Gemütliches Beisammensein

Feierabendmarkt stillt jeglichen Hunger

Der Feierabendmarkt in Wermelskirchen zog jede Menge Besucher an.
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Der Feierabendmarkt in Wermelskirchen zog jede Menge Besucher an.

Essen, Trinken und geselliges Miteinander auf der Telegrafenstraße

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Am Donnerstagabend war die Telegrafenstraße zwischen der Haltestelle Rathaus und dem Brückenweg außergewöhnlich gut besucht. Das Zauberwort lautete: Feierabendmarkt. Mit diesem Kooperationskonzept von vier Städten sollen Menschen, die tagsüber an ihrem Arbeitsplatz beschäftigt sind und keine Möglichkeit haben, einen Wochenmarkt zu besuchen, eben dies nach Feierabend angehen können. Zwischen 17 und 21 Uhr sind die Feierabendmärkte geöffnet.

Das Wetter hätte diesmal fast nicht angenehmer sein können: Sonnenschein ohne unerträgliche Hitze, von Regen weit und breit keine Spur. Das war im Vormonat anders gewesen: Der Feierabendmarkt im Juli musste wegen des einsetzenden Starkregens abgesagt werden. Bereits kurz nach Beginn des August-Feierabendmarktes drängelten sich sehr viele Besucher über die Telegrafenstraße. Der eigentliche Markt mag sich über eine Länge von 150 Metern hingezogen haben, auf der anderen Straßenseite hatten Geschäfte geöffnet. Außerdem war die dort ansässige Außengastronomie extrem gut besucht.

Die ersten Eindrücke gaben ein entspanntes und freudiges Ambiente wieder: An der Bushaltestelle Rathaus stand der Musiker Dirk Trümmelmeyer und verstärkte durch sein Spiel auf Sopran- und Altsaxofon die relaxte Stimmung, am Stand der Metallmanufaktur Mach wurden Fachgespräche geführt, ein Juwelier bot besondere Schmuckstücke aus Dubai an, hier gab es Haushaltwaren, dort Hochprozentiges, das wie Honig aussah.

Wunsch nach gemütlichem Treffen war groß

Der Stand des Wermelskirchener Weltladens war nicht überlaufen, aber stetig besucht. Christa Wolf, Leida Raue und Ulla Buhlmann waren zufrieden mit dem Interesse der Marktbesucher. Die zum Verkosten ausgelegten kleinen Proben von Linsenkuchen sowie Mango-Mus schmeckten hervorragend. Familie Iller war der gleichen Meinung und schickte ein seliges „Lecker!“ in den Wermelskirchener Sommerhimmel.

Der Hauptgrund für den Besuch auf dem Feierabendmarkt war, wenn man die Schlangen vor so manchem Gastronomiestand oder der ansässigen Außengastronomie als Beweis gelten lässt, eben das: Der Wunsch der Menschen, sich gemütlich treffen zu können und dabei das eine oder andere Kaltgetränk oder eine deftige Speise zu sich zu nehmen.

Der Feierabendmarkt in Wermelskirchen zog jede Menge Besucher an. Musiker Dirk Trümmelmeyer repräsentierte das entspannte Ambiente.

Dass dabei die Coronaregeln nicht immer zu einhundert Prozent befolgt wurden, dürfte als „Das gehört dazu“ abgebucht werden. Aber nicht alle Besucher fühlten sich wohl mit diesem Ignorieren der Etikette. Das Ehepaar Wolters zum Beispiel, das vehement über die Rücksichtslosigkeit und den Egoismus mancher Mitmenschen schimpfte. „Dass so eine Veranstaltung, auch wenn sie unter freiem Himmel stattfindet, nicht vom Ordnungsamt kontrolliert wird, verstehen wir nicht. 95 Prozent der Gäste hier haben keine Maske auf. Und in der Euphorie vergessen manche Menschen dann, was sie anderen durch ihre Missachtung der Corona-Grundregeln antun könnten.“

„Die Menschen sind hungrig nach Begegnungen.“

Besucher Frank Vierst

Aber solch eine Meinung blieb die Ausnahme. Die Stimmung des großen Teils der Marktgäste blieb angesichts des sommerlichen Wohlfühlwetters im gut temperierten Bereich. Dort wurde beim privaten Kaffeeröster ein stärkendes Getränk geordert, vor dem Cramer Food-Truck warteten mehr als 20 Hungrige auf Currywurst und Pommes, beim WiW-Stand gab es alkoholfreie und –haltige Getränke, der Crepes-Mann bot seine Ware süß, fruchtig oder deftig an.

Marktbesucher Frank Vierst fand den Feierabendmarkt gelungen und wird ihn, wenn das Wetter mitspielt, im kommenden Monat wieder besuchen. „Sehen Sie“, sagte er, „die Menschen sind hungrig nach Begegnungen. Viele sind geimpft, die Gefahr, sich an der frischen Luft mit Corona zu infizieren, ist sehr begrenzt. Für die Menschen hier in Wermelskirchen ist so ein Markt ein schöner Anlass zum Treffen. Und wer das nicht möchte, kann ganz einfach zu Hause bleiben.“

Hintergrund

Konzept: Die bergischen Feierabendmärkte sind als Mischung aus Wochenmarkt und Gastronomieerlebnis konzipiert. Sie finden im wöchentlichen Wechsel in den vier bergischen Städten Wermelskirchen, Burscheid, Wipperfürth sowie Hückeswagen statt und sind bis Ende Oktober geplant.

Termine: Der nächste Feierabendmarkt wird am 19. August in Burscheid stattfinden, im Monat September zweimal in Hückeswagen (2. und 30.). Der nächste Feierabendmarkt in Wermelskirchen ist am Donnerstag, 9. September, gefolgt vom letzten des Jahres: 7. Oktober.

Standpunkt: Gelungenes Konzept

anja.siebel@rga.de

Kommentar von Anja Carolina Siebel

Der Feierabendmarkt ist so eine Veranstaltung, die eigentlich schon vom Moment des Aussprechens der Idee Erfolg versprach. Und so war es letztlich auch. Die Kooperation der vier Städte Wermelskirchen, Burscheid, Hückeswagen und Wipperfürth funktioniert reibungslos. Und die Menschen nehmen das Konzept in allen vier Städten dankbar an. Man kann förmlich spüren, wie sehr sie es vermisst haben, Veranstaltungen zu besuchen und sich in zwangloser Atmosphäre zu treffen. Dass ein Gelingen eines Feierabendmarkt-Konzepts keineswegs ein Garant für Erfolg ist, hat man vor einigen Jahren am Beispiel Remscheid gesehen. Im Jahr 2015 sollte dort ebenfalls ein Feierabendmarkt etabliert werden, nachdem er in Radevormwald bereits Erfolg gehabt hatte. Aber das wurde nichts. Die Remscheider nahmen den Markt – aus welchen Gründen auch immer – nicht ansatzweise so an wie die Rader oder jetzt die Wermelskirchener, Burscheider, Hückeswagener und Wipperfürther. Bleibt zu hoffen, dass es der Feierabendmarkt auch in den nächsten Sommern schafft, zu bestehen.

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