist.“

Jochen Bilstein (SPD) setzt unter anderem auf den Streetworker: „Er muss auf Augenhöhe mit den Jugendlichen sprechen und Akzeptanz schaffen. Ich sehe es aber auch so, dass es eine ganz klare zeitliche Nutzungsbegrenzung für den Platz geben muss. Abends oder gar nachts sollte dort Ruhe sein.“ Bilstein bedauert den schlechten Start des Parks. „In der Hoffnung, dass es sich nach der Eröffnung doch noch zum Guten wendet.“

Stefan Janosi (Grüne) hat zum einen Verständnis für die Jugendlichen: „Sie haben jetzt wegen der Corona-Pandemie eineinhalb Jahre mit allen Einschränkungen gelebt; kein Wunder, dass es sie nach draußen zieht.“ Zum anderen sieht aber auch er die Stadt in der Pflicht: „Der Ordnungsdienst muss klar Präsenz dort zeigen. Nach 22 Uhr sollte dort kein Lärm mehr sein.“

Michael Schneider (CDU) wünscht sich Gespräche: „Ein runder Tisch mit Anwohnern, Jugendlichen und Vertretern aus Stadt und Politik wäre wünschenswert. Wir haben das in Dabringhausen ja auch geschafft, mit den Jugendlichen eine Lösung zu finden, die auch für Anwohner vertretbar war“, spielt Schneider auf den Jugendtreff nahe des Dabringhauser Friedhofs an.

Oliver Platt (BüFo) hofft auf das Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen. „Klar muss nach 22 Uhr dort Ruhe sein, aber ich würde mir einfach wünschen, dass die Nutzer des Jugendfreizeitparks gegenseitig auf sich und die Anlage aufpassen und sich das somit einspielt. Rückgängig machen, dass sie trotz noch nicht erfolgter Eröffnung genutzt wird, können wir meines Erachtens nicht.“

Prozess

Die offizielle Eröffnung des Jugendfreizeitparks in Zenshäuschen wird sich wohl noch weiter hinauszögern. Wie Thomas Marner, Technischer Beigeordneter der Stadt, auf Nachfrage mitteilt, ist mit einem Urteil beim Verwaltungsgericht auch weiterhin erst frühestens Ende Juli zu rechnen. Wie berichtet, hatte ein Anwohner gegen den vor seiner Haustür verlaufenden Radweg geklagt.

Standpunkt

Kommentar von Anja Carolina Siebel

anja.siebel @rga.de

Ja sicher, wir waren alle mal jung. Und, na klar, wir haben alle auch mal hin und wieder Mist gebaut. Zumindest wohl die meisten von uns. Das sind ja immer so die Argumente, wenn es um die Rechte von Jugendlichen geht. Sieht man das in Nuancen etwas anders, wird man ganz schnell, wie jetzt gerade die Anwohner in Zenshäuschen, als Spielverderber hingestellt. Als griesgrämige Erwachsene, die ihre Kindheit und Jugend irgendwo zwischen grauen Anzügen vergraben und vergessen haben. Ganz so ist es aber nicht. Denn es kann, selbst wenn man die Kindheit nach wie vor im Herzen hat und sich seiner Jugendsünden sehr wohl bewusst ist, ganz schön nervig sein, wenn die Nachtruhe dauerhaft gestört wird und wummernde Bässe einem die Abendruhe verhageln. Dauerhaft. Täglich. Und es ist auch nicht einzusehen. Abgemacht war ein Aufenthaltsort für Jugendliche mit Freizeitqualität und der Möglichkeit zur Entfaltung. Eröffnet ist der noch gar nicht, Regeln sind entsprechend noch nicht aufgestellt. Die braucht es aber für ein konstruktives Miteinander. Und zwar möglichst schnell, damit das Konzept nicht vorzeitig scheitert.

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