Haus Eifgen

Birth Control zeigt: Krautrock hält jung

Birth Control kam mit Martin Ettrich (v.l.), Manni von Bohr, Peter Föller, Hannes Vesper und Sascha Kühn nach Wermelskirchen: Die ursprüngliche Besetzung hat sich mehrfach verändert.
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Birth Control kam mit Martin Ettrich (v.l.), Manni von Bohr, Peter Föller, Hannes Vesper und Sascha Kühn nach Wermelskirchen: Die ursprüngliche Besetzung hat sich mehrfach verändert.

100 Fans waren im Haus Eifgen dabei. Krautrock-Band stellte ihre Platte „Open Up“ vor.

Von Peter Klohs

Wermelskirchen. Als sich Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre der Krautrock entwickelte, war die aus Berlin stammende Band Birth Control schnell einer der Grundpfeiler dieser komplexen Rockmusik.

Im Laufe ihres Bestehens wurde die Band diverse Male aufgelöst und wiederbelebt. Birth Control stand und steht für dem Hardrock nahe Musik, angereichert durch lange Instrumentalabschnitte, die den Musikern die Gelegenheit gab, in Improvisationen ihr Können zu zeigen. 1966 gegründet, hat die Band inzwischen mehr als 20 Platten und CDs veröffentlicht. Die Neuste, „Open Up“, stellte Birth Control am Freitagabend im Haus Eifgen vor.
Hier stellen auch die Wasserfuhr-Brüder bald ihre neueste Platte vor.

Zweieinhalbstunden auf der Bühne – und das fulminant

Von der ursprünglichen Besetzung ist niemand mehr dabei. Das Quintett besteht aus zwei Musikern, die in den Anfangsjahren mit der Band spielten und drei jüngeren Kollegen. Sänger und Gitarrist Peter Föller, seit 1973 dabei, hat den ehemaligen Schlagzeuger (ab 1977) Manni von Bohr reaktiviert. Beide sind knapp über 70 Jahre alt. Zu ihnen gesellen sich Gitarrist Martin Ettrich, Bassist Hannes Vesper und Sascha Kühn, der die Keyboards spielt. In einem zweieinhalbstündigen, fulminanten Konzert stellte die Band unter Beweis, dass Krautrock jung halten kann.

Mit „The work is done“ begann der Reigen der ein Dutzend teils ausufernd langen Stücke. Bereits im Opener zeigte sich die Fähigkeit der Gruppe, unterschiedliche und zum Teil komplizierte Rhythmen musikdienlich miteinander zu verbinden. Alleine beim Stück „Plastic People“ von gleichnamiger LP (1975) werden in den ersten drei Minuten vier unterschiedliche Rhythmen miteinander verwoben. Nicht umsonst zählt sich die Band auch zur Spielart „Progressive Rock“ – was sich in „Back from hell“ eindeutig beweisen und mit „Open Sesame“ aus dem neuen Album noch deutlicher untermauern lässt. Sänger Föller, im schwarz-weißen John-Lennon-T-Shirt auf der Bühne, gab nach gut 70 Minuten eine kleine Pause bekannt.

Im zweiten Teil waren gelegentlich Funk-Einflüsse zu hören, wie bei „I don’t mind“ und bei „Lost in the sea“. Absolut herausragend das über achtminütige Drum-Solo von Manni von Bohr, in dem er seine ihm eigene Fußarbeit an vier Pedalen(!) ausgiebig vorstellen konnte. Das hätten auch Schlagzeugkollegen, die vierzig Jahre jünger als von Bohr sind, nicht unbedingt spielen können. Auch Föller ließ in seiner musikalischen Darbietung nichts von seinem Alter (72) ahnen und war auch nach annähernd 120 Minuten nicht sichtbar erschöpft.

Wenn Föller dann am Ende des Konzertes die Maracas hervorholt, weiß das geneigte Publikum, was kommt, man hat ja schließlich lange genug darauf gewartet: Gamma Ray, der größte Hit der Gruppe, wird in einer über 25-minütigen Version gespielt. Im instrumentalen Teil des Stückes hat Hannes Vesper ein Bass-Solo. Und plötzlich haben alle ein Rhythmusinstrument in den Händen: Föller die Maracas, Ettrich ein Tamburin, der Bassist eine Cowbell und Keyboarder Kühn hilft am Schlagzeug mit. Es groovt, wie man sagt, wie Hölle. Abschließend gibt es ein Gitarren-Voice-Duett und das extra lange Stück wird immer langsamer, bevor es in einem endlos langen Schlussakkord endet. Gut 100 Besucher spendeten viel Applaus.

Manni von Bohr ist immer noch nicht müde und erklärt den Interessierten gerne seine selbst entwickelte „Quad-Pedal-Technik“ und seine Spielweise, bei der er abwechselnd mit Ferse und Zehenballen die Fußpedale betätigt.

Termin

Schon bald werden zwei weitere Krautrock-Bands auftreten. Am Sonntag, 21. August, werden ab 17 Uhr Jane und Fargo in einem Doppelkonzert auf der Bühne im Haus Eifgen stehen. Jane sind vor allem durch die LP „Fire, Water, Earth and Air“ (1976) in die Geschichte des Krautrock eingegangen. Fargo ist eine der ältesten noch aktiven Rockbands Deutschlands.

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